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Alle Lancia-Rallye-Legenden bei der RM-Sotheby’s-Auktion in Essen

Weißer Lancia Delta Integrale mit Rallye-Streifen in moderner Ausstellungshalle.

Aktualisiert am 13.04.2019: Die Verkaufspreise wurden ergänzt.

Nicht oft bietet sich die Gelegenheit, sämtliche Lancia-Rallye-Modelle, die diese Disziplin geprägt haben, am selben Ort zum Verkauf zu sehen. Genau das wird bei der kommenden RM-Sotheby’s-Auktion in Essen geschehen.

Bei der Versteigerung am 11. und 12. April kommen mehr als 200 Fahrzeuge unter den Hammer, überwiegend europäischer Herkunft. Besonders stark vertreten sind deutsche Automobile, die mehr als die Hälfte des gesamten Angebots ausmachen.

Umso bemerkenswerter ist diese Auswahl italienischer Rallye-Legenden: Sie umfasst alle Lancia-Modelle, die den Rallyesport seit dem Ende der 1960er-Jahre bereicherten und zugleich dominierten.

Lancia Fulvia Coupé Rallye 1.6 HF „Fanalone“, 1970

Dieser Fulvia ist nicht der einzige seiner Art bei dieser Auktion. Angeboten werden zudem ein Fulvia aus dem Besitz von Fürst Rainier III. von Monaco sowie ein weiterer, für den Wettbewerb vorbereiteter Rallye 1.3 HF, der bereits an mehreren historischen Rallyes teilgenommen hat.

Über dieses Exemplar, den Fulvia Coupé Rallye 1.6 HF „Fanalone“, liegen nur wenige Informationen vor. Er wurde neu nach Italien ausgeliefert, hatte seither lediglich vier Besitzer und wurde nie restauriert. Das Fahrzeug gehört zu den 1258 zwischen 1969 und 1970 gebauten Exemplaren. Als Weiterentwicklung des 1.3 HF erhielt es einen neuen, größeren 1,6-l-V4 mit 117 PS.

Geschätzter Verkaufspreis: 60.000 Euro bis 70.000 Euro.

Verkauft für: 69.000 Euro.

Lancia Stratos HF Stradale by Bertone, 1975

Der Fulvia wurde durch den radikalen und längst ikonischen Stratos abgelöst. Statt ein Serienfahrzeug für den Rennsport umzubauen, entwickelte Lancia zunächst einen Wettbewerbwagen und passte ihn nur so weit an, dass er legal auf öffentlichen Straßen gefahren werden konnte.

Dennoch mussten 500 Exemplare der Straßenversion gebaut werden, um die Homologation für den Wettbewerb zu erhalten. Nach den verlässlichsten Schätzungen entstanden letztlich jedoch nur 492 Fahrzeuge.

Dieser Lancia Stratos HF Stradale ist eines davon und trägt die Fahrgestellnummer 829AR0 001832. Laut den Lancia-Unterlagen bewahrt er seine Lackierung in Azzurro, die „Sereno“-Teppiche sowie die mit Alcantara bezogenen Sitze. Im Februar 1975 wurde er auf Guido Bignardi zugelassen, der ihn 30 Jahre lang bis 2005 behielt. Anschließend verkaufte er ihn an Carlo Pungetti, der das Fahrzeug erst 2015 an den heutigen Besitzer weitergab.

Der Lancia Stratos wurde nie restauriert und gilt mit lediglich 11.800 km auf dem Kilometerzähler als einer der Stratos mit dem besten Originalzustand.

Geschätzter Verkaufspreis: 480.000 Euro bis 520.000 Euro.

Verkauft für: 545.000 Euro.

Lancia 037 Rally Stradale, 1982

1982 erschien mit dem Lancia 037 der erste Gruppe-B-Wagen der Marke. Auch diesmal verlangte die Homologation den Bau von 200 Straßenversionen. Tatsächlich wurden 217 Exemplare des teilweise auf dem Beta Montecarlo basierenden 037 Rally Stradale gefertigt.

Bei diesem Lancia 037 Rally Stradale handelt es sich um das Fahrgestell Nr. 0022. Obwohl alle 037 Stradale im Jahr 1982 gebaut wurden, erfolgte die Zulassung dieses Fahrzeugs erst im Mai 1984 auf Francesco Pio Bignardi, eine bekannte Persönlichkeit der italienischen Rallyeszene.

2005 kaufte Carlo Pungetti den Wagen, ließ ihn jedoch nie zu und bewahrte ihn gemeinsam mit dem Rest seiner Sammlung auf. 2015 veräußerte er ihn an den heutigen deutschen Besitzer. Das Fahrgestell Nr. 0022 des Lancia 037 Rally Stradale wurde nie restauriert und hat nur 3500 km zurückgelegt, womit es zu den bekannten Exemplaren mit der niedrigsten Laufleistung zählt.

Geschätzter Verkaufspreis: 350.000 Euro bis 400.000 Euro.

Verkauft für: 770.000 Euro.

Lancia Delta S4 Stradale, 1985

War der 037 Rallye noch der letzte Wagen mit Hinterradantrieb, der eine WRC-Meisterschaft gewann, konnte sein Nachfolger nur als echtes Monster bezeichnet werden. Mit Allradantrieb sowie einem Motor mit Kompressor und Turbolader war der Lancia Delta S4 reine Kraft und leistete mehr als 500 PS.

Die Straßenausführung, der Lancia Delta S4 Stradale, fiel mit 250 PS deutlich „zurückhaltender“ aus, war aber nicht weniger spektakulär. Lancia baute die vorgeschriebenen 200 Exemplare, hatte jedoch einige Mühe, sie alle zu verkaufen; manche fanden erst Ende der 1990er-Jahre einen Käufer – angesichts ihres heutigen Werts eine verpasste „Schnäppchen“-Gelegenheit.

Dieses Fahrzeug hat erst 2196 km zurückgelegt. Die Unterlagen belegen eine Erstauslieferung nach Italien; später wechselte es nach Frankreich und Deutschland, bevor es schließlich nach Italien zurückkehrte.

Geschätzter Verkaufspreis: 450.000 Euro bis 550.000 Euro.

Verkauft für: 1.040.000 Euro.

Lancia Delta HF Integrale Evoluzione „Martini 5“, 1992

Das letzte Rallye-Kapitel von Lancia schrieb der Delta HF Integrale nach dem Ende der Exzesse – und der Tragödie – der Gruppe B unter dem Gruppe-A-Reglement. Der Lancia Delta dominierte wie kaum ein anderes Fahrzeug und ist bis heute der erfolgreichste Wagen in der Geschichte der WRC: Von 1987 bis 1992 gewann er sechs Meisterschaften in Folge.

Lancia zog sich 1992 offiziell zurück. Zum Gedenken an den fünften aufeinanderfolgenden Titelgewinn von 1991 entstand eine nummerierte Sonderserie des „Deltona“ mit 400 Exemplaren: der Martini 5 in den ikonischen Farben von Martini Racing.

Das hier angebotene Exemplar des Lancia Delta HF Integrale Evoluzione „Martini 5“ trägt die Nummer 111. Es wurde im Februar 1992 gebaut und im September desselben Jahres von Alvaro Nanni zugelassen. Nach 20 Jahren in dessen Besitz wurde es an Giannantonio Bussinello verkauft und wechselte danach noch zweimal den Eigentümer.

Der Wagen befindet sich im Originalzustand. 2015 erhielt er eine Wartung, bei der unter anderem der Zahnriemen ersetzt und der Turbolader überholt wurde.

Geschätzter Verkaufspreis: 120.000 Euro bis 140.000 Euro.

Verkauft für: 120.000 Euro.

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