Volvo Cars will seinen Absatz steigern und zugleich die weltweite Profitabilität des Unternehmens verbessern. Beides geht nicht zwangsläufig Hand in Hand: Volkswagen und Toyota verkaufen zwar mehr Fahrzeuge, verzeichnen aber dennoch rückläufige Gewinne.
Die schwedische Marke stellte deshalb in dieser Woche eine neue Strategie vor, deren klar formuliertes Ziel bei den Anteilseignern – darunter der chinesische Konzern Geely – gut ankommen dürfte: „ein stärkeres und profitableres Unternehmen aufzubauen“.
Der Hersteller strebt eine operative Marge von mehr als 8 %, positive Cashflows und weiteres Wachstum durch Elektrifizierung an. „Die Elektrifizierung ist eine Chance und unser wichtigster Wachstumstreiber“, erklärte Håkan Samuelsson, Präsident und CEO von Volvo Cars, in einer Mitteilung.
Dieses klare Bekenntnis zur Elektrifizierung bleibt bestehen. Verbrennungsmotoren werden jedoch länger als ursprünglich vorgesehen parallel dazu im Programm bleiben.
Der neue Volvo EX60 als Wendepunkt
Eine Schlüsselrolle in dieser neuen Phase soll der Volvo EX60 übernehmen. Das elektrische SUV wird bereits im Januar vorgestellt und könnte laut Volvo zum meistverkauften Modell der schwedischen Marke aller Zeiten werden.
Auf der neuen SPA3-Plattform basierend, soll das Modell die Elektrooffensive der Marke entscheidend voranbringen. Das liegt sowohl an der Bedeutung seines Segments als auch am Anspruch, Preis, Leistung und Effizienz wettbewerbsfähiger miteinander zu verbinden.
Volvo bündelt für dieses Modell sein gesamtes verfügbares Know-how: die Plattform, Fertigungsverfahren mit Mega-Casting sowie neue Hard- und Software. Wie sich noch zeigen wird, hat sich der Hersteller dafür in alle Richtungen umgesehen – auch in China.
Niedrigere Kosten, höhere Gewinne
Nach Angaben von Fredrik Hansson, Finanzchef von Volvo Cars, wird die künftige Ertragskraft des Unternehmens vor allem von niedrigeren variablen Kosten und der gemeinsamen Nutzung von Komponenten mit Geely abhängen. Der chinesische Konzern ist der grösste Anteilseigner der schwedischen Marke.
„In einer Branche mit intensivem Wettbewerb ist unsere Beziehung zu Geely ein wichtiger Vorteil, um nicht nur wettbewerbsfähigere regionale Produkte zu entwickeln, sondern auch eine bessere Kostenstruktur zu schaffen“, betonte Håkan Samuelsson, Präsident und CEO von Volvo Cars, bei einer Präsentation für Investoren.
Durch die gemeinsame Nutzung von Teilen und Technologien mit Geely will Volvo die Produktionskosten senken und gleichzeitig die Entwicklung neuer Elektroautos beschleunigen. Darüber hinaus plant die Marke Einsparungen in weiteren Bereichen, indem sie in sämtlichen Fahrzeugen dasselbe Softwaresystem einsetzt.
Auch das Sparprogramm im Umfang von rund 18 Milliarden schwedischen Kronen – umgerechnet etwa 1,6 Milliarden Euro zum aktuellen Wechselkurs – soll Volvo dabei unterstützen, die Ausgaben besser zu kontrollieren und die Finanzen solide zu halten.
Regionale Strategie und Kundenfokus
Ein weiterer Grundpfeiler der neuen Strategie ist die stärkere regionale Ausrichtung, insbesondere in Europa, den USA und China. Schweden bleibt zwar das operative Zentrum von Volvo, doch die Marke will ihr Angebot an jeden Markt anpassen – mit Produkten und Preisen, die den lokalen Gegebenheiten entsprechen, und unter Nutzung der industriellen Synergien mit Geely.
Zudem setzt die schwedische Marke auf einen stärker kundenorientierten Ansatz. Neue Direktvertriebsmodelle und digitales Marketing sollen die Vertriebskosten verringern und die Effizienz des Händlernetzes erhöhen.
Denn die Volvo-Verkäufe sind im Jahresverlauf zurückgegangen. Von Januar bis Oktober setzte der Hersteller 547 749 Autos ab, was gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres einem Rückgang von 8 % entspricht. Die Verkäufe von Elektroautos sanken dabei um 10 %, jene von Plug-in-Hybriden um 19 % und die von Mild-Hybrid-/Verbrenner-Modellen um 5 %.
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