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Mercedes-Maybach GLS 600 4MATIC: Superluxus-SUV im Test

Mercedes-Maybach GLS 600 Luxus-SUV in Schwarz und Silber auf Präsentationspodest mit Lichtstreifen im Hintergrund.

Der Mercedes-Maybach GLS 600 4MATIC ist das erneuerte Angebot der inzwischen zur Submarke gewordenen Marke im Superluxussegment – beinahe zwei Jahrzehnte nach ihrer Wiederbelebung.

An historischer Tradition mangelt es Maybach nicht, wenn die Marke mit Superluxusherstellern wie Rolls-Royce oder Bentley konkurrieren will.

Tatsächlich stützen sich alle drei auf die renommierte deutsche Automobiltechnik – Rolls-Royce gehört BMW, Bentley dem Volkswagen-Konzern –, die sich unter ihren höchst exklusiven Karosserien verbirgt und jedem anderen Fahrzeug auf der Straße eine Aura der Überlegenheit vermitteln soll.

Der neue Anlauf, die Marke Maybach ab 2015 erfolgreich zu etablieren, fällt in eine völlig andere Zeit: Der chinesische Superluxusmarkt ist mit deutlichem Abstand zum weltweit größten geworden. Seit 2015 verkauft sich die Mercedes-Maybach S-Klasse jährlich mit rund 12.000 Einheiten, von denen der Großteil in diesem größten Automobilmarkt der Welt abgesetzt wird.

Mercedes-Benz will dieses neue Chancenfenster für Maybach weiter öffnen – zunächst mit der S-Klasse und diesem GLS. Er ist der erste SUV in der Geschichte der Marke und tritt in einem Markt für Superluxus-SUV an, der weltweit von 7.500 Fahrzeugen im Jahr 2018 bis 2023 voraussichtlich auf das Dreifache wachsen sollte.

Auch wenn es europäischen Köpfen schwerfallen mag zu glauben, dass ein Mercedes-Benz mit Maybach als Zusatz Kunden von den aristokratischen britischen Schwergewichten abwerben kann: Sehr wahrscheinlich werden nahezu drei von vier GLS 600 ausgerechnet in China zugelassen, wo das Markenimage der Deutschen kaum zu übertreffen ist.

Im Visier: Rolls-Royce und Bentley

Fahrwerk und Karosserie stammen von der aktuellen dritten GLS-Generation, wurden jedoch in beiden Fällen mit besonderen Zutaten veredelt. Dadurch steigen Gesamtqualität und Fahrkomfort auf ein Niveau, das selbst die wichtigsten Konkurrenten mit SUV-Limousinen-Genen herausfordert: den opulenten Rolls-Royce Cullinan und den Bentley Bentayga.

Sofort ins Auge fällt der eigenständige Kühlergrill mit markanten vertikalen Streben, ergänzt durch umfangreiche Chromverzierungen rund um die Stoßfänger. Hinzu kommt der aufrecht stehende Mercedes-Stern an der Spitze der Motorhaube – erstmals bei einem SUV, nachdem er von allen „normalen“ Mercedes-Benz-Modellen verschwunden ist.

Erwähnenswert sind auch die verchromten Trittbretter. Eingefahren bewahren sie die elegante Silhouette des GLS 600, doch sobald sich eine darüberliegende Tür öffnet, fahren sie automatisch und geräuschlos aus, um den Ein- und Ausstieg der hochverehrten Insassen zu erleichtern. Sobald die Fahrt beginnt und 15 km/h überschritten werden, ziehen sie sich selbsttätig wieder ein.

Um die Mise-en-scène noch eindrucksvoller zu gestalten, senkt sich die Karosserie dabei um drei Zentimeter ab. Das Metalltrittbrett, das 200 kg tragen kann, wird außerdem beleuchtet und bleibt somit auch nachts funktional.

Maybach-Embleme an den hinteren Dachsäulen sorgen ebenfalls für Abgrenzung, wenn auch deutlich zurückhaltender als die zweifarbige Lackierung. Letztere ist optional erhältlich und schlägt mit einem fürstlichen Aufpreis von rund 17.500 Euro zu Buche.

Luxuriöse Verführung im Mercedes-Maybach GLS 600

Ist das Äußere schon reizvoll, präsentiert sich der Mercedes-Maybach GLS 600 im Innenraum beinahe üppig-verführerisch. Überall findet sich Rindsleder, das gewissermaßen mit Beethoven 5. Sinfonie aufgewachsen ist, um die Nerven zu beruhigen, kombiniert mit Metall und Holz in Design- und Qualitätsniveaus, die an Luxusmöbel erinnern.

Gegenüber einem „normalen“ GLS gibt es jedoch wesentliche Unterschiede. Der Maybach besitzt nur zwei Sitzreihen, während der GLS in drei Reihen bis zu sieben Personen befördert. Verfügbar sind eine Fünf- oder eine Viersitzkonfiguration, wobei die letztgenannte voraussichtlich am gefragtesten sein wird.

Die beiden großzügigen elektrisch verstellbaren Fondsessel setzen beim Komfort neue Maßstäbe. Ihre Passagiere – nahezu immer die wichtigsten Mitreisenden im Mercedes-Maybach GLS 600 – fühlen sich, auch dank des Fahrwerks, als schwebten sie durch Wolken.

Sie verfügen über Heizung, Belüftung und Massagefunktion, lassen sich weit in eine nahezu horizontale Position zurücklehnen und bieten ausfahrbare Beinauflagen. Dazu kommen 64 wählbare Farbtöne der Ambientebeleuchtung, eine Chillout-Playlist über das 3D-Soundsystem von Burmester sowie mit duftendem Osmanthus parfümierte Luft – die Lebensqualität an Bord kommt damit der Perfektion sehr nahe.

In der Konsole zwischen den beiden Plätzen können sich ein ausklappbarer Tisch, ein Premium-Minikühlschrank für rund 1.000 Euro, Halterungen für verchromte Champagnerflöten für 750 Euro sowie ein herausnehmbares 7-Zoll-Tablet befinden. Letzteres ergänzt zwei 11,6-Zoll-Monitore auf den Rückseiten der Vordersitze.

Weniger Mitfahrer, weniger Gepäck

Weil eine Sitzreihe entfällt, wurde die zweite Reihe um 12 cm weiter nach hinten und um 3 cm weiter zur Fahrzeugmitte versetzt. So bleiben „Ihre Hoheiten“ weiter von den Türverkleidungen entfernt.

Das ist eine originelle Methode, einen Maybach-SUV mit langem Radstand zu „schaffen“ – eine bei Chinesen und Amerikanern besonders geschätzte Karosserieform –, obwohl der Radstand dem des „normalen“ GLS entspricht. Auch Rolls und Bentley bieten keine XL-Version an, anders als der Range Rover, der mit verlängertem Radstand erhältlich ist.

Der Beifahrersitz lässt sich zudem per elektrischem Befehl aus der zweiten Reihe nach vorn bewegen. Dadurch entstehen 1,34 m Beinfreiheit, damit der rechte Fondpassagier vollständig entspannen kann. Ahhhhhh…

Der Kofferraum fasst 520 l und damit erheblich weniger als die 890 l des fünfsitzigen Mercedes-Benz GLS. Der Grund ist eine feste Trennwand zwischen zweiter Reihe und Gepäckraum, die nach Angaben der Deutschen die Geräusch- und Wärmedämmung dieses „Wohnzimmers“ verbessert.

Für die meisten künftigen Kunden dürfte das kein großes Problem sein. Schwerer zu akzeptieren sein könnte dagegen, dass das Cockpit- und Betriebssystemkonzept mit zwei nebeneinander angeordneten 12,3-Zoll-Bildschirmen im Vergleich zur neuen Mercedes-Maybach S-Klasse (W223) bereits „veraltet“ wirkt. Schließlich basiert der Mercedes-Maybach GLS auf dem GLS, der wiederum vom GLE abstammt.

Ebenso irritierend: Obwohl er so viel kostet wie manche Dreizimmerwohnung, müssen der Designo-Lederpaketpreis von 15.000 Euro, das aufwendigere Head-up-Display mit Augmented Reality, beheizte Scheibenwaschdüsen für die Frontscheibe, die Zuziehhilfe für die Türen und einige Fahrerassistenzsysteme zusätzlich fürstlich bezahlt werden.

V8 statt V12

Ein weiterer Punkt, an dem der Mercedes-Maybach GLS 600 manche anspruchsvolle Interessenten enttäuschen könnte, ist der Antrieb. Verbaut ist ein 4,0-l-V8-Biturbo mit Mildhybridisierung: Ein kleiner Elektromotor mit 22 PS und 250 Nm übernimmt Starter-Generator-Funktionen, unterstützt beim Anfahren und Beschleunigen, gewinnt beim Verzögern und Bremsen Energie zurück und ermöglicht zudem die Abschaltung der halben Zylinderzahl – im Comfort-Modus zwischen 800 und 3250 U/min.

So umweltfreundlich die beiden letztgenannten technischen Maßnahmen auch sein mögen, dürften sie das Fehlen eines V12 kaum ausgleichen. Einen solchen bieten Rolls-Royce Cullinan und Bentley Bentayga, und höchstwahrscheinlich wird ihn in einigen Monaten auch die Mercedes-Benz S-Klasse wieder haben.

Diese „Enttäuschung“ betrifft weniger die Fahrleistungen des Mercedes-Maybach GLS 600. Trotz seiner drei Tonnen Gewicht einschließlich Fahrer und Beifahrer beschleunigt er in 4,9 s auf 100 km/h und erreicht 250 km/h. Im alltäglicheren Betrieb fällt vielmehr auf, dass ihm bei Zwischenspurts etwas Nachdruck fehlt, besonders auf kurvigen Landstraßen mit je einer Fahrspur pro Richtung, wenn häufig überholt werden muss.

Ein fliegender „Teppich“

Der relative Nachteil gegenüber V12-Motoren ändert nichts daran, dass die 730 Nm Drehmoment schier endlos wirken. Dabei hilft die gut arbeitende Neunstufen-Automatik, die das Beste aus dem V8-Biturbo bereits bei niedrigsten Drehzahlen bis hin zu 6200 U/min herausholt. Darüber hinaus zu drehen, könnte trotz der Doppelverglasung im Innenraum zu viel Lärm erzeugen, obwohl lediglich ein sanftes Hintergrundgrollen seine Anwesenheit signalisieren soll.

Das Getriebe wechselt die Gänge schnell, wenn es darauf ankommt, und geschmeidig, wenn genau das gefragt ist. Im Fahrprogramm Maybach startet es stets im 2. Gang, während das Stop/Start-System deaktiviert wird. Zugleich reagiert das Gaspedal sanfter und die Luftfederung wechselt in ihre komfortabelste Einstellung – alles mit dem Ziel, jegliche Vibrationen und Rucke zu minimieren, welche die „wertvolle Fracht“ stören könnten.

Wird die Kurvenneigefunktion aktiviert, legt sich der Mercedes-Maybach GLS aktiv um bis zu 3° in die Kurve, ähnlich wie ein Motorradfahrer. Dadurch werden Querkräfte noch weniger wahrgenommen. Manche Fahrer werden diese Gegenwirkung zu den Fliehkräften in Kurven nicht mögen, weil sie unnatürlich wirkt: Der Körper neigt sich nicht nach außen. Für solche Fälle lässt sich das System selbstverständlich abschalten.

In diesem Zusammenhang verdient die Art Lob, wie Quer- und Längsbewegungen der Karosserie kontrolliert werden – insbesondere angesichts von Gewicht, Höhe und der weich abgestimmten Federung dieses Super-SUV.

Ebenso überzeugend verschluckt das Fahrwerk selbst grobe Straßenunebenheiten, und das trotz 22-Zoll-Rädern und Niederquerschnittreifen mit Querschnitt 40 vorn sowie 35 hinten. Verantwortlich ist das gelungene Zusammenspiel der straßenabtastenden Kamera, der Dreikammer-Luftfederung und der variablen elektronischen Dämpfer. Eine Besonderheit besteht darin, dass Feder- und Dämpfungskräfte für jedes Rad einzeln festgelegt werden können.

Da der Mercedes-Maybach GLS trotz allem ein 4×4-SUV bleibt, sind außerdem die Anhängelast von 3,5 Tonnen und ein spezieller Fahrmodus zu nennen. Dieser hebt die Federung an, um ausgeprägtere Hindernisse zu überwinden, und passt Gasannahme sowie Traktionskontrolle für Fahrten abseits befestigter Straßen an.

Im Offroad-Programm gibt es außerdem den „Bounce Mode“ – den Hüpfmodus –, mit dem sich das Fahrzeug aus Sand befreien kann. Wie? Die Federung bewegt sich automatisch und fortlaufend auf und ab, wodurch der Reifendruck auf dem Untergrund wiederholt sinkt und steigt und sich die Traktion verbessert. Vermutlich wird diese Funktion eher für Instagram-Videos als für andere Zwecke verwendet, doch sie kann nützlich sein, wenn ein Scheich beim Vergnügen in den Dünen Dubais feststeckt …

Autoren: Joaquim Oliveira/Press-Inform.

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