Elektroautos sind zu schwer, ihre Batterien beanspruchen viel Platz und das Laden dauert zu lange. Doch was wäre, wenn die Zellen leichter, kleiner und schneller aufladbar wären? Damit ließe sich … alles lösen.
Warum Feststoffbatterien für Toyota so wichtig sind
Genau deshalb ist die Automobilbranche von Feststoffbatterien (SSBs) so begeistert. Vereinfacht gesagt: Statt eines unhandlichen Gels verwenden sie einen festen Elektrolyten. Das ermöglicht eine kompaktere Batterie mit höherer Leistungsdichte, die bei einer Beschädigung zudem weniger explosionsfreudig ist. Volltreffer!
Bislang ist es allerdings niemandem gelungen, diese Technik zu einem bezahlbaren Preis und in grossen Stückzahlen zur Serienreife zu bringen. Toyota hat sich dennoch weit aus dem Fenster gelehnt: Ein Fahrzeug mit SSB soll 2028 in den Verkauf gehen – möglicherweise sogar schon 2027.
Laut Keiji Kaita, dem Mann mit vermutlich der längsten Berufsbezeichnung bei Toyota, läuft der Plan in jedem Fall „im Zeitplan“. Er ist Präsident des Carbon Neutral Advanced Engineering Development Centre des Unternehmens.
Auf der Japan Mobility Show – wo Toyota ein Corolla-Konzept zeigte, das mit fossilen Kraftstoffen, als Hybrid, Plug-in-Hybrid oder vollelektrisch angetrieben werden kann – erklärte Kaita-san, bei den SSBs gehe es vor allem um „hohe Leistung, kompakte Abmessungen, grosse Reichweite und lange Lebensdauer“.
Toyota-Feststoffbatterien mit längerer Lebensdauer
Voraussichtlich werden die Feststoffbatterien weiterhin auf Lithium-Chemie setzen. Auf die Umweltbilanz angesprochen, räumte Kaita-san ein: „Natürlich versuchen wir, den CO₂-Fussabdruck der Batterie zu verringern. Am wichtigsten ist es, eine hochwertige Batterie mit langer Lebensdauer zu entwickeln.
„Im Vergleich zu herkömmlichen Batterien“, ergänzte er, „kann die Lebensdauer einer SSB viermal so lang sein. Dadurch beträgt der CO₂-Fussabdruck der Produktion relativ [zu einer Lithium-Ionen-Batterie] ein Viertel, und wir glauben, dass SSBs dieses Potenzial haben.“
Welches Fahrzeug erhält also als erstes die goldene Kugel unter den Batterien? Vermutlich wird sie, wie jede neue Technik, zunächst teuer sein. Das würde auf ein Lexus-Modell hindeuten – etwa auf den Sport Concept oder den Electrified Sport Concept, die beide mögliche Nachfolger des legendären V10 LFA sein könnten. Vielleicht debütieren die SSBs aber auch im neuen, ultraluxuriösen Century.
„Es muss ein Modell sein, das diese Eigenschaften ausspielen kann: hohe Leistung, kompakte Abmessungen, grosse Reichweite und lange Lebensdauer“, wiederholte Kaita-san. „Das überlassen wir Ihrer Vorstellungskraft.“
Feststoffbatterien auch für Corolla, Prius und RAV4?
Toyota könnte ebenso den gegenteiligen Weg einschlagen und entscheiden, dass sich die Investition am schnellsten amortisiert, wenn SSBs in möglichst viele Fahrzeuge mit hohen Stückzahlen eingebaut werden. Würden effizientere, kleinere und leistungsstärkere Batterien in die nächste Generation von Corolla, Prius und RAV4 einziehen, verschaffte das Toyota einen gewaltigen Vorteil im Massenmarkt für Familienautos und Firmenflotten. Die Konkurrenz müsste dann eilig versuchen, bei Reichweite und Packaging-Vorteilen mitzuhalten.
Zunächst muss Toyota die SSBs allerdings tatsächlich zur Realität machen. Und der Konzern steht dabei nicht allein da.
Mercedes testet auf öffentlichen Strassen intensiv EQS-Limousinen mit SSB-Ausstattung, während Rimac bekanntermassen stark in diesem Bereich investiert. Das Thema klingt trocken und wenig sexy, doch es könnte zum grössten Wettrüsten bei Antrieben werden, seit ein Schweizer namens Alfred Büchi den Turbolader erfunden hat …
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