Autoshows liegen mir eigentlich nicht besonders. Keine Sorge: Das wird jetzt keine weitere Tirade über Autos, die auf Golfplätzen abgestellt werden, damit wir sie alle verehren und anbeten. Ich möchte nur vorwegnehmen, dass ich kürzlich den Atlantik überquert habe, um genau eine solche Veranstaltung zu besuchen.
Es handelte sich um eine kleine, aber hervorragend organisierte Autoschau, von der Sie heute – und womöglich auch künftig – sehr wahrscheinlich noch nie gehört haben. Dann erwischte mich die Grippe. Eine echte Grippe. Die Sorte, bei der sich der Tod anfühlt, als stünde er unmittelbar bevor und sei eine willkommene Erlösung. Nach einem Besuch in der Notfallversorgung bekam ich sogar diese orangefarbenen Medikamentendöschen, die man aus US-Filmen und -Serien kennt.
Nach jeder vernünftigen Einschätzung versprach das ein ausgesprochen miserabler Tag zu werden, und selbst mir erschien die Entscheidung, in dieses Flugzeug zu steigen, völlig unverständlich. Trotzdem schleppe ich mich aus dem Bett, stütze mich unter der Dusche an den Wänden ab und kippe Unmengen Kaffee hinunter – zusätzlich zu ALLEN Medikamenten, die ich auftreiben kann. Ich bin bereit. Mehr oder weniger. Übrigens findet die Veranstaltung im Freien statt, und für die Momente, in denen ich anderen Menschen nahekommen könnte, habe ich eine Gesichtsmaske dabei. Ich bin schließlich kein Monster.
Flat Six Fest im The Concours Club
Dreißig Minuten später stapfe ich langsam in den The Concours Club in Miami. Es ist eine dieser exklusiven privaten Rennstrecken mit beeindruckender Ausstattung, attraktivem Personal und einer Kundschaft, die auf unerquicklich erfolgreiche Weise wirkt. Abgesehen davon, dass ich mich hundeelend fühle, komme ich mir auch noch unzulänglich vor.
Die Veranstaltung trägt den Namen „Flat Six Fest“ und dreht sich um Porsche – gibt es überhaupt eine andere Art von Auto? –, besonders aber um Outlaw-Umbauten. Gemeint sind modernisierte Klassiker von Singer und Guntherwerks, wunderschöne 356er, die Emory überarbeitet und aufgewertet hat, sowie einige echte Schreckensgestalten von Gemballa aus den 1980er-Jahren. Schließlich sind wir in Miami. Selbst in meinem erschöpften, leicht delirierenden Zustand macht das alles tatsächlich großen Spaß.
RUF CTR Yellowbird: Der König der Porsche-Umbauten
Dann fahren alle ab. In der Boxengasse wartet jedoch ein RUF CTR aus dem Jahr 1989. Eigentlich kann ich ihn nicht Yellowbird nennen, denn seine Basis ist eine breite Karosserie in „M491“- oder „Turbo-Optik“. Aber er hat denselben Motor, dasselbe Getriebe, dieselbe Abstimmung, ist gelb und ein RUF CTR. Also gut: Er ist ein Yellowbird. Plötzlich wirken ein 10-Stunden-Flug und die Grippe völlig belanglos. Wenn sich die Gelegenheit bietet, sollte nichts einen Menschen davon abhalten, den mächtigen Yellowbird zu erleben.
Ich fahre also. Zunächst ein paar Runden mit Rücksicht auf seinen absurden Wert – zum Verkauf steht er beim nahe gelegenen CURATED, Leuten mit erstaunlichem Geschmack und außergewöhnlichem Bestand, für deutlich mehr als 2 Mio. US-Dollar. Danach fahre ich mit dem festen Willen, möglicherweise das letzte Mal überhaupt dieses unglaubliche Auto zu genießen. Nicht ganz hemmungslos. Nennen wir es lieber „Begeisterung“.
Klein, leicht und verblüffend schnell – vor allem aber derart vollständig und stimmig –, verdichtet der RUF CTR alles Großartige am 911 und dreht es auf absurdeste Weise auf. Zu spüren, wie er auf dem Weg in eine Kurve seitlich wegrutscht, dann wieder Gas zu geben und festzustellen, dass genügend Leistung vorhanden ist, um die Reifen nun ja, praktisch endlos durchdrehen zu lassen: Magischer kann ein Moment kaum sein. Er nähert sich seinem 40. Geburtstag und bleibt trotz einer Flut neuer, brillanter Herausforderer der unangefochtene König unter den umgebauten Porsche. Offenbar können Autoshows doch ganz in Ordnung sein.
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