Der BYD Dolphin Surf bringt Eigenschaften mit, die es mit Modellen aus dem darüberliegenden Segment aufnehmen können – seinen Preis rechtfertigt das jedoch nicht.
Während der Tage, in denen ich ihn getestet habe, wirkte der BYD Dolphin Surf auf mich stets wie „ein Fisch auf dem Trockenen“. Nicht, weil er schlecht wäre – ganz im Gegenteil: In einem Segment, in dem Kostenkontrolle meist oberste Priorität hat, übertraf er die Erwartungen.
BYDs Angebot für das Kleinstwagensegment orientiert sich damit stärker am anspruchsvollen und besonders geräumigen Hyundai Inster – den wir ebenfalls bereits getestet haben – als am günstigen und einfacher gehaltenen Dacia Spring, dem „König“ der niedrigen Preise.
Wäre das Platzangebot im Innenraum nicht etwas begrenzt, hätte der BYD Dolphin Surf sogar überzeugende Argumente für das Segment darüber. Dort finden sich Modelle wie der FIAT Grande Panda und sein „Cousin“, der Citroën ë-C3.
Wie die folgenden Abschnitte zeigen, mangelt es ihm nicht an Qualitäten. In der von mir gefahrenen Ausführung dürfte der Preis allerdings sein größtes Hindernis auf dem portugiesischen Markt sein.
Ein Design, das überzeugt
Meiner Ansicht nach punktet der Dolphin Surf zunächst mit seiner Optik. Ohne dass dies als Kritik gemeint ist, scheinen einzelne Details von Supersportwagen inspiriert zu sein – Lamborghini Huracán, hörst du zu?
Während sich manche Wettbewerber für konservativere und gefälligere Formen entscheiden, hebt sich der chinesische Kompaktwagen mit seiner kantigen, dynamischen Gestaltung ab. Sie verleiht ihm einen jungen und, wenn ich das so sagen darf, sportlichen Charakter.
Dazu kommen die „scharf gezeichneten“ Scheinwerfer, die abfallende Fensterlinie, markante Kotflügel und ein recht lang gezogener Heckspoiler.
Besonders zur Geltung kommen diese Formen mit der Lackierung „Limettengrün“, die bei allen Versionen serienmäßig ist und überall Blicke auf sich zieht.
Während Geschmack bekanntlich subjektiv ist, gilt das nicht für die beeindruckenden Abmessungen: Der Dolphin Surf ist das größte rein elektrische Modell seines Segments. Gegenüber dem Dacia Spring und dem Hyundai Inster ist der BYD länger (3,99 m) und breiter (1,72 m); nur beim Radstand liegt er hinter dem südkoreanischen Modell: 2,5 m gegenüber 2,58 m.
Zudem ist er länger als Fahrzeuge aus dem nächsthöheren Segment, etwa der Renault 5 (3,92 m), und liegt sehr nah am Citroën ë-C3, der mit zwei Zentimetern Vorsprung bei 4,01 m liegt.
Innenraum: ausreichend geräumig
Trotz der großzügigen Außenmaße spiegelt sich dies nicht vollständig im Innenraum wider. Der Hyundai Inster bietet beispielsweise deutlich mehr Platz. Wie dieser verfügt auch der Dolphin Surf nur über vier Sitzplätze – was in diesem Segment keineswegs ein Nachteil sein muss.
Dennoch absolvierte der Dolphin Surf mit dem auf meine 1,78 m eingestellten Fahrersitz einige Hundert Kilometer mit vier Erwachsenen an Bord, die alle bequem saßen.
Auch wenn der Platz für die Insassen nicht so beeindruckend ist wie im Inster, gleicht der kleinste Dolphin dies mit dem größten Kofferraum des Segments aus, der auf dem Niveau von Fahrzeugen der Klasse darüber liegt: 308 Liter.
Einen vorderen Kofferraum beziehungsweise Frunk bietet der BYD Dolphin Surf dagegen nicht, denn dort ist der Elektromotor untergebracht.
Hinzu kommen eine durchaus überzeugende technische Ausstattung sowie eine für diese Fahrzeugklasse ungewöhnlich gute Verarbeitungsqualität: Sie war tadellos und frei von störenden Nebengeräuschen. Die Materialien sind hingegen weder optisch noch haptisch besonders hochwertig, bewegen sich damit aber im klassenüblichen Rahmen.
Erwähnenswert sind außerdem die physischen Bedienelemente auf der Mittelkonsole, deren Handhabung nicht ganz überzeugt: Sie sind zylindrisch ausgeführt, doch eine kleine Lasche für eine einfachere Bedienung fehlt. Auch die Symbole sind schlecht sichtbar, vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung.
BYD Dolphin Surf: Stadtauto mit Langstreckenqualitäten
Auf der Straße erwies sich der BYD Dolphin Surf als angenehme Überraschung. In einem Segment, in dem sich die meisten Modelle auf die alltäglichen Aufgaben beschränken, erfüllt der chinesische Kompakte diese ebenfalls – allerdings mit einem unerwartet hohen Komfortniveau.
In seinem natürlichen Revier, der Stadt, sorgen die kompakten Maße für ein agiles Fahrverhalten und erleichtern Parkmanöver. Die etwas eingeschränkte Sicht nach hinten wird dabei durch die 360º-Kamera ausgeglichen. Die Lenkung fühlte sich allerdings etwas „schwer“ und wenig kommunikativ an, während das Bremspedal einen weichen Eindruck machte und schwer einzuschätzen war.
Doch nicht nur in der Stadt fühlt sich der chinesische Kompakte wohl. Mit 115 kW (156 cv), die dem rechten Fuß zur Verfügung stehen, lässt sich ein durchaus zügiges Tempo anschlagen. Das schafft das nötige Vertrauen für die Autobahn, wo es nie an Leistung fehlte und der Wagen sehr stabil blieb.
Die Autobahn ist jedoch auch die „Achillesferse“ vieler Elektroautos, insbesondere solcher mit urbaner Ausrichtung und Batterien mit überschaubarer Kapazität – beim Dolphin Surf rund 43 kWh. Unter diesen Bedingungen verzeichnete ich einen Verbrauch von etwa 18 kWh/100 km, weshalb bei voller Ladung mit Reichweiten von unter 250 km zu rechnen ist.
Deutlich sinnvoller ist sein Einsatz in der Stadt. Dort überzeugte das elektrische Antriebssystem des BYD-Stadtautos mit seiner Effizienz: Verbräuche von unter 12 kWh/100 km ließen sich problemlos erreichen, auch dank der Energierückgewinnung, deren zwei Stufen sich allerdings nur wenig voneinander unterscheiden.
Unter diesen Voraussetzungen lässt sich die angegebene Reichweite von 310 km (kombinierter WLTP-Zyklus) recht einfach übertreffen. Am Ende dieses Tests lag der Durchschnitt sogar leicht unter den offiziellen 16 kWh/100 km.
Das große „Aber“ des Dolphin Surf
Der BYD Dolphin Surf möchte Teil dieser neuen Ära erschwinglicher rein elektrischer Modelle sein, doch beim Wunsch bleibt es. Obwohl er gewichtige Argumente auf seiner Seite hat, ist er nicht das erwartete „Schnäppchen aus China“ – und das könnte seinen Erfolg in Portugal erheblich bremsen.
Beim Einstiegsmodell Active – mit einem Motor von 65 kW (88 cv), einer 30-kWh-Batterie und 220 km Reichweite – beginnen die Preise bereits bei 22 318 Euro. Damit liegt er über dem Dacia Spring oder dem ebenfalls chinesischen Leapmotor T03, der mehr Reichweite und ebenfalls viel Serienausstattung bietet.
Der von mir getestete Dolphin Surf war jedoch das Spitzenmodell Comfort: 156 cv, Batterie mit 42,3 kWh und 310 km Reichweite. In diesem Fall steigt der Preis auf rund 29 420 Euro; bei einer anderen Farbe als „Limettengrün“ wird die Grenze von 30 Tausend Euro schnell überschritten.
Dazwischen positioniert sich die Version Boost, die den weniger leistungsstarken Motor mit 88 cv mit der größeren Batterie mit 42,3 kW/h kombiniert. Daraus resultiert die höchste Reichweite der Baureihe von bis zu 322 km (WLTP). Der Preis beginnt bei 26 423 Euro.
Selbst mit einer sehr umfangreichen Ausstattungsliste rücken diese Preise den BYD-Stadtwagen in einen „Bereich“, in dem bereits Fahrzeuge des darüberliegenden Segments erhältlich sind. Dazu zählen der Renault 5 und der Citroën ë-C3, die ab 24 900 Euro beziehungsweise 23 750 Euro angeboten werden – beide mit ähnlichen Batterien und Reichweiten … sowie Platz für fünf Personen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen