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MINI JCW GP im Test: 306 PS und 265 km/h

Grauer Mini Cooper mit rotem Dach und Akzenten, sportlich präsentiert in modernem Showroom.

Schade, dass weder Alec Issigonis noch John Cooper diesen testosterongeladenen MINI JCW GP (ausgeschrieben: MINI John Cooper Works GP) erleben können.

In den 1960er-Jahren taten diese beiden Visionäre der Automobilwelt alles dafür, aus dem charmanten britischen Kleinwagen das Maximum herauszuholen – der eine als Schöpfer des Modells, der andere als Verantwortlicher für die Sportversionen. Damit sorgten sie zugleich in der Motorsportwelt für Aufsehen.

Nun legt MINI die Messlatte erneut höher. Das zeigen die Reaktionen eines Fahrers im Mercedes E-Klasse AMG und eines weiteren im BMW M340i: Beide wirkten irritiert, als ein kleiner MINI ihnen auf der linken Spur der Autobahn A9 nahe München im Rückspiegel aufrückte.

Während der Coronavirus-Zeit sind die Autobahnen nahezu leer. Der BMW hielt zunächst bis 230 km/h dagegen, doch weil der MINI mit dem Kürzel GP keinerlei Anzeichen zeigte, sein Tempo zu reduzieren, machte sein Fahrer nach dem Blinken zur mittleren Spur Platz.

Ein Stück weiter schien der AMG beinahe zu erzittern, als dieser MINI JCW GP mit einem Klangbild aufschloss, das zu den 265 km/h auf dem Tacho passte. Für alle, die ihm solche Fahrleistungen nicht zugetraut hatten, war das eine Überraschung – sein Vorgänger kam „nur“ auf 242 km/h.

Damit gehört diese neue Generation des MINI JCW GP zu einer Gruppe „besonderer“ Fahrzeuge, die schneller als 250 km/h fahren können – die meisten stammen aus der deutschen Automobilindustrie. Passend dazu fällt die Beschleunigung aus: Den Sprint auf 100 km/h erledigt er in knappen 5,2 s.

Der stärkste B48

Der Schlüssel dazu ist der B48, der 2,0-l-Motor von BMW, der auch im „normalen“ JCW arbeitet, dort jedoch 231 PS leistet. Für diese Ausführung verbauten die deutsch-britischen Ingenieure einen größeren Turbolader mit höherem Ladedruck, spezielle Einspritzdüsen, Pleuel und Kolben, eine verstärkte Kurbelwelle sowie ein optimiertes Kühlsystem.

So steigt die Spitzenleistung des Vierzylinders auf 306 PS, während das maximale Drehmoment 450 Nm beträgt. Es steht dem rechten Fuß bereits ab 1.750 U/min dauerhaft zur Verfügung und bleibt es bis 4.500 U/min.

Beim ersten Antritt ist eine sehr leichte Verzögerung spürbar. Dieses minimale Turboloch verschwindet jedoch sofort und lässt sich bei sportlicher Fahrweise vermeiden, wenn die Drehzahl knapp unter 2.000 U/min gehalten wird.

Am „ballistischen“ Charakter dieses nur vier Meter langen Fahrzeugs mit Vorderradantrieb bestehen daher kaum Zweifel. Auch das Leistungsgewicht von lediglich 4,1 kg/PS bestätigt dies: Bildlich gesprochen ist es ein muskulöses Pferd mit einem liliputanischen Jockey auf dem Rücken.

306 PS und zwei angetriebene Räder

Genau darin lag eine der wichtigsten Herausforderungen für das Entwicklungsteam des MINI JCW GP. Um die enorme Leistung ausschließlich an den Vorderrädern zu bändigen, installierten die Ingenieure an der Vorderachse eine mechanische Differenzialsperre, die beim Beschleunigen eine Sperrwirkung von bis zu 31 % erzeugt. Anders als der JCW Countryman sowie BMW M135i und M235i verfügt er somit nicht über Allradantrieb.

Da sich dieser Sportwagen ausschließlich an sehr anspruchsvolle Fahrer richtet, die bereit waren, für etwas zusätzliche „Magie“ deutlich mehr zu bezahlen – bei den 37 nach Portugal gelieferten Fahrzeugen 12.000 Euro mehr –, könnte dies die größte dynamische Schwäche des JCW GP sein.

In bestimmten Situationen, etwa beim kräftigen Beschleunigen aus langsameren Kurven, ist ein gewisses „Rucken“ in der Lenkung zu spüren. Differenzialsperre und Stabilitätskontrolle haben dann Mühe, das hohe Drehmoment zu verarbeiten – selbst im toleranteren GP-Modus, der eine sichere Alternative zum ausgeschalteten System darstellt.

Positiv ist bei diesem hohen Belastungsniveau vor allem, dass die Vorderachse kaum Anzeichen nachlassender Haftung zeigt. Dazu tragen auch die Reifen im Format 225/35 R18 bei.

Abgesehen von diesen sehr speziellen Situationen erfüllt die Lenkung ihre Aufgabe hervorragend: Sie dirigiert das Auto präzise in die Kurve, hält es sauber auf Linie und lässt es mit der Genauigkeit eines Goldschmieds auf die Gerade hinausbeschleunigen, ohne dass der Fahrer die Arme weit bewegen muss.

Auch das Heck wirkt ausgesprochen stabil. Der großzügige Heckflügel spielt dabei gemeinsam mit den vorderen Spoilerelementen eine entscheidende Rolle, um das Fahrzeug auf die Straße zu drücken. Der MINI liegt zudem 10 mm tiefer als der JCW – besonders bei den extremen Geschwindigkeiten, mit denen dieser Test begann, ist das relevant.

Die verstärkten Bremsen zeigen jederzeit, dass sie den Anforderungen gewachsen sind. Nicht ohne Grund wurden sie gegenüber denen des JCW „ohne GP“ aufgewertet: Sie ähneln den Anlagen der schwereren Countryman/Clubman JCW ALL4.

Ausschließlich mit Automatik

Eine weitere Entscheidung, die manche Enthusiasten hinterfragen werden, betrifft das Achtgang-Automatikgetriebe dieser dritten Ausführung des MINI JCW GP. Der erste entstand 2006 halbhandwerklich bei Bertone, der zweite wurde 2012 bereits stärker in den industriellen Prozess der BMW Group eingebunden.

Zweifellos hat sich dieses Getriebe von ZF bereits als eines der besten am Markt erwiesen – sowohl wegen seiner Geschwindigkeit als auch wegen seiner Fähigkeit, die Anforderungen von Motor, Straße und Fahrtempo zu „lesen“, selbst bei sportlicher Gangart.

Für manche Fahrer kann es auf der Rennstrecke sogar eine willkommene Hilfe sein. Dort verlangen ohnehin so viele Dinge Aufmerksamkeit – am richtigen Punkt bremsen, die Ideallinie am Apex treffen, beim Herausbeschleunigen weder zu früh noch zu spät Gas geben –, dass man sich nicht auch noch mit dem richtigen Zeitpunkt zum Hoch- oder Herunterschalten befassen muss.

Doch erneut geht es hier um einen Sportwagen, der nur Fahrer mit einigen Rennfahrer-Genen begeistern wird. Zwar lässt sich das Fahrwerk nicht mehr manuell abstimmen wie beim Vorgänger, dennoch bleibt ein manuelles Getriebe für diese Kundschaft fast immer ein wichtiger Verbündeter auf dem Weg zum ultimativen Fahrvergnügen.

In diesem Fall empfiehlt es sich, den Wählhebel in der sportlichsten Automatikstellung S zu lassen oder die Gangwechsel über die Aluminium-Schaltwippen hinter dem Lenkrad zu steuern – auch wenn das den Vorgang nicht beschleunigt.

MINI JCW GP kennt keinen Komfort

Auf öffentlichen Straßen und bei zivilisierterem Tempo wird klar, dass das Fahrwerk – vorn unabhängig nach McPherson-Bauart, hinten mit unabhängiger Mehrlenkerachse – einem intensiven Muskeltraining unterzogen wurde: Federn, Dämpfer, Lagerbuchsen, Stabilisatoren und sogar die Motorlager.

Alles wurde „härter“ abgestimmt, um die Stabilität des MINI JCW GP zu maximieren. Eine gerade noch erträgliche Abrollqualität bietet er nur, solange der Straßenbelag nicht wirklich schlecht ist.

Radikal auch im Auftritt

Die reduzierte Bodenfreiheit, aerodynamische Anbauteile, rote Bremssättel – eine Farbe, die auch die ausschließlich graue Karosserie ziert –, mittig angeordnete Endrohre mit bronzefarbenem Finish: Das sind äußere Merkmale, die man auch von anderen Sportwagen kennt.

Weniger alltäglich sind die Verbreiterungen an allen vier Radhäusern. Sie bestehen aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, der vom Elektroauto i3 „übernommen“ wurde, und prägen den JCW GP. Zugleich lenken sie den Luftstrom an den Fahrzeugflanken entlang und ermöglichen eine um 4 cm größere Spurbreite.

Auch im Innenraum kennzeichnen Carbon-Applikationen – wenn auch mit weniger polarisierender Wirkung als außen – und die spezifische Digitalinstrumentierung diesen radikalen MINI.

Wie bei den beiden Vorgängergenerationen gibt es keine Rücksitze. An ihrer Stelle verbindet nur eine rote Verstrebung die beiden Karosserieseiten, um die Steifigkeit zu erhöhen und zugleich die Bewegung dort abgelegten Gepäcks zu begrenzen.

Die beiden Sitze aus Stoff und Leder mit stark ausgeprägtem Seitenhalt passen zum „rennwagenartigen“ Cockpit. Selbst bei schnellen Folgen von Kurven und Gegenkurven halten sie beide Insassen sicher an ihrem Platz.

Künftige Besitzer des MINI JCW GP, die nicht auf ein Mindestmaß an Komfort verzichten möchten, werden ein Navigationssystem, eine Klimaanlage und eine Sitzheizung bevorzugen. Dafür müssen sie MINI ohne Aufpreis informieren, denn die Serienausstattung umfasst diese Systeme nicht.

Ihre Anwesenheit verhindert jedoch nicht den Genuss dieses kleinen Rennwagens: Der aggressive Motorsound hallt im spartanischen Innenraum mit weniger Dämmmaterial wider und macht das Fahrerlebnis so dramatisch wie möglich. Die Edelstahl-Auspuffanlage trägt ihren Teil dazu bei.

Autoren: Joaquim Oliveira/Press-Inform

Update vom 26. Mai 2020: Die Zahl der für Portugal bestimmten Fahrzeuge wurde korrigiert – es sind nicht 36, wie zunächst angegeben, sondern 37.

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