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Toyota Hilux: Der erste Wagen am magnetischen Nordpol

Roter Toyota Hilux Pickup fährt schnell über eine Wiese, mit Offroad-Licht und Dachträger.

Am Ende des Tages ist er schlicht ein Hilux. Zugegeben: Er steht auf Ballonreifen und trägt einen Waffenkoffer, doch das ist nur Fassade. Nimmt man diese Zutaten weg, ändert das nichts Wesentliches. Seine Stärke verdankte dieser Toyota nicht dem Zubehör – der Hilux war schon zuvor extrem robust.

Er brauchte lediglich die Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen. Bei Top Gear im Fernsehen bekam er diese Chance in den 2000er-Jahren gleich mehrfach. Einmal wurde er zusammen mit dem 23-stöckigen Gebäude, auf dem er stand, gesprengt. Ein anderes Mal versuchte man, mit ihm in einen Vulkan zu fahren. Alle Hilux überlebten.

Dieser hier stellte allerdings einen echten Rekord auf: als erstes Auto überhaupt, das den magnetischen Nordpol erreichte. Er trägt diese Auszeichnung mit erstaunlicher Gelassenheit. Nichts an ihm strahlt innere Erhabenheit aus, und auch den wettergegerbten, in die Ferne gerichteten Blick eines Entdeckers besitzt er nicht. Er ist einfach ein Hilux, der Hilux-Sachen erledigt.

Fotografie: Jonny Fleetwood

Toyota Hilux auf dem Weg zum magnetischen Nordpol

Für die rund 725 Kilometer über die Polar-Eiskappe von Resolute im Norden Kanadas wurde er allerdings von den isländischen Expeditionsspezialisten Arctic Trucks umgebaut. Das Fahrwerk erhielt Verstärkungen, die vorderen Doppelquerlenker rückten etwas nach vorn, damit die gewaltigen 97-cm-Reifen Platz fanden – Stückpreis: 2.500 £. Dazu kamen besonders belastbare Differenziale, ein Unterfahrschutz für die Ölwanne, ein zusätzlicher Kraftstofftank und frostsicherer Diesel.

Die wesentlichen Komponenten blieben jedoch unangetastet: der 3,0-Liter-Diesel mit Viergangautomatik, das Chassis, die Heizung, die Sitze und alles andere waren komplett serienmässig. Wie Jeremy während des Films erklärte, fiel unterwegs alles Mögliche aus: Funkgeräte, Mikrofone, Kameras, Batterien und Menschen. Der Hilux dagegen nicht.

Heute vor ihm zu stehen, hinterlässt gemischte Gefühle. Vor der Fahrt habe ich mir den Film noch einmal angesehen – S9 E7, auf iPlayer verfügbar. Ich sah ihn Schneeverwehungen durchpflügen, über Eisfelder stürmen und im Grunde jede Herausforderung meistern, die die Arktis ihm vorsetzte. Und irgendwie tat er mir leid.

Ein Top-Gear-Held ohne besondere Aura

Auch aus einem weiteren Grund ist das Treffen bittersüss. Manche Helden sollte man unbedingt kennenlernen, andere besser nicht; dieser gehört zur zweiten Kategorie. Die Erkenntnis stellt sich fast unmittelbar nach dem Losfahren ein: Es ist eben nur ein Hilux. Natürlich ist genau das seine Superkraft. Doch nach dieser Leistung erwartet man mehr, eine Art Aura, die ihn umgibt. Stattdessen erinnern nur die verbliebenen Ausstattungsdetails im Innenraum daran, was er einst geleistet hat: dunkel getönte Scheiben gegen das arktische Licht, zusätzliche Lampen an den Türen, um Jeremy und James für die Kameras auszuleuchten, weitere Halterungen, ein Navigationssystem für die Schifffahrt und überall Gewebeband.

„Wegen seiner Leistung erwartet man mehr, eine Aura, die ihn umgibt“

Während der Fahrt wirkt er träge. Der Dieselmotor ist ein klapperndes, ungehobeltes altes Aggregat, das Getriebe verschleift die Gangwechsel, und der gesamte Antriebsstrang fühlt sich lustlos und müde an. Beschleunigen mag er nicht besonders. Bremsen ebenso wenig. Und Kurvenfahren mag er ganz sicher nicht. Doch nichts davon war wichtig. Seine einzige Aufgabe bestand darin, weiterzufahren. Genau diesen Eindruck vermittelt er noch heute: Man richtet ihn auf ein Ziel aus, und er fährt weiter, bis die Arbeit erledigt ist.

97-cm-Reifen und ein eigenwilliges Fahrverhalten

Ausgerechnet sein Orientierungssinn scheint am schwächsten ausgeprägt zu sein. Die Reifen haben den korrekten Druck und sind nicht auf 4 psi abgesenkt, um über dünnes Eis zu kriechen, trotzdem wandert der Hilux bemerkenswert unpräzise über die Strasse. Das Fahrwerk hoppelt, und mit zunehmendem Tempo erzeugen die Reifen einen enormen Kreiseleffekt. Sie ziehen das ganze Fahrzeug in die von ihnen bevorzugte Richtung, während man im Innenraum am Lenkrad arbeitet und sich fragt, weshalb der Wagen nicht dorthin fährt, wohin man ihn lenkt.

Seine Leistung bleibt heldenhaft. Selbst heute, beinahe 20 Jahre später, haben erst sieben Autos den magnetischen Nordpol erreicht – zwei davon waren unterstützende Hilux der TG-Expedition. Ich liebe es, dass dieser Wagen noch existiert und nicht restauriert wurde. Er ist eine Momentaufnahme, ein Stück Fernsehgeschichte und der Beweis, dass Top Gear Legenden erschaffen konnte. Doch ich neige dazu, Dingen menschliche Eigenschaften zuzuschreiben. Deshalb tut mir dieser mächtige Entdecker leid, der nie zu einer zweiten Expedition aufbrechen durfte.

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