Die EQ-Familie wird in diesem Jahr mit Nachdruck ausgebaut. Der kompakte Mercedes-Benz EQA zählt dabei trotz seines hohen, in Deutschland voraussichtlich bei rund 50.000 Euro beginnenden Preises zu den Modellen mit dem größten Verkaufspotenzial.
BMW und Audi brachten ihre ersten rein elektrischen Modelle früher auf den Markt. Mercedes-Benz will den Rückstand jedoch 2021 mit gleich vier neuen Fahrzeugen der EQ-Familie aufholen: EQA, EQB, EQE und EQS. Den Anfang macht zeitlich – und auch nach Segmentgröße – der EQA, den ich diese Woche in Madrid kurz fahren konnte.
Zunächst fällt auf, was ihn optisch vom GLA unterscheidet: Mit dem Verbrenner-Crossover teilt er die MFA-II-Plattform, nahezu alle Außenmaße, den Radstand sowie die für ein SUV typische Bodenfreiheit von 200 mm. Damit handelt es sich noch nicht um den ersten Mercedes mit einer eigens für Elektroautos entwickelten Plattform. Diese kommt erst gegen Jahresende mit dem Spitzenmodell EQS.
An der Front des Mercedes-Benz EQA sitzen ein geschlossener Kühlergrill mit schwarzem Hintergrund und der zentral platzierte Stern. Noch markanter ist jedoch das horizontale Lichtband aus Glasfaseroptik, das die Tagfahrleuchten sowie die LED-Scheinwerfer an beiden Enden der Front und des Hecks miteinander verbindet.
Am Heck wanderte das Kennzeichen von der Heckklappe in den Stoßfänger. Auffällig sind außerdem die kleinen blauen Akzente in den Leuchten sowie – deutlich unauffälliger – die aktiven Lamellen im unteren Bereich des vorderen Stoßfängers. Sie bleiben geschlossen, wenn keine Kühlung benötigt wird, deren Bedarf geringer ist als bei einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor.
Gleich, aber dennoch anders
Serienmäßig verfügt der Mercedes-Benz EQA über eine Einzelradaufhängung an allen vier Rädern, hinten mit Mehrlenkerachse. Elektronisch geregelte adaptive Dämpfer sind optional erhältlich. Gegenüber dem GLA wurden Dämpfer, Federn, Lagerbuchsen und Stabilisatoren neu abgestimmt, um ein Fahrverhalten zu erreichen, das den Verbrennerversionen möglichst nahekommt. Schließlich wiegt der Mercedes-Benz EQA 250 370 kg mehr als ein gleich starker GLA 220 d.
Die dynamischen Erprobungen des Mercedes-Benz EQA konzentrierten sich daher vor allem auf diese Fahrwerksabstimmung. Wie Jochen Eck, Leiter des Erprobungsteams für die Mercedes-Benz-Kompaktmodelle, erklärt, „konnte die Aerodynamik vollständig virtuell abgestimmt werden, da diese Plattform über Jahre hinweg und mit der Einführung mehrerer Karosserievarianten bereits umfangreich erprobt wurde“.
Die erste Fahrt im Mercedes-Benz EQA 250 fand in der spanischen Hauptstadt statt, nachdem der Schneesturm Anfang Januar vorübergezogen war und die Straßen nicht mehr unter der weißen Decke lagen, auf der einige Madrilenen mit Skiern den Paseo de Castellana hinabgefahren waren. Um beide iberischen Hauptstädte noch am selben Tag auf der Straße zu verbinden, waren 1.300 km nötig. Da dies die sicherste Art zu reisen war – ohne Flughäfen und Flugzeuge – und die Gelegenheit bot, den neuen EQA anzufassen, einzusteigen, darin Platz zu nehmen und ihn zu fahren, lohnte sich der Aufwand eindeutig.
Im Innenraum entsteht der Eindruck einer soliden Verarbeitung. Vor dem Fahrer befinden sich zwei nebeneinander angeordnete Tablet-Bildschirme mit jeweils 10,25 Zoll, bei den Einstiegsversionen sind es 7 Zoll. Der linke übernimmt die Funktion des Kombiinstruments, wobei das linke Rundinstrument selbstverständlich ein Wattmeter und kein Drehzahlmesser ist. Rechts sitzt der Infotainment-Bildschirm, auf dem sich Ladeoptionen, Energieflüsse und Verbrauch anzeigen lassen.
Wie schon beim größeren EQC ist der Tunnel unter der Mittelkonsole voluminöser, als er sein müsste: Er wurde ursprünglich für ein Getriebe in den Verbrennerversionen konzipiert und bleibt hier beinahe leer. Auffällig sind zudem die fünf Lüftungsdüsen im bekannten Flugturbinendesign. Je nach Ausführung gibt es Zierelemente in Blau und Roségold; außerdem kann die Blende vor dem Beifahrer hinterleuchtet sein – eine Premiere bei Mercedes-Benz.
Höherer Boden im Fond und kleinerer Kofferraum
Die 66,5-kWh-Batterie ist unter dem Fahrzeugboden untergebracht. Im Bereich der zweiten Sitzreihe baut sie jedoch höher, weil ihre Module dort in zwei übereinanderliegenden Schichten angeordnet sind. Das führt zur ersten Veränderung im Innenraum des Kompakt-SUV: Fondpassagiere sitzen mit Beinen und Füßen etwas höher. Dadurch wirkt der Mitteltunnel in diesem Bereich niedriger – oder ist es zumindest, weil der Boden rundherum höher liegt.
Die zweite Abweichung betrifft das Kofferraumvolumen. Es beträgt 340 Liter und liegt damit beispielsweise 95 Liter unter dem Wert eines GLA 220 d, da auch der Ladeboden angehoben werden musste. Unter ihm befinden sich Komponenten der Elektronik.
Bei der Platzverteilung gibt es keine weiteren Unterschiede: Fünf Personen können mitfahren, wobei der mittlere Fondplatz eingeschränkter ist. Die Rücksitzlehnen lassen sich ebenfalls im Verhältnis 40:20:40 umklappen. Ein Volkswagen ID.4, ein möglicher Wettbewerber, ist allerdings deutlich geräumiger und wirkt innen luftiger, weil er von Beginn an auf einer speziellen Elektroauto-Plattform entwickelt wurde. Dafür vermittelt der Mercedes-Benz EQA im Innenraum den besseren allgemeinen Qualitätseindruck.
Komfortausstattung an Bord
Angesichts seiner Abmessungen bietet der Fahrer einige in diesem Segment ungewöhnliche Annehmlichkeiten – was bei seinem Preis weniger überrascht. Dazu gehören Sprachsteuerung, ein optionales Head-up-Display mit Augmented Reality sowie ein Kombiinstrument mit vier Darstellungsarten: Modern Classic, Sport, Progressive und Discreet. Die Farben passen sich zudem der Fahrweise an: Bei einer stärkeren Beschleunigung etwa wechselt die Anzeige zu Weiß.
Schon die Einstiegsversion des Mercedes-Benz EQA besitzt leistungsstarke LED-Scheinwerfer mit adaptivem Fernlichtassistenten, eine elektrisch öffnende und schließende Heckklappe, 18-Zoll-Leichtmetallräder, 64-farbige Ambientebeleuchtung, einen doppelten Getränkehalter, komfortable Sitze mit vierfach verstellbarer Lordosenstütze, Rückfahrkamera, ein Multifunktions-Sportlenkrad in Leder, das MBUX-Infotainmentsystem sowie Navigation mit „elektrischer Intelligenz“. Letztere weist darauf hin, ob auf der geplanten Strecke ein Ladestopp erforderlich ist, zeigt Ladestationen entlang der Route und nennt abhängig von der Ladeleistung jeder Station die nötige Standzeit.
Frontantrieb oder später 4×4
Am dick gepolsterten, unten abgeflachten Lenkrad befinden sich Schaltwippen zur Einstellung der Rekuperationsstärke beim Verzögern. Die linke erhöht sie, die rechte verringert sie; verfügbar sind die Stufen D+, D, D- und D–, von der schwächsten bis zur stärksten. Dabei arbeiten die Elektromotoren als Generatoren: Ihre mechanische Drehbewegung wird in elektrische Energie umgewandelt, die während der Fahrt die Batterie lädt. Auf diese gibt es eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 km.
Zum Verkaufsstart im Frühjahr ist der Mercedes-Benz EQA ausschließlich mit einem 190 PS (140 kW) starken Elektromotor, 375 Nm Drehmoment und Frontantrieb erhältlich – genau diese Variante fahre ich. Der quer an der Vorderachse eingebaute Asynchronmotor bildet mit Festuntersetzungsgetriebe, Differenzial, Kühlsystem und Leistungselektronik eine Einheit.
Einige Monate später folgt eine 4×4-Version mit einem zweiten, synchronen Motor an der Hinterachse. Die Systemleistung beträgt dann 272 PS (200 kW) oder mehr. Sie erhält eine größere Batterie und weitere „Tricks“ zur Verbesserung der Aerodynamik, wodurch die Reichweite auf mehr als 500 km steigt. Die Drehmomentverteilung zwischen den Achsen wird automatisch geregelt und bis zu 100-mal pro Sekunde angepasst. Wann immer möglich, hat der Hinterradantrieb Vorrang, da dieser Motor effizienter arbeitet.
Fahren mit nur einem Pedal
Auf den ersten Kilometern beeindruckt der EQA mit seiner Ruhe im Innenraum, selbst gemessen an den ohnehin hohen Standards eines Elektroautos. Zugleich wird deutlich, wie stark sich das Fahrverhalten mit der gewählten Rekuperationsstufe verändert.
In D– lässt sich nach kurzer Eingewöhnung problemlos mit „nur einem Pedal“, dem Fahrpedal, fahren. Wer die Abstände richtig einschätzt, kann allein durch das Lupfen des rechten Pedals verzögern. In der stärksten Stufe sollten sich Mitfahrer nicht wundern, wenn sie dabei leicht nicken.
Von den verfügbaren Fahrprogrammen Eco, Comfort, Sport und Individual ist Sport erwartungsgemäß das lebhafteste und unterhaltsamste. Für spektakuläre Beschleunigungswerte wurde der Mercedes-Benz EQA 250 allerdings nicht entwickelt.
Wie für Elektroautos typisch, zieht er bis 70 km/h sehr kraftvoll an. Die 8,9s für 0 auf 100 km/h – langsamer als die 7,3 s des GLA 220 d – und die auf 160 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit gegenüber 219 km/h beim 220 d machen aber klar, dass er kein Rennwagen ist. Bei zwei Tonnen Gewicht wäre das ohnehin schwierig. Wer eine Reichweite erreichen möchte, die nicht weit unter den versprochenen 426 km (WLTP) liegt, fährt besser im Comfort- oder Eco-Modus.
Die Lenkung arbeitet ausreichend präzise und rückmeldungsstark. Die Unterschiede zwischen den Fahrprogrammen dürften allerdings größer ausfallen, insbesondere im Sport-Modus, der sich sehr leichtgängig anfühlt. Gleichzeitig sprechen die Bremsen unmittelbarer an als bei manchen anderen Elektroautos.
Das Fahrwerk kann das hohe Batteriegewicht nicht vollständig kaschieren. Seine Reaktionen wirken etwas härter als bei einem GLA mit Verbrennungsmotor, ohne dass der Komfort auf schlechtem Asphalt als unangenehm einzustufen wäre. Mit Comfort oder Eco bleiben stärkere Erschütterungen aus.
Technische Daten
| Mercedes-Benz EQA 250 | |
|---|---|
| Elektromotor | |
| Position | Vorn quer eingebaut |
| Leistung | 190 PS (140 kW) |
| Drehmoment | 375 Nm |
| Batterie | |
| Typ | Lithium-Ionen |
| Kapazität | 66,5 kWh (netto) |
| Zellen/Module | 200/5 |
| Antrieb | |
| Antrieb | Vorderradantrieb |
| Getriebe | Untersetzungsgetriebe mit einer Übersetzung |
| FAHRWERK | |
| Federung | VA: unabhängige MacPherson-Aufhängung; HA: unabhängige Mehrlenkeraufhängung. |
| Bremsen | VA: innenbelüftete Scheiben; HA: Scheiben |
| Lenkung/Wendekreis | Elektrische Servolenkung; 11,4 m |
| Lenkradumdrehungen | 2,6 |
| ABMESSUNGEN UND KAPAZITÄTEN | |
| L. x B. x H. | 4,463 m x 1,849 m x 1,62 m |
| Radstand | 2,729 m |
| Kofferraum | 340-1320 l |
| Gewicht | 2040 kg |
| Räder | 215/60 R18 |
| FAHRLEISTUNGEN, VERBRAUCH, EMISSIONEN | |
| Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h |
| 0-100 km/h | 8,9s |
| Kombinierter Verbrauch | 15,7 kWh/100 km |
| Kombinierte CO₂-Emissionen | 0 g/km |
| Maximale Reichweite (kombiniert) | 426 km |
| Laden | |
| Ladezeiten | 10-100% an AC, (max.) 11 kW: 5h45min; |
| 10-80% an DC, (max.) 100 kW: 30 Minuten. |
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