Sie lassen lange auf sich warten, doch wasserstoffbetriebene Autos sind definitiv noch im Rennen. Vielleicht. „Wasserstoff kommt nach allem anderen. Solarenergie, Windkraft und Batterien haben alle einen massiven Kostenrückgang durchlaufen“, betont Chris Jackson, Gründer des Wasserstofflösungsunternehmens Protium. „Das Problem bei Wasserstoff ist, dass alle sofort ans Ende springen wollen.“
Tatsächlich fühlt es sich an, als sei das schon immer so gewesen. Wie viele falsche Hoffnungen und Sackgassen hat Wasserstoff uns über die Jahre beschert?
Bei einer von BMW veranstalteten Diskussionsrunde erklärte jedoch Dr. Jürgen Guldner, der für das Management der Wasserstofftechnologie des Herstellers verantwortlich ist: „Wir müssen über diese ersten 10.000 Einheiten hinwegkommen, ab denen Skaleneffekte sinnvoll werden, dann wird die Kostenkurve sinken.“
Wasserstoffautos könnten über Lkw den Durchbruch schaffen
Daraus ergibt sich eine Theorie: Der Weg zu Wasserstoffautos führt über Lastwagen. Guldner weist darauf hin, dass 12 Prozent der Betreiber schwerer Nutzfahrzeuge beabsichtigen, innerhalb der kommenden fünf Jahre Wasserstofffahrzeuge einzuführen. Das klingt nicht nach viel, liegt aber daran, dass Unternehmen wegen der Infrastruktur besorgt sind.
Jackson ergänzt: „Wasserstoffinfrastruktur ist teurer, weil ein 50-kW-Ladepunkt für Elektroautos bis zu 10 Autos pro Tag bedienen kann, während eine Wasserstofftankstelle 400 Fahrzeuge pro Tag versorgt.
„Deshalb lautet die Haltung in Europa: ‚Lasst uns zuerst die schweren Nutzfahrzeuge auf die Straße bringen.‘ Nachfrage schaffen, das Rückgrat aufbauen. Das schafft dann Vertrauen und Sicherheit, um Pkw einzuführen.“
Diese Henne-Ei-Debatte scheint schon tausendfach geführt worden zu sein. Doch trotz der mühsamen Entwicklung der Technologie seit dem Chevrolet Electrovan von 1966 versuchen Menschen weiterhin, sie zum Funktionieren zu bringen.
Hyundai bringt noch in diesem Jahr den Nexo der nächsten Generation auf den Markt. Und das iX5-Pilotprojekt von BMW war so erfolgreich, dass der deutsche Autobauer für 2028 ein serienreifes Brennstoffzellen-Elektrofahrzeug (FCEV) vorbereitet, das Toyota-Technologie nutzt.
Toyota Mirai und die lückenhafte Tankstelleninfrastruktur
Laut Toyota sind weltweit 75.000 Brennstoffzellenfahrzeuge (FCEVs) unterwegs; auf den Mirai entfallen rund 28.000 davon. Der Beitrag des Vereinigten Königreichs zu dieser Zahl: 230 Mirai und ungefähr 20 Wasserstoffbusse in London. Bitte nicht urteilen.
Doch damit wird das Ausmaß des Problems deutlich: Im Vereinigten Königreich gibt es drei öffentlich zugängliche Tankstellen für Autos, weitere drei sind geplant. Dazu kommen vier öffentlich zugängliche Tankstellen für Busse und nochmals zwei geplante Standorte.
Insgesamt existieren im Vereinigten Königreich 16 Wasserstofftankstellen. Finanziert sind zudem Pläne für genügend weitere Anlagen, um Fahrten von Nord nach Süd zu ermöglichen – ungefähr 65. Berechnungen zufolge wären rund 1.300 nötig, damit jeder Fahrer innerhalb von 30 Minuten eine erreichen könnte. Die Lücke ist also groß. Wirklich groß.
Tankstellenzentren können grundsätzlich auf zwei Arten arbeiten: Entweder wird andernorts erzeugter Wasserstoff per Tankwagen angeliefert, oder der Wasserstoff entsteht direkt vor Ort.
Jon Hunt, leitender Manager bei Toyotas Abteilung Hydrogen Transformation, sagt: „Wir haben gelernt, dass die Produktion vor Ort zwar sehr gut ist, aber Größe braucht, um wirtschaftlich tragfähig zu sein. Daher ist es besser, die großskalige Produktion zu zentralisieren und die Vertriebswege zu betrachten.“
Wasserstoff im Alltag und tragbare Kartuschen
Gleichzeitig kommt Wasserstoff bereits an anderen Orten zum Einsatz: Er versorgt Beschallungsanlagen auf Musikfestivals und beleuchtet Masten an Autobahnen. Das sollte dazu beitragen, die Kosten zu senken. Wer diesen Sommer Oasis besucht, leistet also tatsächlich seinen Beitrag für den Planeten. „Du musst es einfach mittragen! Du musst dir Zeit nehmen!“
Ähem. Kombiniert man ausgefeilte Neuerungen wie die tragbaren Wasserstoffkartuschen, an denen Toyota arbeitet und die auf dem Bild zu sehen sind, mit Autos, die den Stoff tatsächlich nutzen können, ist der Wunschtraum vielleicht doch nicht endgültig tot. Vielleicht.
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