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Jensen Interceptor: Der große britische Muscle Car

Braunes klassisches Interceptor-Automobil auf Landstraße bei sonnigem Wetter, Fahrer sichtbar.

Ich bin mir nicht sicher, ob ich je ein anderes Auto gefahren bin, mit dem sich das bloße Herumfahren so befriedigend anfühlt wie mit diesem Jensen Interceptor. Einfach damit unterwegs zu sein, hat etwas zutiefst Angenehmes. Oft heißt es, der Interceptor sei nie besonders wertvoll geworden, weil ihm die Renommee fehle. Nach einer Woche mit einem Exemplar finde ich jedoch die Mischung aus dem Design von Carrozzeria Touring und dem bulligen Detroit-Motor unwiderstehlich. Über die Verarbeitungsqualität aus den West Midlands der 1970er-Jahre sehen wir dabei großzügig hinweg.

Vielleicht liegt es daran, dass dieses Exemplar kein Original ist. Oder daran, dass ich Erinnerungen an ein originales Auto habe. Erinnerungen, die vor allem aus Chrompolieren, Überhitzung im Stau und dem Lernen bestanden, wie Vergaser in einer abgasgeschwängerten Garage funktionieren. Der Interceptor gilt oft als Auto für Schurken, Lebemänner und Taugenichtse, doch er war ebenso das Auto meines Vaters, der – auch wenn er seine Tage hat – nichts davon ist. Seinen Series III hatte er von einem Mann gekauft, der gleich zwei Interceptor besaß – ein ziemlich eindeutiges Zeichen für Lebemann-Neigungen.

Der Wagen war ein zentraler Bestandteil meiner Kindheit. Einmal hielt man uns für Gäste von Andrew Lloyd-Webbers Gartenparty, obwohl wir meine Schwester lediglich zu ihrem Auftritt mit der Blaskapelle ihrer Grundschule brachten. Dann gab es die Überhitzung auf einer Schnellstraße mit getrennten Fahrbahnen. Und die vielen Momente, in denen ich zusah, wie die lässig hüpfende Tachonadel weit in illegale Bereiche wanderte, während der große V8 schnaufte und ich als kleiner Junge überzeugt war, dass es kein mächtigeres Auto auf der Welt geben könne.

Fotografie: Mark Riccioni

Ein Teil des Reizes des Interceptor besteht – abgesehen davon, dass nie ein Auto einen besseren Namen trug – darin, dass er etwas unter dem Radar fliegt. Nur wenige kennen das Emblem, und noch weniger wissen, dass der Interceptor FF das erste Auto mit Allradantrieb und ABS war. Es ist kein Wagen, den man kauft, nachdem man zu Geld gekommen ist und plötzlich „in Autos macht“. Man braucht eine Vorgeschichte damit, und weil die Produktion vor fast 50 Jahren endete, können das nicht viele Menschen behaupten. Vermutlich bin ich damit der ideale Kandidat.

Dieser Jensen Interceptor ist nicht im eigentlichen Sinn ein Restomod, sondern eher ein verbesserter Klassiker. Verantwortlich dafür ist Jensen International Automotive (JIA), ein indirekter Phönix aus der Asche des ursprünglichen Unternehmens. Statt des damaligen Chrysler-V8 baut JIA einen Chevy-LS-Motor ein. Hier arbeitet ein LSA: ein aufgeladener 6,2-Liter-V8 mit 556bhp und 551lb ft. Dazu kommen eine Sechsgang-Automatik, Bremsen von AP Racing, eine neu abgestimmte Vorderachsgeometrie und verstellbare Dämpfer. Die blattgefederte Starrachse hinten, die schon beim Erscheinen des Interceptor veraltet war, wurde zudem durch eine unabhängige Hinterachse von Jaguar ersetzt.

„Ein Klick nach rechts, und der große rote Startknopf leuchtet auf. Mit dem Daumen drücken und halten, bis der pulsierende V8 anspringt. Der Klang ist ... alles.“

Das Fahrerlebnis besitzt weiterhin etwas ausgesprochen Zeitgenössisches. Ich erinnere mich daran, wie das Lenkrad bei Tempo in den Händen meines Vaters schwamm und nur grobe Kurskorrekturen zuließ. Dieses Auto liegt dagegen stabil und satt auf der Straße – was auch besser so ist, denn es geht vorwärts wie ein Zug. Davon können die Fahrer eines V8 Vantage und eines Lancer Evo VI Tommi Mäkinen ein Lied singen. Doch dort zeigt sich der Interceptor nicht von seiner schönsten Seite. Öffnet man die Mittelarmlehne, liegt darin der Zündschlüssel. Ein Klick nach rechts, und der große rote Startknopf beginnt zu leuchten. Den Knopf mit dem Daumen drücken und halten, bis der pochende V8 erwacht. Der Klang ist ... alles.

Er wirkt gelassen, aber kräftig, fast einschläfernd. Er ist nicht aufdringlich und verlangt nicht nach Publikum; er ist einfach da – entspannt, aber klar tonangebend. Im Innenraum herrscht viel Luftigkeit, das Leder knarzt, die Farbgestaltung trifft die Epoche perfekt, und die tiefen Sitze empfangen einen einladend. Fenster herunter, losfahren. Jetzt lebt man das Interceptor-Leben: einfach herumbrummen und Dinge erledigen.

Ich möchte nicht genau verraten, was dieses Exemplar kostet, denn sonst würde man nach Luft schnappen und das Wesen des Interceptor auf eine Zahl reduzieren. Die eigentliche Frage lautet, ob man seine Helden treffen sollte. In diesem Fall bin ich äußerst froh darüber, dass ich es getan habe. Ich nahm meinen Vater mit auf eine Fahrt. Die Rollen waren vertauscht, wir brummten damit zu einem Pub, und so entstand eine weitere Erinnerung. Den Jensen Interceptor finde ich auf beinahe einzigartige Weise befriedigend. Er ist das Auto, von dem wir nie wussten, dass wir es gebaut hatten: ein großer britischer Muscle Car.

Technische Daten

6.2 s/c V8, 560bhp, 15mpg, 1,730kg, 3.8 secs to 62mph

Held

Unbekümmerte Haltung, grollender V8-Soundtrack, Alltagstauglichkeit, attraktiv

Niete

Der Kraftstoffverbrauch ist bemerkenswert. Im schlechten Sinn.

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