Wann ist ein BMW Touring kein Touring? Wenn er Speedtop heißt: ein auf dem M8 basierendes Sondermodell in limitierter Auflage für 500.000 Pfund, das gerade beim alljährlichen Fest der automobilen Schönheit, dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este, enthüllt wurde.
„Das BMW Concept Speedtop zeichnet sich vor allem durch sein Profil aus“, erläutert Adrian van Hooydonk, Leiter BMW Group Design. „Es ist einzigartig in der Automobilindustrie. Damit haben wir ein Ausrufezeichen für unsere gesamte Fahrzeugpalette gesetzt, insbesondere für die Touring-Modelle.“
BMW besitzt selbstverständlich eine lange Tradition darin, bei der historischen Veranstaltung am Ufer des Comer Sees emotional aufgeladene Einzelstücke zu präsentieren. In jüngerer Zeit hat das Unternehmen jedoch gezeigt, wie weit seine Möglichkeiten reichen, indem es solche Entwürfe tatsächlich in Serie fertigt. Der 3.0 CSL Hommage von 2015 sorgte für reichlich Aufsehen, ehe schließlich 50 Exemplare gebaut wurden. Im vergangenen Jahr war der Skytop an der Reihe, ein elegantes Coupé-Cabriolet mit einem dezent spektakulären Farbverlauf, von dem 50 Stück in einer Spezialabteilung des BMW-Werks Dingolfing in Bayern entstehen.
Die dortige Lackiererei verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten; zudem gibt es eine Sattlerei für besonders aufwendige Interieurs in Leder.
BMW Speedtop und die Idee des Shooting Brake
Der Speedtop nutzt diese Möglichkeiten konsequent und verbeugt sich zugleich vor dem geheimnisvoll verführerischen Konzept des Shooting Brake. Vielleicht erinnert er dabei auch an das zeitlos coole M Coupé der späten Neunzigerjahre. Zur kurzen Einordnung: Eine Brake war im 19. Jahrhundert eine Kutschenform, während sich der Zusatz „Shooting“ auf Karosserieanpassungen für Jagdgesellschaften bezog. Jetzt wissen Sie es.
Als klar erkennbare Weiterentwicklung des Skytop übernimmt er dessen Anmutung und Proportionen. Die Haifisch-Schnauze bleibt erhalten, während die Scheinwerfer so schmal ausfallen, dass sie fast verschwinden. Der markante, beleuchtete Nierengrill steht ebenfalls im Mittelpunkt – allerdings deutlich weniger dominant als bei anderen aktuellen BMW-Modellen der Oberklasse. Unweigerlich wandert der Blick zur mittigen Sicke auf der Motorhaube, die über das Dach weitergeführt wird.
Wie schon der Skytop glänzt auch der Speedtop mit einer kostspieligen Lackierung, deren Farbton auf magische Weise von „schwebendem Sonnenstein-Kastanienbraun“ in „schwebendes Sonnenuntergangs-Silber“ übergeht. Unter Bäumen sollte man dieses Auto besser nicht abstellen, wenn beerenfressende Vögel die Oberfläche nicht verunstalten sollen.
Karosserie, Lackierung und maßgefertigte Details
Zu den weiteren Besonderheiten außen zählen die speziell angefertigten Leichtmetallräder mit Turbinenschaufel-Optik sowie die Art, wie die durchgehende Fensterfläche in die kraftvoll geformten hinteren Schultern übergeht. Früher arbeitete BMW mit italienischen Karosseriebauern wie Pininfarina und Zagato zusammen, um Fahrzeuge dieser Art zu schaffen. Der Speedtop legt allerdings nahe, dass der Konzern große Freude daran hat, selbst als Coachbuilder aufzutreten.
Den Innenraum neu zu gestalten, ist tatsächlich schwieriger, weshalb die Verwandtschaft zur 8er-Reihe im Cockpit leichter zu erkennen ist. Trotzdem lotet der Speedtop die Grenzen des BMW-Programms für Personalisierung und Sonderanfertigungen aus. Braunes Leder in „Sonnenuntergangs-Kastanienbraun“ umhüllt Armaturenbrett, Türbrüstungen und Mittelkonsole. Einen starken Kontrast dazu bildet das „Mondsteinweiß“-Leder auf den Sitzen, das die dynamischen von den funktionalen Bereichen des Interieurs trennt.
Wobei wir uns nicht sicher sind, wie funktional weißes Leder wirklich ist. Ganz abgesehen von den Vögeln, die außen Schaden anrichten könnten: Auf den Sitzen würde man es sich vermutlich zweimal überlegen, bevor man sich mit einer Jeans daraufsetzt.
M8-Technik im BMW Speedtop
Wie außen zieht sich auch im Innenraum eine „Sicke“ durch das Fahrzeug: Sie ist im zweifarbigen Leder des Dachhimmels beleuchtet. Das erinnert an Art déco und damit an die Meisterwerke der späten Zwanzigerjahre, die Rasenflächen bei Concours-Veranstaltungen bereichern. Auf den Rücksitzen liegt maßgeschneidertes Gepäck des italienischen Spezialisten Schedoni, das mit Lederriemen fixiert wird.
Dann wäre da noch der, nun ja, Kofferraum. Darf man ihn überhaupt so nennen? Eher Prada-Einkaufstasche als Lidl: Er ist zweigeteilt, mit einem oberen Deckel, der mit demselben Leder wie der übrige Innenraum bezogen ist, und einem überraschend geräumigen unteren Bereich. Das gesamte Staufach ist beleuchtet. Eine nette Idee.
Unter der maßgeschneiderten Karosserie steckt außerdem ein BMW M8. Für Vortrieb sorgt somit der 523bhp starke, 4,4-Liter große S63-V8-Biturbo, der auch im M5 der vorherigen Generation eingesetzt wurde. Damit bringt der Wagen passend zu seiner optischen Pracht auch genügend Kraft mit – sollte der Besitzer jemals das Bedürfnis verspüren, den zweifellos maßgefertigten Brogue-Schuh tief ins Teppichpedal zu drücken.
Wir vermuten, dass Sammler den Speedtop neben ihrem Skytop parken werden. Vom neuen Modell entstehen allerdings 70 Exemplare statt 50 wie beim anderen, ein merkwürdiges Ungleichgewicht, das die Skytop-Werte steigern könnte. Man stelle sich beide Fahrzeuge vor, während darunter auf dem See eine Riva Aquarama sanft auf den Wellen schaukelt. Uuuund … zurück in die Realität.
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