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Eagle Lightweight GTR: Ein Jaguar E-Type für Ungläubige

Weißer klassischer Sportwagen fährt auf nasser Landstraße bei bewölktem Wetter.

Ich sage es gleich zu Beginn: Den Jaguar E-Type mag ich nicht besonders.

Ich weiss, dass das für viele einem Sakrileg gleichkommt. Doch als autobegeistertes Kind, das Zeitschriften verschlang, stand der E-Type auf den Titeln von Klassikermagazinen für die unerquicklichste und bequemste Form des Journalismus. Ich wollte etwas Neues über zuvor unentdeckte oder rätselhafte Fahrzeuge lesen. Nicht schon wieder einen nationalistisch gefärbten Lobgesang auf den E-Type. Ja, ja ... 150 mph auf dem Weg zum Genfer Salon, Malcolm Sayers Design und Aerodynamik, Moss-Getriebe. All das kannte ich längst. Jeder kannte es.

Gleichzeitig hat mich Eagle stets fasziniert. Den Namen und seine Produkte kennen Sie vermutlich: wunderschön restaurierte, modernisierte und kunstvoll umgebaute E-Types. Die Firma liebt Jaguars Ikone offensichtlich innig und unerschütterlich, und ihre Sondermodelle haben den E-Type im Lauf der Jahre auf ein neues Niveau gehoben. Sogar über meine Gleichgültigkeit gegenüber dem E-Type selbst hinaus.

Diese Modelle stehen neben den akribischen „Null-Kilometer“-Restaurierungen des Unternehmens. Bei ihnen kann Eagle sämtliche Erkenntnisse einsetzen, die es seit der Gründung 1984 gesammelt hat, und zugleich Kreativität, Handwerkskunst sowie Ingenieurskompetenz ausleben. Davon besitzt Eagle reichlich.

Fotografie: Dean Smith

Eagle und die Entwicklung des Jaguar E-Type

Häufig orientiert sich Eagle an den extrem seltenen Lightweight-E-Type-Rennwagen, von denen 1963 und 1964 insgesamt 12 entstanden. Daraus hat das Unternehmen einige wahrhaft atemberaubende Modelle mit klangvollen Namen geschaffen, darunter Low Drag GT, Speedster, Spyder GT und Lightweight GT. Diese Autos bleiben echte, authentische E-Types, keine Silhouetten-Hommagen mit völlig anderer technischer Basis. Sie sind stark weiterentwickelt, dem ursprünglichen Konzept aber vollkommen treu.

Man könnte Eagle als den ursprünglichen Restomod-Hersteller für Kunden ohne Budgetgrenze bezeichnen. Doch dieser allgemeine Begriff wird weder dem Prozess noch der Verwandlung oder dem massgeschneiderten Charakter jedes einzelnen Autos wirklich gerecht. Eagle vereint traditionelle Fähigkeiten, tiefen Respekt für seine Muse und eine ausserordentlich gründliche Entwicklung, gestützt auf jahrzehntelange Erfahrung. Pro Jahr verlassen lediglich vier vollständige „Special Edition“-Aufbauten die Werkstätten. Und ich fand sie schon immer exquisit.

Das jüngste Modell ist dieser Eagle Lightweight GTR. Er ist die bislang extremste Special Edition und entstand gemeinsam mit einem Kunden, der Grenzen verschieben wollte. So sollte ein Auto entstehen, das sich gegen die aktuellen Trends der Automobilwelt stellt: stetig wachsende Abmessungen, Masse, Komplexität und Technik, die vom eigentlichen Fahren ablenkt. Im Lightweight GTR arbeitet Eagles eigener XK-Motor mit Aluminiumblock und 4,7 Litern Hubraum, drei Weber-Vergasern, Carbon-Ansaugplenum, Titanpleueln und mehr als 400 PS. Mit Betriebsflüssigkeiten wiegt er nur 975 kg.

Zur Einordnung: Ein historisches Rennteam, das einen E-Type in vollständiger Lightweight-Spezifikation einsetzt, schickte mir sein Setup-Blatt für den Renntag. Das vollständig entkernte Fahrzeug nach FIA-Spezifikation brachte mit Betriebsflüssigkeiten und einem 80-kg-Fahrer 1.116,5 kg auf die Waage. Der Lightweight GTR geht also weit über einen Lightweight hinaus. Trotzdem besitzt er eine Klimaanlage und einen schlichten, aber wunderschön ausgeführten Innenraum. Vielleicht müsste er Featherweight GTR heissen.

Leichtbau, Reifen und Karosserie des Lightweight GTR

Ich hatte noch nie eine Eagle Special Edition berührt oder überhaupt gesehen. Einen solchen Wagen tatsächlich fahren zu dürfen – noch dazu einen, der meinen eigenen Vorlieben so nahekommt –, wirkt daher fast unwirklich. Abgesehen von biblischem Regen, heulendem Wind und eisigen Temperaturen. Danke, Wales.

Das Wetter ist ein unerwünschter Realitätscheck. Doch der GTR ist anders als andere kompromisslose Strassenrennwagen und benötigt keine breiten Reifen mit kaum Profil, um sein ganzes Können zu zeigen. Tatsächlich trägt dieses E-Type-Monster, dessen Leistungsgewicht sogar einen neuen GT3 klar übertrifft (430 PS pro Tonne gegenüber 344), auf seinen herrlichen Magnesiumrädern bescheidene Michelin Primacy 4 der Dimension 225/60 R16. Die Räder sind über Aluminium-Zentralverschlüsse an Magnesium-Radnaben befestigt.

Das sind gerade einmal 10 mm mehr Breite als beim Toyota GR86, einem Auto mit nahezu halb so viel Leistung und 300 kg zusätzlicher Masse. Die grosse Profiltiefe der Primacy-Reifen beruhigt zwar, doch ich frage mich unweigerlich, wie der GTR all diese Leistung und das legendäre Drehmoment des XK über eine so kleine Aufstandsfläche auf die Strasse bringen soll. Der Preis, der deutlich im siebenstelligen Bereich liegt, wirkt plötzlich gewaltig. Vielleicht sollte der Wunsch, einen Eagle E-Type zu fahren, doch lieber ein Traum bleiben.

Eagles Geschäftsführer Paul Brace lässt sich von den düsteren und schmutzigen Bedingungen erstaunlicherweise überhaupt nicht beirren. „Ich bin gespannt, was Sie davon halten“, sagt er. „Die drei Weber sind grossartig für die Leistung bei hohen Drehzahlen, liefern aber nicht ganz das Drehmoment der ursprünglichen Solex-Vergaser. Ach ja, und sagen Sie uns, wie Sie die Carbon-Keramik-Bremsen finden. Solche haben wir bisher noch nicht verwendet.“ Ja, dies ist ein E-Type mit Carbon-Keramik-Bremsen. Solche Massnahmen sind nötig, um ein derart leichtes Auto zu realisieren. Doch Eagle kennt seine Kundschaft und die eigenen Fähigkeiten.

Der GTR besitzt keine Karosserie aus Carbon; seine betörend ausgeprägte und doch subtile Form entsteht weiterhin aus handgeformten Aluminiumblechen. Die Änderungen sind zahllos – von der stärker geneigten Windschutzscheibe bis zur niedrigeren, flacheren Dachlinie –, doch sie wirken so selbstverständlich stimmig, dass man sie ohne einen normalen E-Type daneben kaum erkennen würde. Der GTR ist ein ausgesprochen spektakulärer Anblick, und seine Qualität ist zurückhaltend, aber unübersehbar.

Im Eagle Lightweight GTR auf nasser Strasse

Hat man sich durch die kleine Türöffnung gefaltet und sorgfältig darauf geachtet, mit schlammigen Schuhen nicht über den Schweller zu streifen, überrascht der GTR mit erstaunlich viel Platz. Er ist angenehm reduziert, verzichtet auf eine Mittelkonsole und steckt voller zauberhafter Details. Instrumenteneinfassungen aus Titan, Schalter aus Platin, Perlmutt für das geflügelte Eagle-Emblem – und, am schönsten von allem, der wundervolle kleine Titan-Schalthebel.

Die winzigen Schalensitze bieten fantastischen Halt, und die Aussicht ist grossartig. Während ich über diese endlose Motorhaube blicke, beginne ich den E-Type zu „verstehen“. Schon das Starten des XK-Motors überzeugt mich. Ein grosser, muskulöser Reihensechszylinder, der durch Inconel-Krümmer und eine Titan-Abgasanlage atmet, ist genau richtig. Wer ein paar überflüssige Gasstösse widerstehen kann, ist stärker als ich.

Nach nur wenigen hundert Metern steht fest, dass meine Bedenken wegen Grip und Traktion unbegründet waren. Der GTR wirkt einfach vollständig stimmig. Die Struktur des E-Type ist bereits ordentlich steif, doch mit Eagles zusätzlichen Verstrebungen fühlt er sich auf dem Niveau eines modernen Autos an. Dadurch können die speziell abgestimmten Öhlins-Dämpfer ihre Wirkung voll entfalten.

Die Federung ist zweifellos straff, aber nie harsch und bei weitem nicht so aggressiv wie etwa bei einem Civic Type R. Eagle wollte betonen, der GTR sei kompromisslos; auf mich wirkt er jedoch vollkommen alltagstauglich. Die Geschmeidigkeit bringt bei diesen abscheulichen Bedingungen offensichtlich grosse Vorteile, denn der GTR beisst sich beeindruckend fest. Der Seitenhalt ist verblüffend, die Traktion sogar noch besser. Er haftet geradezu am Asphalt.

Die Carbon-Keramik-Bremsen werden über ein Pedal mit recht langem Weg betätigt. Eagle würde sich tatsächlich ein unmittelbarer ansprechendes Pedal wünschen. Doch ohne ABS als Sicherheitsnetz gefällt mir der etwas längere Pedalweg durchaus. Er vermittelt viel Gefühl und erlaubt es, die Bremskraft exakt zu dosieren, ohne einen plötzlichen Blockierer fürchten zu müssen. Der GTR schafft einfach Vertrauen, während der heulende Klangteppich einen lebhaften, wütenden Anreiz liefert, alles auszukosten, was dieses Auto zu geben hat. Der Besitzer wollte ein reines Fahrerauto – und genau das liefert dieses Fahrzeug kompromisslos.

Obwohl Leistung und Belastungen mit einem E-Type der 1960er-Jahre nicht mehr vergleichbar sind, bleibt erstaunlich viel vom klassischen Erlebnis erhalten. Das beginnt mit dem Brummen und den Resonanzen im Leerlauf, reicht über den leichten Duft heissen Öls bis hin zu den allgegenwärtigen, ungefilterten Rückmeldungen. Bei niedrigem Tempo ist die Lenkung schwer und weist ein winziges Spiel auf, doch danach vermittelt sie rasch echte Klarheit. Das Getriebe – selbstverständlich mit Magnesiumgehäuse – hat einen recht langen Schaltweg, aber der Titan-Schalthebel verstärkt dieses haptische Festmahl. Und beim Bremsen kann sich das Auto etwas bewegen. Es fühlt sich jedoch lebendig an, nicht gefährlich. Man muss lediglich verstehen, wie es sich bewegen möchte.

Der Motor ist ein Star. Trotz seiner Titan-Innereien dreht er kaum über 5.500 U/min hinaus, doch der Klang und die Energie, mit der die Nadel über die Skala wandert, lassen deutlich mehr vermuten. Der GTR besitzt eine kürzere Gesamtübersetzung als serienmässig, könnte aber sogar noch kürzer übersetzt werden, denn der zweite Gang reicht bis angezeigte 80 mph.

Abgesehen davon habe ich nur wenige Kritikpunkte. Für mich geht der Verzicht auf den hinteren Stabilisator zur Gewichtsersparnis einen Schritt zu weit. Ich glaube, seine Wiedereinführung könnte das Auto im Grenzbereich leichter fahrbar machen. Zusammen mit einem aggressiver abgestimmten Sperrdifferenzial würde das den GTR wirklich in Richtung Perfektion treiben.

Natürlich verfügt Eagle über genug Können und Flexibilität, um jede einzelne Special Edition für den jeweiligen Auftraggeber perfekt auszuführen. Ich? Ich würde noch kompromissloser vorgehen und die dynamischen Qualitäten auskosten, die der Lightweight GTR so deutlich zeigt. Dennoch: Obwohl dieser und jeder andere Eagle ein Liebesbrief an Jaguars berühmtestes Modell ist, spricht er selbst einen E-Type-Ungläubigen wie mich an. Vielleicht, weil der Lightweight GTR vor allem ein Liebesbrief an echtes, intensives, interaktives und freudvolles Fahren ist.

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