Polestar erlebt derzeit die erfolgreichste Phase seiner noch jungen Unternehmensgeschichte. Einen wesentlichen Anteil daran hat der Polestar 4, der sich bereits zum meistverkauften Modell der schwedischen Marke entwickelt hat.
Um diesen Erfolg weiter auszubauen, bringt Polestar nun eine zweite Variante des Modells auf den Markt. Sie trägt den Namen Polestar 4 SUV und übernimmt zwar vieles vom 4 Coupé, unterscheidet sich aber gerade dort deutlich, wo es am stärksten auffällt: am Heck.
Genau das prägendste und zugleich umstrittenste Merkmal ist weggefallen. Für mich ist das allerdings eine gute Nachricht. Schon beim ersten Blick auf das Fahrzeug in natura war klar, welche der beiden Versionen ich mit nach Hause nehmen würde. Seht selbst:
Erfolgsgeschichte
2025 verzeichnete Polestar in Europa das beste Jahr seiner bisherigen Geschichte: 47 579 verkaufte Fahrzeuge entsprachen einem Plus von 55,76% gegenüber dem Vorjahr. Den grössten Beitrag zu diesem Wachstum leistete der Polestar 4. Mit 26 316 Einheiten entfiel auf ihn allein mehr als die Hälfte aller Markenverkäufe.
Aufbauend auf dieser Entwicklung bereitet die schwedische Marke ihre bislang umfangreichste Produktoffensive vor, die bis 2028 vier neue Modelle umfasst. Den Auftakt macht der Polestar 5, den wir bereits gefahren sind, gefolgt von diesem Polestar 4 SUV.
2027 soll die zweite Generation des Polestar 2 vorgestellt werden. Für 2028 ist ausserdem der Polestar 7 vorgesehen, der künftig den Einstieg in die Marke bilden und mit Modellen wie dem BMW iX1, Mercedes-Benz GLA oder Audi Q4 e-tron konkurrieren soll.
Zunächst steht jedoch diese neue Ableitung des Polestar 4 im Mittelpunkt. Mit ihrer konventionelleren Karosserie soll sie eine noch grössere Kundengruppe ansprechen – und sie bringt alles mit, um dieses Ziel zu erreichen.
Nicht nur eine Stilfrage
Von vorn lässt sich kaum erkennen, dass es sich hier um eine andere Version des bekannten Polestar 4 handelt. Das hat einen guten Grund: Ab der B-Säule sind beide Ausführungen nahezu identisch.
Erst mit etwas Abstand, wenn das gesamte Profil sichtbar wird, zeigen sich die deutlichen Unterschiede. Während das Polestar 4 Coupé eine flache, sportlichere Dachlinie besitzt und ohne Heckscheibe auskommt, geht dieses SUV einen völlig anderen Weg. Es orientiert sich an der Formensprache eines klassischen SUV, auch wenn sich zugleich Elemente erkennen lassen, die normalerweise eher Kombis zugeschrieben werden.
Ich hatte zunächst die Befürchtung, dass dem SUV ohne die geschlossene Heckscheibe des Coupés etwas Charakter fehlen könnte. Schliesslich ist genau dieses Detail das markanteste Unterscheidungsmerkmal des Polestar 4 – und zugleich jenes, das die Meinungen am stärksten polarisiert. Nach dem ersten Eindruck vor Ort war jedoch klar: Diese Sorge war unbegründet.
Das SUV wirkt kräftiger, optisch ausgewogener und bietet zusätzlich mehr Laderaum. Meiner Meinung nach ist diese Variante insgesamt stimmiger gelungen.
Dank der weniger stark abfallenden Dachlinie und der um 22 mm höheren Karosserie wächst das Kofferraumvolumen des Polestar 4 SUV um 30 Liter auf insgesamt 530 Liter. Bei umgeklappten Rücksitzen stehen bis zu 1665 Liter zur Verfügung.
Polestar 4 SUV: Innenraum und Platzangebot
Im Innenraum fallen die Unterschiede weniger deutlich aus, denn die Gestaltung entspricht nahezu vollständig jener des Polestar 4 Coupé. Das ist keineswegs ein Nachteil, da sie die Werte der schwedischen Marke gut vermittelt. Anders als beim Polestar 5 funktioniert der Minimalismus hier aus meiner Sicht zudem besser.
Der Innenraum präsentiert sich grosszügig, mit nachhaltigen Materialien und sehr zurückhaltenden Farben. Das auffälligste Element ist vermutlich der grosse zentrale 15,4”-Multimediabildschirm, der nun rechts eine feststehende Spalte mit Schnellzugriffen auf die am häufigsten verwendeten Funktionen besitzt.
Erwähnenswert sind ausserdem der beim SUV optional erhältliche intelligente Innenspiegel sowie das Panorama-Glasdach. Dieses verfügt über eine elektrochrome Schicht, mit der sich das gesamte Glas oder nur ein Teil davon abdunkeln lässt, um den Lichteinfall – und damit auch die Wärme im Innenraum – zu regulieren.
Auch im Fond gibt es Unterschiede zum bisher bekannten Polestar 4. Sie betreffen weniger die Beinfreiheit als vielmehr den etwas grösseren Raum über dem Kopf: Mit meinen 1,83 Metern kann ich es mir auf den hinteren Plätzen bequem machen, selbst wenn der Fahrersitz auf meine Körpergrösse eingestellt ist. Das ist auch im hervorgehobenen Video zu diesem Artikel zu sehen.
Bis zu 630 km Reichweite
Wie erwartet übernimmt der Polestar 4 SUV fast die gesamte technische Basis des Coupés. Er wird daher weiterhin sowohl mit Hinterradantrieb (Rear Motor) als auch mit Allradantrieb (Dual Motor) angeboten. In beiden Fällen kommt eine Batterie mit 100 kWh Kapazität zum Einsatz, die Gleichstromladen mit bis zu 200 kW sowie optional Wechselstromladen mit bis zu 22 kW ermöglicht.
Die Versionen mit Hinterradantrieb nutzen einen Elektromotor mit 200 kW (272 PS) Leistung und 343 Nm Drehmoment. Damit beschleunigen sie in 7,3s von 0 auf 100 km/h und erreichen eine elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Je nach Ausstattungsniveau und Felgengrösse beträgt die angegebene Reichweite bis zu 630 Kilometer im kombinierten WLTP-Zyklus.
Die Dual-Motor-Varianten setzen dagegen auf zwei Elektromotoren mit zusammen 400 kW (544 PS) Maximalleistung und 686 Nm Drehmoment. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt damit in 3,9s, während die Höchstgeschwindigkeit weiterhin bei 200 km/h begrenzt wird. In dieser Konfiguration sinkt die Reichweite auf 590 Kilometer bei der Version Dual Motor Performance Prime.
Was kostet er?
Der neue Polestar 4 SUV kann bereits bestellt werden, die ersten Fahrzeuge sollen noch in diesem Jahr nach Portugal kommen. Die Preise beginnen bei 55 600 Euro und reichen bis 67 400 Euro für die höchste Ausstattungsstufe, welche das Pack Prime mit dem Pack Performance kombiniert.
Wie bei den Versionen mit Pack Performance üblich, unterscheiden sie sich durch geschmiedete 22”-Felgen und goldfarbene Brembo-Bremssättel. Im Innenraum kommen zusätzlich goldfarbene Sicherheitsgurte sowie ein Lautstärkeregler mit besonderer Oberfläche zum Einsatz.
Fahrdynamisch ergänzt dieses Pack aktive ZF-Dämpfer und ein sportlicher abgestimmtes Fahrwerk. Diese beiden Komponenten sollen das Fahrverhalten des SUV auf der Strasse verbessern. Darauf kommen wir in einigen Wochen zurück, wenn wir den Polestar 4 SUV erstmals fahren.
Bis dahin könnt ihr euch das Video ansehen oder erneut anschauen, das wir am Steuer des bislang stärksten Polestar produziert haben:
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