Die britische Gesundheitsschutzbehörde UK Health Security Agency hat erstmals offiziell die chronische Hypercar-Müdigkeit anerkannt. Zu den Beschwerden zählen Gleichgültigkeit, leichte bis akute Empörung und ausgeprägter Gedächtnisverlust. Hand aufs Herz: Könnten Sie einen Giamaro Krafla von einem Garagisti & Co GP1 unterscheiden? Oder einen Capricorn 01 Zagato von einem De Tomaso P72? Wir lieben alle absurd starke, wild gestaltete Autos, doch gefühlt wird jede zweite Woche ein neues Modell vorgestellt.
Die meisten wollen wieder an jenes in unserer von KI durchdrungenen Realität besonders kostbare Wort anknüpfen: „analog“. Je intelligenter und stärker vernetzt gewöhnliche Autos werden, desto weiter entfernen sie sich offenbar vom Menschen am Steuer. Das neue „Hyper“ ist deshalb in gewisser Weise ein Rückschritt. Alle drängen zurück zu Handschaltungen, Saugmotoren mit möglichst vielen Zylindern und Interieurs, die Fabergé hätte gestalten können.
Ferrari F80: ein Hypercar gegen den Trend
Man könnte den Ferrari F80 daher als Hypercar aus einer anderen Zeit bezeichnen. Er setzt auf einen verkleinerten V6, ein enorm leistungsstarkes und komplexes Hybridsystem samt elektrischer Vorderachse sowie eine brutalistische Form, die die fliessende Schönheit früherer Zeiten abzulehnen scheint und sich stattdessen in eine kompromisslos zielgerichtete Zukunft schlägt. Im Innenraum ist er sachlich, schlicht und eng um zwei Personen herum modelliert, um den aerodynamischen Unterboden maximal zu unterstützen. Mit „nur“ 1,183bhp zählt er zudem zu den leistungsschwächeren Hypercars der Gegenwart.
Die andere Seite dieser Argumentation lautet: Der F80 ist genau das Hypercar, das nur Ferrari bauen kann. Der Name besitzt eine solche Anziehungskraft, dass es keinen Grund gibt, Moden hinterherzulaufen. Ein verkleinerter Motor und Hybridantrieb mögen bei anderen schwach wirken, doch wenn der Antrieb direkt auf dem Prototyp-Rennwagen basiert, der Le Mans in den vergangenen drei Jahren jeweils insgesamt gewonnen hat, wird daraus eine glanzvolle Stärke.
Rennsporttechnik im Ferrari F80
Technik ist nicht der Gegner – entscheidend ist, wie sie entwickelt und eingesetzt wird. Beim F80 hat Ferrari Erkenntnisse aus der Formel 1 und dem Langstreckensport genutzt, um ein Gesamtpaket zu schaffen, das unverfälscht und elektrisierend, zugleich aber beherrschbar, intuitiv und alltagstauglich ist. Von aussen klingt der F80 etwas zahm, im Cockpit jedoch schnaubt, knistert, kreischt und brüllt er. So viele Ebenen, so viel Leistung.
Und wer von einer Handschaltung mit offener Schaltkulisse träumt, muss nicht verzagen. Das Doppelkupplungsgetriebe des F80 ist ein absolut zentraler Teil seines Reizes. Hochschaltungen sind honigsüsse Gewalt und genauso eindrucksvoll wie das System eines reinrassigen Rennwagens. Beim Herunterschalten lässt die sofortige Reaktion Sie buchstäblich vor Adrenalin erzittern. Die alten Methoden sind grossartig. Doch richtig umgesetzt, bleiben auch die neuen Wege tief im Gedächtnis.
Vielleicht überzeugen Sie die Formen noch immer nicht? Warten Sie ab. Sobald Sie den F80 zum ersten Mal auf der Strasse sehen, werden Sie daran glauben. Nicht viele Hypercars für mehr als £3 Millionen übertreffen die Erwartungen, doch Ferrari hat nicht einfach einen coolen Namen, ein paar Zierteile aus gedrehtem Aluminium und einen Mittelmotor-Keil aus Kohlefaser präsentiert. Hier verbindet sich Hypercar-Technik an der Spitze des Fortschritts mit unverfälschter Leidenschaft.
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