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Dacia: Elektroautos bremsen Verkäufe – vier neue Modelle bis 2030

Grünes Elektrofahrzeug Dacia 2026 steht in modernem Raum neben Ladestation, Solarpanels und Windkraftanlage sichtbar.

Jahrelang profitierte Dacia von einem Geschäftsmodell, das Marktbewegungen nahezu unempfindlich gegenüberstand: unkomplizierte Autos, wettbewerbsfähige Preise und geringe Betriebskosten. Das rasante Wachstum von Elektroautos in Europa trifft jedoch auf eine Marke, die bislang nur ein Modell im Angebot hat, das diese Nachfrage bedienen kann.

Das zeigt sich bereits in den Zahlen. Im ersten Halbjahr 2026 setzte Dacia weltweit 327.077 Fahrzeuge ab – 8,1 % weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einem Rückgang von rund 29.000 Einheiten.

In Europa, dem wichtigsten Absatzmarkt der Marke, fiel der Rückgang mit 8,7 % auf 284.021 Fahrzeuge etwas stärker aus. Das zweite Quartal brachte allerdings erste Anzeichen einer Stabilisierung: Mit 181.729 Neuzulassungen lag das Ergebnis nur 0,3 % unter dem Vorjahreswert.

Bei einer Gesprächsrunde mit europäischen Journalistinnen und Journalisten, an der Razão Automóvel teilnahm, räumte Frank Marotte, Vizepräsident von Dacia für Marketing, Vertrieb und Operations, ein, dass das begrenzte Elektroauto-Angebot die Entwicklung unmittelbar beeinflusst habe.

„Das zweite Quartal blieb hinter dem zurück, was wir im ersten Quartal erreichen konnten, erneut wegen der starken Präsenz batterieelektrischer Fahrzeuge im Markt“, erklärte er. „In den Segmenten B, B+ und C haben wir kein Angebot, das darauf reagieren kann. Im zweiten Quartal war unser Marktzugang eingeschränkter, und das beeinträchtigte unsere Fähigkeit, Bestellungen zu generieren.“

Elektroautos legten zu – Dacia blieb außen vor

Der europäische Markt veränderte sich in den ersten sechs Monaten des Jahres deutlich. Von Januar bis Juni wurden in Europa 1,6 Millionen reine Elektroautos zugelassen, was gegenüber dem gleichen Zeitraum 2025 einem Zuwachs von 35,1 % entspricht. Der Gesamtmarkt wuchs hingegen nur um 6,1 %.

Allein im Juni stiegen die Neuzulassungen von Elektroautos um 51 % und erreichten einen Marktanteil von 25,6 %. Diese Beschleunigung hatte mehrere Ursachen. Ausgeweitete Fördermaßnahmen in einigen Ländern sowie ein breiteres Angebot an Elektroautos, darunter Modelle für rund 25.000 Euro, kurbelten die Nachfrage an.

Hinzu kam ein unerwarteter Faktor: Die durch Instabilität und den Konflikt im Nahen Osten ausgelösten steigenden Öl- und Kraftstoffpreise. Höhere Kosten für Benzin und Diesel machten die Betriebskosten von Elektroautos attraktiver und rückten Energieeffizienz erneut in den Mittelpunkt der Kaufentscheidung.

Für Renault, das bereits den Twingo, 5 E-Tech, 4 E-Tech und Scenic E-Tech verkauft, ergab sich daraus eine Chance. Im ersten Halbjahr entfielen bereits 26,6 % der europäischen Verkäufe der Marke auf Elektroautos. Für Dacia war diese Entwicklung vor allem ein Problem.

Der Spring bleibt das einzige rein elektrische Fahrzeug im Portfolio. Eine elektrische Alternative zu Sandero, Duster, Jogger oder Bigster gibt es nicht – ausgerechnet in den Segmenten, in denen Dacia den Großteil seiner Verkäufe erzielt.

„Das Wachstumstempo bei batterieelektrischen Fahrzeugen ist derzeit beeindruckend“, räumte Marotte ein. „Eine Prognose für das kommende Jahr bleibt für uns sehr schwierig.“

Auch der Duster bekam die Auswirkungen zu spüren. Laut dem Manager ist der Verkaufsrückgang des SUV nicht auf einen Wechsel von Kundinnen und Kunden zum Bigster zurückzuführen. Zwar spielte der stärkere Wettbewerb in Märkten wie Frankreich, Spanien und Italien eine Rolle, doch das Wachstum der Elektroautos war erneut eine der wichtigsten Erklärungen.

„Die Verkäufe batterieelektrischer Fahrzeuge nahmen im zweiten Quartal deutlich zu, und das beeinträchtigte unser mögliches Volumen für den Duster“, sagte er.

Vier neue Elektroautos bis 2030

Bis 2030 plant Dacia vier neue reine Elektroauto-Modelle, die das aktuelle Angebot ergänzen sollen. Die Marke will ihre Markteinführungen jedoch nicht allein beschleunigen, um mit dem Markt Schritt zu halten. Entscheidend ist, dass jedes Modell das Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, das die Benzin-, LPG- und Hybridmodelle der Marke auszeichnet.

„Wir planen die Markteinführungen entsprechend der Kosten- und Technologieentwicklung, um sicherzustellen, dass wir beim Eintritt in den Markt mit einem Elektroangebot erneut das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten“, erläuterte Frank Marotte.

Bis 2030 sollen zwei Drittel der Dacia-Verkäufe auf elektrifizierte Modelle entfallen, also auf Hybride und reine Elektroautos. Wie sich diese beiden Technologien dabei verteilen werden, ist allerdings noch offen. Im ersten Halbjahr legten Hybride bereits um 30,2 % zu und machten jedes vierte verkaufte Dacia-Modell aus.

Für die Entwicklung der kommenden Elektroautos könnte die Marke auf bestehende Plattformen der Renault Group zurückgreifen. Der neue Spring wird seine technische Basis – die Plattform RG EV Small, die neue Bezeichnung für AmpR Small – mit dem Twingo teilen. Ob diese Plattform auch für künftige Modelle als Pendants zu Renault 5 E-Tech und 4 E-Tech genutzt wird, wird noch geprüft.

„Wir positionieren uns preislich unter Renault, und das müssen wir auch in der Elektroauto-Welt schaffen“, betonte Marotte. Die Entscheidung wird daher davon abhängen, ob sich diese Plattformen an die Kostenstruktur und Positionierung von Dacia anpassen lassen.

Die Erholung hat bereits begonnen

Die unmittelbare Antwort wird nicht durch die vier künftigen Elektroautos kommen. Die Erholung von Dacia in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 soll von drei Neuheiten getragen werden, die sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen.

Der Sandero erhält erstmals einen Hybridantrieb. Der Striker soll die Präsenz der Marke im C-Segment stärken, in dem der Bigster bereits vertreten ist, während der neue Spring im Segment erschwinglicher Elektroautos verlorenen Boden gutmachen soll.

Die nächste Generation des Spring wird in Europa produziert, während das aktuelle Modell aus China kommt, und soll zu einem Einstiegspreis von unter 18.000 Euro erhältlich sein. Für Marotte ist dies genau das Beispiel dafür, wie die Marke Elektroautos angehen will: „Wir möchten die Modellpalette erweitern, aber das wird zum richtigen Zeitpunkt geschehen, wenn wir das Preisversprechen einhalten können, das wir unseren Kunden gegenüber bewahren wollen.“

Von den drei Neuheiten erwartet Dacia beim Striker das höchste Verkaufsvolumen, das an die Ergebnisse des Bigster heranreichen soll. Marotte räumt jedoch ein, dass der neue Spring aufschließen könnte, falls die europäische Nachfrage nach Elektroautos weiterhin im derzeitigen Tempo wächst.

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