Sollte der Verbrennungsmotor noch weitere Kapitel vor sich haben, könnten diese womöglich ohne einen einzigen Tropfen Benzin geschrieben werden. Genau dieses Potenzial untersucht Bosch, indem das Unternehmen Wasserstoff als Kraftstoff einsetzt.
Toyota gilt als prominentester Vertreter dieser Technik, ist jedoch keineswegs allein. Auch Bosch arbeitet daran und hat eine eher ungewöhnliche Basis gewählt, um das Potenzial dieses Ansatzes zu demonstrieren.
Gemeint ist der Nettuno von Maserati: ein 3,0-Liter-V6-Biturbo, der im MC20 debütierte und über ein Vorkammer-Verbrennungssystem verfügt. Diese aus der Formel 1 abgeleitete Technik soll die Verbrennung effizienter machen.
Bosch Motorsport hat den Nettuno für den Betrieb mit Wasserstoff umgerüstet. Die ersten Ergebnisse sind besonders bemerkenswert: Diese Ausführung übertrifft bereits die Leistungs- und Drehmomentwerte des Benzin-Nettuno im Maserati MCPURA.
Leistungsstärker als der Benzin-Nettuno
Der Motor arbeitet im Ligier JS2 RH2, einem gemeinsam von Bosch Engineering, Ligier Automotive und Maserati entwickelten Prototypen. Das Projekt startete 2021; sein erster Demonstrator wurde 2023 bei den 24 Stunden von Le Mans vorgestellt.
Seither wurde das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt. Die aktuelle Variante übernimmt Bauteile des ursprünglichen Nettuno, darunter beide Zylinderköpfe und die Turbolader, erhielt jedoch mehrere Anpassungen für die Wasserstoffverbrennung.
Die Kolben wurden neu konstruiert, wobei ihre Form eine Senkung des Verdichtungsverhältnisses ermöglicht. Darüber hinaus passte man die Zündanlage sowie das Motorsteuergerät an.
Die möglicherweise entscheidendste Änderung betrifft jedoch die Kraftstoffversorgung. Beim Serien-Nettuno werden direkte und indirekte Benzineinspritzung kombiniert. Im Wasserstoffmotor setzt Bosch ausschließlich auf Direkteinspritzung über seine neuen HIDI-LCV-Injektoren.
Das Resultat liegt bei rund 480 kW, entsprechend 653 PS, und 880 Nm. Zum Vergleich: Im Maserati MCPURA leistet derselbe 3,0-Liter-V6 mit Benzinbetrieb 630 PS und 720 Nm.
Noch wichtiger als die reinen Kennzahlen ist die bislang nachgewiesene Zuverlässigkeit. Nach Angaben von Bosch absolvierten der Ligier JS2 RH2 und sein Motor unter unterschiedlichen Wetterbedingungen fast 8000 km an Erprobungsfahrten auf Rennstrecken, ohne technische Probleme.
Der Wasserstoff-Nettuno bleibt ein Verbrennungsmotor
Eine Abgrenzung ist wichtig: Es handelt sich nicht um ein Elektroauto mit Brennstoffzelle (Fuel Cell) wie etwa den Toyota Mirai. Der Wasserstoff gelangt direkt in den Motor und wird in den Zylindern verbrannt – genauso wie Benzin in einem herkömmlichen Motor.
Der Vorteil besteht darin, dass Wasserstoff keinen Kohlenstoff enthält und seine Verbrennung daher nicht unmittelbar kraftstoffbedingtes CO₂ erzeugt. Vollständig emissionsfrei ist das Abgas deshalb aber nicht. Die hohen Verbrennungstemperaturen können Stickoxide (NOₓ) entstehen lassen, weshalb die Kontrolle des Verbrennungsprozesses weiterhin entscheidend ist.
Auch die Herkunft des Wasserstoffs ist ein maßgeblicher Faktor. Damit die Verringerung der Kohlenstoffemissionen global betrachtet sinnvoll ist, muss er mithilfe CO₂-armer Energiequellen erzeugt werden – idealerweise aus erneuerbaren Quellen.
Bosch will Elektroautos nicht ersetzen
Bosch betrachtet den Wasserstoffmotor nicht als universellen Ersatz für batterieelektrische Fahrzeuge oder Brennstoffzellensysteme. Vielmehr versteht das Unternehmen ihn als zusätzliche Lösung für Anwendungen, bei denen Robustheit, hohe Leistung und schnelles Tanken besonders wichtig sind.
Der Wasserstoff-Nettuno bleibt vorerst auf die Welt der Prototypen beschränkt. Ligier räumt jedoch bereits ein, dass sich das Projekt auf verschiedene Arten weiterentwickeln könnte, darunter zu einem Fahrzeug für Track Days, das Maserati-Technologie mit den Wasserstoffsystemen von Bosch verbindet.
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