Porsche startet unter ungewöhnlichen Vorzeichen in das Jahr 2026. Nach mehreren Jahren mit Rekordergebnissen verzeichnete die Stuttgarter Marke sinkende Verkaufszahlen, deutlich schwächere Margen und eine Elektrostrategie, die nicht mehr zur Marktentwicklung passt.
2025 lieferte das Unternehmen 279 449 Fahrzeuge aus, 10% weniger als im Vorjahr. Der Umsatz sank um 9,5%. Besonders gravierend fiel jedoch der Einbruch bei der Ertragskraft aus: Das operative Ergebnis brach von 5,6 Milliarden auf 413 Millionen Euro ein, während die Marge von 14,1% auf lediglich 1,1% zurückging.
Einen wesentlichen Anteil daran haben laut Porsche außerordentliche Belastungen von rund 3,9 Milliarden Euro. Sie stehen im Zusammenhang mit der Anpassung der Produktstrategie, den Batterieaktivitäten und den US-Zöllen.
Das Ziel von mehr als 300 000 Einheiten rückt in die Ferne
China, lange Zeit Porsches wichtigster Absatzmarkt, trägt das Wachstum nicht mehr. Der Wettbewerb durch lokale Hersteller hat sich verschärft, und die Auslieferungen gingen weiter zurück. Im ersten Halbjahr 2026 verkaufte die Marke dort 14 501 Fahrzeuge, ein Minus von 32%.
Der Rückgang zeigte sich weltweit. Von Januar bis Juni sanken die Auslieferungen um 16% auf 122 306 Einheiten. Dazu trugen das Ende der Produktion des Verbrenner-718, ein elektrischer Macan ohne den Schub seiner Markteinführung sowie der Wegfall von Steuervorteilen in den USA bei.
Finanziell gibt es dennoch erste Anzeichen einer Erholung. Im ersten Halbjahr verringerte sich der Umsatz um 5,1%, das operative Ergebnis stieg jedoch auf 1,35 Milliarden Euro und die Marge erholte sich auf 7,8%. Für 2026 rechnet Porsche weiterhin mit einem Umsatz zwischen 35 und 36 Milliarden Euro sowie einer operativen Marge von 5,5% bis 7,5%.
Weniger verkaufen, aber profitabler verkaufen
Die Antwort besteht aus Kostensenkungen und dem Abschied von Volumenzielen, insbesondere vom Anspruch, jährlich mehr als 300 000 Einheiten abzusetzen. Zur Restrukturierung gehören auch einschneidende Maßnahmen wie der Abbau von rund 8900 Arbeitsplätzen. Um den Ertrag pro verkauftem Fahrzeug zu steigern, will Porsche den Schwerpunkt auf GTS-, Turbo- und GT-Versionen sowie auf Individualisierungsmöglichkeiten legen. Der 911 steht beispielhaft für diesen Kurs.
Auch die Elektrostrategie um jeden Preis ist beendet. Cayenne und Panamera mit Verbrennungsmotoren sowie Hybridantrieben bleiben über 2030 hinaus im Programm. Der künftige SUV oberhalb des Cayenne, das Projekt K9, war zunächst ausschließlich als Elektroauto vorgesehen, wird aber zuerst mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybridsystem eingeführt.
Was bei Porsche als Nächstes kommt
Die wichtigste Neuheit des Jahres ist der Cayenne Electric, dessen Auslieferungen in Europa Ende Juni begonnen haben. Porsche hat zudem den Taycan mit der Einführung von E-Shift überarbeitet. Das System simuliert Gangwechsel, um das Fahren emotionaler zu gestalten, und wird von Verbesserungen am Multimediasystem begleitet.
Beim 911 stärken der neue Turbo S T-Hybrid - den wir bereits gefahren sind - und der GT3 S/C gezielt die margenstärksten Varianten. Die Rückkehr von 718 Boxster und Cayman wird dagegen voraussichtlich erst 2027 erfolgen. Ihre elektrischen Nachfolger befinden sich weiterhin in Entwicklung, doch Porsche hat zugleich bestätigt, dass die künftigen Spitzenvarianten wieder Verbrennungsmotoren erhalten werden.
Ab 2028 folgen zwei für diese Strategie entscheidende SUV: ein Hybrid- und Verbrennermodell als Ersatz für die Lücke des früheren Macan mit Verbrennungsmotor sowie der oberhalb des Cayenne positionierte K9.
Die Richtung ist damit klar: geringere Stückzahlen, mehr Sondermodelle und eine Elektro-Modellpalette, die Kunden überzeugen muss, ohne dass Porsche auf die weiterhin profitablen Motoren verzichten muss.
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