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Audi e-tron GT mit bis zu 646 PS: erste Eindrücke

Grauer Audi E-Tron GT Sportwagen im Showroom, moderner Elektro-Sportwagen mit LED-Scheinwerfern und breitem Kühlergrill.

Fast zwei Jahre nach dem Taycan, nach einer umfangreichen Kommunikationskampagne, mehreren technischen Workshops und sogar Fahrerlebnissen mit der sportlichsten Version – ausgezeichnet mit dem Kürzel RS und noch getarnt, die ich Ende Oktober vergangenen Jahres gefahren bin – präsentiert Audi nun endlich seinen e-tron GT.

Der e-tron GT nutzt die J1-Plattform und übernimmt rund 40 % der Komponenten des Porsche Taycan, darunter die Batterie sowie die synchronen Elektromotoren.

Optisch unterscheiden sich die beiden Modelle jedoch fast vollständig voneinander; lediglich Windschutzscheibe und A-Säulen sind identisch. Deshalb kann Audis Designchef Marc Lichte sichtlich stolz sagen: „Dies ist das schönste Auto, das ich je gezeichnet habe“, während er über die geschwungene Karosserie streicht, als wäre sie ein Lebewesen.

Die mittlere Partie der Motorhaube liegt tiefer als ihre äußeren Bereiche. Das verbessert einerseits die Aerodynamik und schärft andererseits das Design des e-tron GT. Die Front wird zudem von den deutlich sichtbaren Lufteinlässen unterhalb des kleinen Kühlergrills geprägt, der im Vergleich zu Audi-Modellen mit Verbrennungsmotor kleiner ausfallen kann, da deren Kühlbedarf höher ist.

Der niedrige cW-Wert trägt dazu bei, dass die Lithium-Ionen-Batterie mit 93 kWh Kapazität, davon 85 kWh nutzbar, im e-tron GT eine Reichweite von bis zu 488 km und im RS e-tron GT von bis zu 472 km ermöglicht. Damit übertreffen beide ihren Porsche-Taycan-Verwandten, der als 4S 463 km und als Turbo S 412 km angibt.

Zur größeren Reichweite tragen außerdem Anpassungen an den Beutelzellen der Batterie und an der Motorsteuerungssoftware bei. Hinzu kommen speziell gestaltete Räder, die Energie sparen helfen, sowie eine serienmäßige Wärmepumpe. Sie unterstützt dabei, den Innenraum vor Fahrtbeginn auf die gewünschte Temperatur zu bringen, ohne die Batterie dafür zu beanspruchen.

Bis zu 646 PS Leistung

In der Porsche-Zentrale in Zuffenhausen bei Stuttgart dürften sich angesichts dessen wohl einige Augenbrauen heben. Audi hat sich deshalb bei der Leistung bewusst etwas zurückhaltender positioniert.

Der RS e-tron GT leistet maximal 598 PS (440 kW), erreicht mit Launch Control jedoch 646 PS und 830 Nm (!). Der e-tron GT quattro kommt auf 476 PS (350 kW); für die wenigen Sekunden eines Vollstarts ohne durchdrehende Räder sind bis zu 530 PS und 630 Nm verfügbar. Beide Versionen verfügen über Allradantrieb.

Offiziell beschleunigt der RS e-tron GT in rasanten 3,3 s von 0 auf 100 km/h. Der e-tron GT quattro benötigt dafür 0,8 s mehr, also 4,1 s. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt beim RS 250 km/h, beim e-tron GT quattro 245 km/h.

Damit ordnen sich die Audi unterhalb von zwei der stärksten Taycan-Varianten ein und respektieren so die Priorität, die Porsche dem sportlichen Charakter seiner Fahrzeuge einräumt: Der Turbo S erreicht 761 PS (2,8 s und 260 km/h), während der 4S bei 571 PS (4,0 s und 250 km/h) liegt.

Die Unterschiede beschränken sich jedoch nicht auf die Leistung, sondern betreffen auch den Charakter. Der Audi ist besonders auf lange, komfortable Strecken zugeschnitten, wie es das GT-Kürzel für Gran Turismo andeutet. Der Porsche tritt dagegen stärker als batterieelektrischer Kurvenräuber auf – auch wenn selbstverständlich keiner von beiden bei den Aufgaben des anderen eine schlechte Figur macht.

Wie der Porsche besitzt auch dieser Audi eine Dreikammer-Luftfederung und eine Allradlenkung; die elektromechanische Lenkung arbeitet mit fester Übersetzung. Stabilisatoren gibt es nicht. Stattdessen wird die Karosserie in Kurven durch straffer werdende Federn und Dämpfer stabil gehalten.

Einladenderer Innenraum des Audi e-tron GT

Auch im Innenraum wurde die Abgrenzung der beiden Modelle sorgfältig umgesetzt. Während der Taycan mit den für die 911-Ikone typischen, stärker vertikal ausgerichteten Linien, Formen und Instrumenten spielt, fühlen sich die Insassen im Audi stärker „umschlossen“.

Das Cockpit ist etwas deutlicher zum Fahrer ausgerichtet, und die Türverkleidungen scheinen auf einen gedachten Punkt vor dem Fahrzeug zuzulaufen. „Selbst im Innenraum und im Stand strahlt das Auto Dynamik aus“, meint Lichte. Besonders stolz ist er auch auf die vegane Ausstattung – sei es das Kunstleder oder das Mikrofaser-Material, für das recycelte Kunststoffflaschen verwendet wurden.

Auf den Rücksitzen gewinnen die Passagiere dank der Aussparungen im Fußraum, den bekannten „Fußgaragen“, an Platz. Optional ist außerdem ein Carbon-Dach erhältlich, das 12 kg Gewicht einspart.

Wann kommt er?

Der neue Audi e-tron GT soll zu Beginn des Frühlings, also Ende März, auf den Markt kommen. Die Preise sollen voraussichtlich bei unter 110.000 Euro beginnen.

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