Noch in der vergangenen Woche sagte er, er habe sich politisch „zu stark engagiert“. Dennoch will Elon Musk offenbar bis zu 120 Millionen US-Dollar einsetzen, um Donald Trumps Mehrheit bei den Zwischenwahlen zu sichern.
2024 stieg Elon Musk zum grössten Einzelspender im US-Präsidentschaftswahlkampf auf: Mehr als 270 Millionen US-Dollar flossen von ihm, um Donald Trump ins Weisse Haus zu bringen. Dabei nutzte er ein zentrales Instrument des amerikanischen Wahlsystems, das Super PAC. Anders als herkömmliche politische Aktionskomitees dürfen diese privaten Organisationen unbegrenzt Geld einwerben und ausgeben. Zwar dürfen sie Kandidaten nicht unmittelbar finanzieren, doch sie stecken enorme Summen in Plakatkampagnen, zielgerichtete Werbung und Haustürwahlkampf.
America PAC als Wahlkampfmaschine von Elon Musk
Über sein eigenes America PAC organisierte der Chef von Tesla und SpaceX eine weitreichende Mobilisierung vor Ort. Um Wählerinnen und Wähler in Schlüsselstaaten zur Registrierung zu bewegen, veranstaltete er sogar tägliche Verlosungen mit Gewinnen von 1 Million US-Dollar. Für ihn stand viel auf dem Spiel, denn seine Unternehmen waren erheblichem regulatorischem Druck ausgesetzt. Die Unterstützung des republikanischen Kandidaten ebnete ihm den Weg für eine umfassende Deregulierung.
Nach seinem Wahlsieg ernannte Donald Trump ihn zum Co-Leiter des Department of Government Efficiency (DOGE), einer Einrichtung, die Bundesausgaben und Bürokratie drastisch kürzen sollte. Das politische Engagement entwickelte sich jedoch rasch zum Konfliktfall. Nach nur vier Monaten, die von umstrittenen Budgetkürzungen geprägt waren, zog Musk im Frühjahr 2025 die Konsequenzen und trat zurück.
Elon Musk investiert (erneut) Millionen
Seither machte der Multimilliardär den Eindruck, sich aus der Politik zurückzuziehen. Erst vor wenigen Tagen bestätigte er diesen Abstand in einem Gespräch mit The Economist: „Ich glaube, ich habe mich ein wenig zu sehr in die Politik eingebracht. Ehrlich gesagt habe ich mich davon mitreissen lassen.“ Offenbar sollte man diese Aussage jedoch nicht allzu wörtlich nehmen.
Denn hinter den Kulissen fährt Musk sein America PAC mit einem vorgesehenen Budget von 100 bis 120 Millionen US-Dollar massiv wieder hoch, wie die New York Times berichtet. Das Geld soll ein grosses Netz von Wahlkampfhelfern sowie eine präzise Ansprache bisheriger Nichtwähler finanzieren. Mindestens 8 Bundesstaaten, die für die Kontrolle über Senat und Repräsentantenhaus entscheidend sind, stehen im Fokus.
Die Zwischenwahlen im Visier
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Bei den für November angesetzten Zwischenwahlen (Midterms) wird das gesamte Repräsentantenhaus sowie ein Drittel des Senats neu gewählt. Historisch gesehen schneiden bei diesen Abstimmungen die Parteien des amtierenden Präsidenten schlechter ab; sie gelten als Referendum über das Staatsoberhaupt. Sollte Donald Trump seine Kongressmehrheit verlieren, drohten seinen letzten zwei Amtsjahren nahezu vollständiger politischer Stillstand und parlamentarische Untersuchungen.
Das Umfeld ist für den US-Präsidenten besonders schwierig. Mit Zustimmungswerten von unter 37 % erlebt Trump eine schwere Vertrauenskrise. Die Abnutzung im Amt geht mit einer deutlichen Ablehnung durch unabhängige Wähler einher, die für umkämpfte Wahlkreise entscheidend sind. Zudem häufen sich die Kritikpunkte: Inflation und steigende Lebenshaltungskosten belasten die Haushalte erheblich, während der Konflikt im Iran von einer Mehrheit der Amerikaner klar abgelehnt wird. Selbst seine Migrationspolitik verliert angesichts der Härte der Abschiebungsaktionen inzwischen an Rückhalt.
Während die Demokraten bereitstehen, daraus Kapital zu schlagen, hängt die republikanische Mehrheit nur noch an einem seidenen Faden. Deshalb startet der reichste Mann der Welt nun seine nächste politische Offensive.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen