Wer die tschechische Marke kennt, weiß, worin ihre größten Stärken liegen: sehr großzügige Platzverhältnisse und ein großes Ladeabteil, originelle Lösungen im Innenraum, bewährte Volkswagen-Technik und angemessene Preise. Mit dem Skoda Octavia Combi, unserem ersten Kontakt mit der vierten Octavia-Generation, legt Skoda die Messlatte derart hoch, dass sich wohl kaum jemand daran stören würde, trüge dieses Auto ein Volkswagen- oder sogar Audi-Logo.
Es wäre nicht das erste Mal, dass der deutlich gestiegene Gesamtqualitätsanspruch eines Skoda-Modells innerhalb des Volkswagen-Konzerns für gewisse Spannungen sorgt.
Als 2008 der zweite Superb auf den Markt kam, soll es in der Konzernzentrale in Wolfsburg durchaus Rügen gegeben haben. Offenbar war man bei der Entwicklung des Skoda-Flaggschiffs zu ehrgeizig gewesen und hatte es bei wahrgenommener Qualität, Design und Technik zu nah an den Passat herangeführt. Das hätte die Vermarktung des naturgemäß teureren Volkswagen potenziell erschweren können.
Es würde mich deshalb nicht besonders überraschen, wenn sich beim neuen Octavia etwas Vergleichbares wiederholte.
Meistverkaufter Skoda aller Zeiten
Seit dem offiziell als Octavia I bezeichneten Modell sind 24 Jahre vergangen, und mehr als sieben Millionen Exemplare wurden produziert bzw. verkauft. Kein SUV dürfte diesem Skoda in der Rangliste der beliebtesten Modelle der tschechischen Marke so bald den ersten Platz streitig machen.
Der Skoda Octavia führt diese Rangliste mit deutlichem Vorsprung an – weltweit werden knapp 400.000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft. Keiner der drei K-SUV, Kodiaq, Karoq und Kamiq, erreicht auch nur die Hälfte davon. Obwohl im vergangenen Jahr allein die SUV gegenüber dem Vorjahr zulegen konnten, fiel das Ergebnis der übrigen Modellpalette im Vergleich zu 2018 schlechter aus, was auf den Einbruch des chinesischen Marktes zurückzuführen war.
Der Octavia ist also der Golf von Skoda, was durchaus stimmig ist, weil beide dieselbe modulare technische und elektronische Basis nutzen. Zudem ist er im Wesentlichen ein europäisches Auto: Zwei Drittel seiner Verkäufe entfallen auf unseren Kontinent, er ist das drittmeistverkaufte Schrägheckmodell seines Segments – hinter Golf und Ford Focus – und der Skoda Octavia Combi ist der meistverkaufte Kombi auf Europas Markt, dem weltweit größten Kombimarkt.
Womöglich ließ Skoda uns deshalb Anfang März zunächst den Octavia Combi kennenlernen und fahren, während die Enthüllung des Fünftürers erst einige Wochen später, Mitte April, erfolgen sollte.
Octavia mit markanterem Auftritt
Optisch fällt vor allem der größere und dreidimensionaler gestaltete Kühlergrill ins Auge. Zahlreiche zusätzliche Sicken verleihen dem Design mehr Schärfe, wobei die Leuchteinheiten mit umfassender LED-Technik vorne wie hinten diesen Eindruck unterstützen.
Auch die verbesserte Aerodynamik ist erkennbar: Skoda nennt einen cₓ-Wert von 0,26 für den Kombi und 0,24 für den Fünftürer, womit Letzterer zu den Besten seines Segments zählt. Am Heck, das von horizontalen Linien und breiteren Rückleuchten geprägt wird, erinnert der Skoda Octavia Combi zudem an die aktuellen Volvo-Kombis.
Gegenüber dem Octavia III haben sich die Abmessungen nur geringfügig verändert: Die Länge stieg um 2,2 cm, die Breite um 1,5 cm. Bemerkenswert ist, dass Kombi und Schrägheckmodell – obwohl Letzteres als Limo bezeichnet wird, tatsächlich aber ein Fünftürer ist – exakt gleich groß sind. Auch der Radstand beider Varianten beträgt identische 2686 mm. Beim Vorgänger war er beim Kombi noch 2 cm länger und lag damit praktisch auf dem Niveau des bisherigen Combi.
Riesiger Innenraum und großer Kofferraum
Dass der Knieraum im Fond nicht gewachsen ist, überrascht daher nicht – und ist keineswegs als Kritik zu verstehen. Der Skoda Octavia Combi und auch der Fünftürer bleiben die geräumigsten Modelle ihrer Klasse. Zudem bieten sie den größten Kofferraum des Segments, der beim Combi nochmals um 30 Liter auf 640 Liter und beim Fünftürer um 10 Liter auf 600 Liter gewachsen ist.
Für die Fondpassagiere stehen außerdem 2 cm mehr Schulterbreite zur Verfügung. Direkte Luftausströmer gehören ebenfalls zur Ausstattung, in einigen Versionen sogar mit Temperaturregelung und USB-C-Anschlüssen. Weniger günstig ist der stark ausgeprägte Mitteltunnel im Fußraum, eine typische Eigenheit von Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns. Er macht deutlich, dass hinten idealerweise nur zwei Personen reisen.
Unverändert ist auch Skodas Anspruch, mit kleinen praktischen Ideen den Alltag mit dem Octavia angenehmer zu machen. Zum Regenschirm im Ablagefach der Vordertür kommen nun ein USB-Anschluss im Dachhimmel, ein in den Deckel des Scheibenwaschwasserbehälters integrierter Einfülltrichter sowie in die Rückseiten der vorderen Kopfstützen eingelassene Tablet-Halterungen. Wie aus anderen aktuellen Skoda-Modellen bekannt, gibt es zudem das Schlafpaket mit „kissenartigen“ Kopfstützen und einer Decke für die Fondinsassen.
Der Kombi besitzt außerdem eine automatisch einziehbare Gepäckraumabdeckung. Beim Fünftürer findet sich unter dem Kofferraumboden ein Fach, in dem sich beispielsweise eine Jacke verstauen lässt.
Hohe Qualität und moderne Technik
Zurück auf dem Fahrersitz werden die wichtigsten Fortschritte des neuen Octavia spürbar. Natürlich sind Pressefahrzeuge meist besonders umfangreich ausgestattet, doch einige Verbesserungen sind grundsätzlicher Natur: weiche Materialien an Armaturenbrett und vorderen Türverkleidungen, eine vertrauenerweckende Verarbeitung und gestalterische Lösungen, die den Octavia sehr nahe an manche Premium-Modelle heranbringen.
Auch wenn die tschechische Marke sich nicht als Premiumanbieter positionieren will – oder kann. Bei der Frage, was nun Premium ist und was nicht, denke ich stets an einen Test mit einem Cadillac ATS in den USA. Direkt danach fuhr ich in Portugal einen Skoda Octavia, den Vorgänger dieses Modells, und hatte den Eindruck: Der Cadillac war das Auto der wertvolleren Marke, der Skoda jedoch das Premiumauto.
Neu sind das zweispeichige Multifunktionslenkrad mit bis zu 14 Funktionen, die bedient werden können, ohne die Hände vom Lenkrad zu nehmen, sowie erstmals eine elektrische Parkbremse. Ebenfalls erstmals verfügbar ist ein Head-up-Display, allerdings optional. Frontscheibe und Lenkrad können auf Wunsch beheizt werden, während die vorderen Seitenscheiben als Akustikverglasung mit einer innenliegenden Folie für einen leiseren Innenraum erhältlich sind. Auch die Sitze fallen komfortabler und aufwendiger aus: Sie können beheizbar sein sowie elektrische Einstellung und elektrische Massagefunktion bieten.
Finger statt Tasten
Im Armaturenbrett, dessen Krümmung ein wenig an die vorige Mercedes-Benz S-Klasse erinnert, dominiert der zentrale Infotainment-Bildschirm. Physische Bedienelemente sind fast vollständig verschwunden – ein zunehmend verbreiteter Ansatz, der bereits bei den jüngsten Generationen von Volkswagen Golf und SEAT Leon, den Konzernverwandten des Octavia, bekannt ist.
Das Infotainmentdisplay wird in unterschiedlichen Größen angeboten, mit 8,25 oder 10 Zoll, und verfügt je nach Version über verschiedene Funktionen. Das Angebot reicht von der einfachen Touch-Bedienung über eine mittlere Ausführung mit Sprach- und Gestensteuerung bis zur anspruchsvollsten Variante mit Zoomfunktion in der Navigation.
Insgesamt schafft dieses neue Konzept deutlich mehr Freiraum rund um den Fahrer und auf der Mittelkonsole, insbesondere bei Versionen mit Doppelkupplungsgetriebe. Dieses erhält einen sehr kleinen Shift-by-Wire-Wählhebel, der die Gangwechsel elektronisch steuert und beinahe von Porsche übernommen wirken könnte. Porsche setzte ihn erstmals im elektrischen Taycan ein.
Auch das Kombiinstrument ist mit 10,25 Zoll vollständig digital und kann unterschiedlich dargestellt werden; Informationen und Farben variieren je nach gewähltem Modus zwischen Basis, Klassik, Navigation und Fahrerassistenz.
Die neue Elektronikplattform bringt bei diesem Modell einen weiteren großen Entwicklungsschritt. Unter anderem ist nun autonomes Fahren auf Level 2 möglich, das Spurhalteassistent und adaptive Geschwindigkeitsregelung kombiniert.
Vier Fahrwerkshöhen für den Skoda Octavia Combi
Am Fahrwerk gibt es keine grundlegenden Neuerungen, die MQB-Plattform bleibt erhalten. Vorn arbeitet eine McPherson-Achse, hinten eine Verbundlenkerachse. Einer der wenigen Punkte, in denen das Urmodell von 1959 „besser“ war, betrifft die Hinterachse: Es besaß eine Einzelradaufhängung. Beim Octavia erhalten nur Motorisierungen oberhalb von 150 PS eine unabhängige Hinterradaufhängung. Beim Golf und A3 ist diese aufwendigere Hinterachskonstruktion bereits bei den 150-PS-Versionen verfügbar.
Dafür stehen nun je nach gewähltem Fahrwerk vier verschiedene Bodenfreiheiten zur Wahl. Neben dem Basisfahrwerk gibt es Sport mit -15 mm, Rough Road mit +15 mm – entsprechend der früheren Scout-Version – sowie die Dynamische Fahrwerksregelung mit variablen Dämpfern.
Zur Auswahl stehen fünf Fahrprogramme: Eco, Comfort, Normal, Sport und Individual. Letzteres erlaubt die Wahl zwischen 15 verschiedenen Einstellungen und ermöglicht in einem Skoda erstmals deutlich unterschiedliche Abstimmungen für das adaptive Fahrwerk, die Lenkung und das Automatikgetriebe. Gesteuert wird alles über die Schiebefläche unterhalb des Zentralbildschirms.
Hinzu kommt die neue Slider-Bedienung, die vom Volkswagen Golf eingeführt wurde, inzwischen aber auch in den aktuellen Audi A3 und SEAT Leon verfügbar ist. Mit ihr lassen sich die Fahrmodi verwalten. Ebenfalls erstmals bei Skoda können fahrrelevante Parameter wie Fahrwerk, Gaspedal, Lenkung und DSG-Automatikgetriebe, sofern verbaut, einzeln angepasst werden.
Benziner, Diesel und Hybride
Gegenüber dem Octavia III verändert sich das Motorenprogramm deutlich, entspricht jedoch vollständig dem Angebot des neuen Golf.
Den Einstieg bildet der Dreizylinder 1.0 TSI mit 110 PS, darüber folgen bei den Benzinern der Vierzylinder 1.5 TSI mit 150 PS und der 2.0 TSI mit 190 PS. Die beiden stärkeren Varianten werden zumindest anfangs nicht in Portugal verkauft. Die ersten beiden Motoren sind wahlweise mit oder ohne Mildhybridtechnik erhältlich.
Das immer kleiner werdende Dieselangebot beschränkt sich auf einen 2,0-Liter-Motor, der jedoch in drei Leistungsstufen mit 116, 150 oder 190 PS angeboten wird. Die stärkste Variante ist ausschließlich mit Allradantrieb erhältlich.
Abgerundet wird die Palette von zwei Plug-in-Hybriden mit externer Lademöglichkeit und einer elektrischen Reichweite von bis zu 60 km. Sie kombinieren den 1.4 TSI mit 150 PS mit einem Elektromotor mit 85 kW (116 PS) und erreichen eine Systemleistung von 204 PS beim iV oder 245 PS beim RS iV. Beide arbeiten mit einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe; die stärkere Version besitzt serienmäßig eine Progressivlenkung. Die Plug-in-Modelle können nicht mit tiefergelegtem Fahrwerk kombiniert werden, da die 13-kWh-Batterie zusätzliches Gewicht mitbringt. Andernfalls würden sie beim Abrollen zu hart ausfallen.
Angenehm eingerichtet
Am Steuer entsteht ein angenehmer Eindruck von einem modernen und solide gebauten Auto. Die Befürchtung, das Lenkrad könnte wegen seiner Vielzahl an Tasten zu unübersichtlich sein, erwies sich als unbegründet. Nach einer Stunde lässt sich alles ziemlich intuitiv bedienen – nicht zuletzt, weil ein späterer Besitzer im Gegensatz zu einem Tester nicht ständig das Fahrzeug wechselt.
Das Leben fast ausschließlich mit Menüs und Untermenüs auf einem digitalen Bildschirm sowie mit nahezu keinen physischen Bedienelementen in der Mittelkonsole verlangt allerdings mehr Aufmerksamkeit und „Fingerarbeit“, als wünschenswert wäre. Doch dieser Weg, den alle Hersteller einschlagen, wird sich kaum noch umkehren lassen.
Leiserer Innenraum, kompetenteres Fahrwerk
Unabhängig von Fahrbahnbelag und Tempo ist der neue Skoda Octavia Combi tatsächlich leiser als sein Vorgänger. Dazu tragen das in dieser Hinsicht überarbeitete Fahrwerk, die bessere Schalldämmung und auch die höhere Karosseriesteifigkeit bei.
Die Lenkung reagiert etwas schneller, ohne besonders präzise zu vermitteln, was zwischen Reifen und Asphalt passiert. Zu besonders sportlicher Fahrweise lädt sie nicht ein, da Lastwechsel nicht ausgesprochen agil gelingen. Mit etwas Vernunft am Steuer weitet sich die Linie in Kurven jedoch nicht schnell auf.
Die Fahrwerksabstimmung ist ausgewogen und bietet ausreichend Komfort und Stabilität. Nur auf sehr unebenem Untergrund wirkt die Hinterachse etwas unruhiger.
Das manuelle Getriebe arbeitet hinreichend schnell und präzise, ohne zu begeistern, und versucht die Möglichkeiten des 2.0 TDI mit 150 PS gut auszunutzen. Seine wichtigste Stärke besteht darin, dass die vollen 340 Nm bereits bei 1700 U/min bereitstehen. Allerdings geht ihm schon ab 3000 U/min vergleichsweise früh die Luft aus.
8,9 s für den Sprint von 0 auf 100 km/h und 224 km/h Höchstgeschwindigkeit zeigen, dass es sich keineswegs um ein langsames Auto handelt. Wird der riesige Gepäckraum stark beladen und reisen mehr als zwei Personen mit, macht sich das Gewicht von mehr als anderthalb Tonnen allerdings auf mehreren Ebenen bemerkbar. Fordert man den Motor stärker, wird er zudem etwas laut.
Die doppelte NOₓ-Filterung ist eine gute Nachricht für die Umwelt, auch wenn der Fahrer davon nichts bemerkt. Gleiches gilt für den Verbrauch, der bei normaler Fahrweise voraussichtlich zwischen 5,5 und 6 l/100 km liegen wird. Das ist etwas mehr als die angegebenen 4,7 l, aber weiterhin ein guter realer Durchschnittswert.
In Portugal
Die vierte Generation des Skoda Octavia kommt im September nach Portugal. Für die hier getestete Version 2.0 TDI wird ein Preis von rund 35.000 Euro erwartet. Der Skoda Octavia Combi dürfte dabei 900 bis 1000 Euro mehr kosten als der Fünftürer.
Die Preise sollen beim 1.0 TSI voraussichtlich bei 23.000 Euro beginnen.
Technische Daten Skoda Octavia Combi 2.0 TDI
| Skoda Octavia Combi 2.0 TDI |
|---|
| Motor |
| Bauart |
| Ventilsteuerung |
| Gemischaufbereitung |
| Hubraum |
| Leistung |
| Drehmoment |
| Kraftübertragung |
| Antrieb |
| Getriebe |
| Fahrwerk |
| Aufhängung |
| Bremsen |
| Lenkung |
| Wendekreis |
| Abmessungen und Kapazitäten |
| L x B x H |
| Radstand |
| Kofferraumvolumen |
| Tankinhalt |
| Räder |
| Gewicht |
| Fahrleistungen und Verbrauch |
| Höchstgeschwindigkeit |
| 0-100 km/h |
| Verbrauch kombiniert |
| CO₂-Emissionen |
* Werte in der abschließenden Homologierungsphase
Autoren: Joaquim Oliveira/Press-Inform.
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