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Bugatti F.K.P. Hommage: Der ultimative Veyron-Tribut

Roter und schwarzer Bugatti Chiron Sport vor dunklem Hintergrund in einer Halle, detaillierte Seitenansicht.

Schon einmal von einer detailgetreuen Neuauflage des Bugatti Veyron gehört – jenem Hypercar der Nullerjahre, das die Gesetze der Physik herausforderte und nun auf der technischen Basis seines Nachfolgers Chiron entsteht? Das wäre, als würde Lamborghini einen Aventador-Tribut auf dem Unterbau des Revuelto aufbauen. Retro-Inszenierung in ihrer extremsten Form.

Bugatti F.K.P. Hommage als Veyron-Tribut

Der F.K.P. Hommage trägt den Namen von Ferdinand Karl Piëch, dem legendären Vorsitzenden des VW-Konzerns, der den Veyron und vieles andere verantwortete. Das Einzelstück würdigt dessen 20. Jubiläum. Der Veyron wurde 1999 zunächst als Konzept auf der Tokyo Motor Show gezeigt, 2005 offiziell vorgestellt und 2006 erstmals von Top Gear gefahren – dem weltweit anerkannten Massstab für den eigentlichen Startpunkt eines Autos.

Als zweites Fahrzeug stammt er aus Bugattis neuem Solitaire-Programm, nachdem 2025 bereits der Brouillard präsentiert wurde. Solitaires sind grundsätzlich einzigartige Kundenaufträge auf vorhandener Motor- und Fahrwerksarchitektur, erhalten jedoch eine individuell gefertigte Karosserie und extrem personalisierte Innenräume. Jährlich entstehen lediglich zwei solcher Projekte. Selbstverständlich bleibt der Preis unter Verschluss, vermutlich um eine Welle von Aneurysmen zu vermeiden: Rechnen wir einfach mit etwa 15 bis 20 Millionen Pfund.

Josef Kabans ursprünglicher Entwurf war stets eigenwillig: mit abfallender Schulterlinie, zurückgelehnter Haltung und riesigen, kantigen Flächen, die wie tektonische Platten aufeinandertrafen. Beim F.K.P. Hommage wurde diese Ungelenkheit jedoch geglättet. Sein Blick wirkt entschlossener, die Karosserie erscheint flacher, breiter und kräftiger. Grössere Räder sorgen für eine dezent verbesserte Haltung, sämtliche Formen gewinnen an räumlicher Tiefe – ein echtes optisches Upgrade. Es handelt sich nicht um eine vollständige Kopie, sondern um eine behutsame Weiterentwicklung und damit um einen Ausblick darauf, wie ein modernisierter Veyron innen wie aussen hätte aussehen können.

Mistral-Technik und W16-Leistung

Als Spenderfahrzeug dient der Mistral, und das hat einen guten Grund: Am oberen hinteren Eck der Veyron-Seitenscheibe verläuft die Fläche auffallend flach. Beim Chiron beginnt der riesige C-förmige Lufteinlass dagegen oben und reicht bis zum Seitenschweller. Dadurch bildet er einen tragenden Teil der Dachstruktur und lässt sich nicht auf diese Weise umgestalten. Beim Mistral gilt hingegen: kein Dach, kein Problem.

Auch der Mistral-Antrieb passt perfekt. Anstelle des vergleichsweise schwachen 8,0-Liter-W16 mit vier Turboladern und 987 bhp aus dem ursprünglichen Veyron arbeitet hier die ultimative Ausführung von Piëchs zylinderreichem Triebwerk mit 1,578bhp, die erstmals im Super Sport eingesetzt wurde. Dazu gehören grössere Turbolader, verbesserte Kühlsysteme, ein verstärktes Getriebe und alle weiteren Komponenten, die mit dem Leistungszuwachs von 600bhp erforderlich wurden.

Die schwarz-rote Lackierung erinnert an die Spezifikation des ersten ausgelieferten Kunden-Veyron, Fahrgestell 001, der Ende 2005 übergeben wurde. Bei genauerem Hinsehen ist das Schwarz allerdings keines: Sichtcarbon liegt unter einem schwarz getönten Klarlack. Auch unter dem Rot verbirgt sich Silber, das von einer rot getönten transparenten Schicht überzogen wird – für maximale Tiefe, Kontrast und einen deutlichen Effekt. Die neue, futuristische Front des Veyron prägen schlanke Scheinwerfer mit L-förmigem Tagfahrlicht, das nahtlos an die Linien über den vorderen Radhäusern anschliesst. Hinzu kommt der Hufeisengrill, der nun breiter, tiefer und weiter nach vorn herausgezogen ist.

Räder, Cockpit und die Audemars-Piguet-Uhr

Beim ursprünglichen Veyron waren die Reifen bekanntlich mit den Felgen verklebt; der Austausch eines kompletten Satzes kostete ungefähr 30.000 Pfund. Nun kommen Michelin Pilot Sport Cup 2 auf herkömmlich montierten 508-mm-Vorderrädern und 533,4-mm-Hinterrädern zum Einsatz. Beim Veyron waren es vorn 472,4 mm und hinten 508 mm. Die Felgen interpretieren das ikonische Machiavelli-Design räumlicher und plastischer. Die Lufteinlässe auf dem Dach wurden geringfügig vergrössert, um den gestiegenen Hunger des Motors zu stillen. Am Heck ist der Wagen wiederum ein nahezu perfektes Ebenbild – abgesehen von einem breiteren Endrohr, einem breiteren Diffusor und filigranen runden LED-Rückleuchten mit Tunneleffekt.

Im Innenraum treffen die festen Architekturpunkte des Chiron auf typische Veyron-Merkmale. Das Lenkrad zeigt deutlich seine Chiron-Herkunft: den satellitenartigen Fahrmodus-Wahlschalter und den Motorstartknopf, die Daumenauflagen sowie die kompakten Schaltwippen hinter dem Kranz. Dennoch bleibt der Lenkradkranz vollkommen rund wie beim Veyron, statt die stärker modellierte und abgeflachte Form des Chiron zu übernehmen. Die Mittelkonsole besitzt die gleiche Reihe aus vier hervorstehenden Instrumenten mit eingelassenen Anzeigen wie der Chiron. Dort stehen sie allerdings auf einem schmalen Steg mit freiem Raum darunter, während das Armaturenbrett hier zu einem breiten, massiven, schildförmigen Monolithen angewachsen ist. Wie beim Veyron gibt ein Spalt im genähten Leder auf der Oberseite des Armaturenbretts Aluminium frei. Dieses reicht vom Fuss der Windschutzscheibe bis zur Mittelkonsole und zum Getriebetunnel und wird aus einem einzigen Block gefräst.

Die sogenannte „Engine-Turned“-Oberfläche des Schilds ist eine Technik, die bereits beim Veyron verwendet wurde, erstmals jedoch an den frühen Reihenacht-Zylinderköpfen von Ettore Bugatti auftauchte. Die Sitze tragen zudem etwas namens … Stoff? Ja, ähnlich wie bei einem Dacia Sandero in Basisausstattung, nur eben aus einem ganz anderen Material: „Massgeschneiderte Couture-Stoffe, die exklusiv in Paris gewebt werden“, erklärt Bugatti. Damit niemand vergisst, wem dieses Einhorn im Wert von Milliarden die Reverenz erweist, ist Piëchs Unterschrift in die Kopfstützen eingestickt. Seine Initialen und sein Geburtstag sind ausserdem rechts neben dem Knie ins Leder geprägt.

Ganz oben sitzt noch ein weiteres Detail: das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Besitzer und den Schweizer Uhrenspezialisten Audemars Piguet. Eine 43-mm-Royal-Oak-Tourbillon ruht in einer kleinen Aussparung, ihrer sogenannten „Gondel“, und wirkt ausgesprochen leicht entwendbar. Glücklicherweise dreht sie sich und verschwindet bei ausgeschaltetem Fahrzeug. In regelmässigen Abständen rotiert sie aber auch als majestätisches Miniaturtheater, damit ihr Innenleben weiterläuft.

Der F.K.P. Hommage ist ein beeindruckendes Statement. Neben ihm wirken Veyron, Chiron und selbst extrem limitierte Modelle wie Divo und Centodieci beinahe gewöhnlich. Er nimmt sich vor, eine jüngere Ikone zu verbessern, und schafft dies, ohne dass das Ergebnis optisch oder haptisch unpassend wirkt. Mit diesem Tribut hatte niemand gerechnet – doch nun erscheint er vollkommen logisch.

35 Minuten 47 Sekunden

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