Der Volkswagen Passat wird 1997 erneut zum Auto des Jahres in Portugal (B5, die 5. Generation, eingeführt 1996), nachdem er diese Auszeichnung bereits 1990 (B3, die 3. Generation) gewonnen hatte – Spoiler-Alarm: 2006 und 2015 wird er den Titel erneut holen. Damit gelingt dieses Kunststück erstmals in der Geschichte der nationalen Veranstaltung.
Diese Passat-Generation war möglicherweise die bedeutendste überhaupt: Sie eröffnete nicht nur für das Modell, sondern auch für die Marke ein neues Kapitel. Wenige Jahre vor dem Debüt des Passat B5, 1993, übernahm Ferdinand Piëch die Führung der Marke und des Konzerns. Seine Aufgabe bestand nicht allein darin, wieder Gewinne zu erzielen, sondern ebenso darin, ehrgeizige Ziele für die Produkte und die Positionierung von Volkswagen und Audi festzulegen.
Obwohl klar war, dass Audi die Marke sein würde, die Mercedes-Benz und BMW am stärksten herausfordern konnte, schien Piëchs Anspruch für Volkswagen kaum geringer zu sein als jener für Audi. Er begann, einen Plan umzusetzen, mit dem Volkswagen auf ein Niveau gehoben werden sollte, das andere Unternehmen der Branche für absurd gehalten hätten. Nicht jedoch Piëch, dessen Ehrgeiz und Entschlossenheit unerschütterlich waren.
Volkswagen Passat B5: Der erste Akt
In diesem Umfeld entstand die fünfte Generation des Volkswagen Passat als erster konkreter Schritt dieser Ambition. Sie legte das Fundament für alles, was danach folgen sollte – vom wegweisenden Golf IV bis hin zu Modellen wie dem Touareg und insbesondere dem Phaeton.
Und was für ein Sprung dieser fünfte Passat war! Konsequenz schien das einzige Leitprinzip seiner Entwicklung gewesen zu sein, während Qualität aus jedem Detail sprach. Das galt für das streng geometrische, solide und hervorragend umgesetzte Design – aus heutiger Sicht konservativ, damals jedoch eindrucksvoll und genau passend zu Volkswagens angestrebter Positionierung – ebenso wie für den geräumigen Innenraum. Dieser griff die klare Gestaltung des Exterieurs auf, ordnete sämtliche Bedienelemente logisch an und bot dadurch eine hohe Ergonomie. Hochwertige Materialien und eine äußerst robuste Verarbeitung ließen die Konkurrenz hinter sich.
Das „i-Tüpfelchen“ war die Nutzung der technischen Basis seines „Cousins“, des Audi A4, der ein Jahr zuvor die Auszeichnung Auto des Jahres in Portugal gewonnen hatte. Anders als sein Vorgänger verzichtete der Passat auf die bescheideneren Grundlagen des Golf. Diese Plattform trug entscheidend zu der höheren Kultiviertheit und technischen Raffinesse bei, welche diese Generation prägten. Erstmals ließ sich ein Passat ohne große Vorbehalte mit den sogenannten Premium-Angeboten vergleichen, denn er lag deutlich über dem Niveau seiner Rivalen.
Es überrascht daher nicht, dass der Passat B5 die Wahrnehmung des bekannten Modells so grundlegend veränderte. Diese neue Sichtweise spiegelte sich auch in den Verkaufszahlen wider und verhalf dem Passat zur Spitzenposition im Segment – eine Führung, die bis heute Bestand hat.
Karosserien, Motoren und Audi-Technik
Erhältlich war er mit zwei Karosserievarianten: als Limousine und als Kombi (Variant). Auch bei den Motorisierungen schien man sich am „Cousin“ A4 orientiert zu haben. Das Angebot reichte vom eher alltäglichen 1,6-l-Benziner über den 1,8-l-Motor mit fünf Ventilen pro Zylinder, mit und ohne Turbo, bis zum 2,8-l-V6. Den größten Erfolg erzielte der Passat jedoch mit Dieselmotoren, einer Antriebsart, die in Europa stark an Bedeutung gewann. Besonders der ewige 1.9 TDI, verfügbar in zahlreichen Varianten (90, 100, 110, 115 PS), wurde zu einem der meistverehrten Motoren aus Wolfsburg. Hinzu kam ein 2.5 V6 TDI von Audi mit 150 PS.
Die technische Nähe zu Audi bescherte dem Volkswagen Passat eine verzinkte Karosserie sowie eine anspruchsvolle vordere Mehrlenkerachse aus Aluminium mit vier Lenkern – genau wie beim A4. Darüber hinaus erwiesen sich die klaren Linien des Passat als ausgesprochen aerodynamisch: Mit einem Cₓ von 0,27 erreicht er einen Wert, der selbst heute noch konkurrenzfähig ist.
Mehr Stil und Exklusivität
Mit dem Facelift im Jahr 2000 erhielt der Passat zusätzlich eine Portion Stil. Das zeigte sich an der eleganter gezeichneten Kühlermaske, den Scheinwerfern und ihrer jeweiligen Ausgestaltung. Zudem kam etwas mehr „Glanz“ hinzu: Der neue Designchef milderte den ursprünglichen, ausgeprägten Pragmatismus durch dekorative Chromdetails ab.
Piëchs Ziel, den Status seines Modells und seiner Marke anzuheben, blieb jedoch unverändert. Wie anders ließe sich das Erscheinen eines Passat mit einem W-Achtzylindermotor im Jahr 2001 erklären – ein V-Motor wäre zu „gewöhnlich“ gewesen – als durch schieren Ehrgeiz, Entschlossenheit und die beinahe vollständige Missachtung jedes gesunden Menschenverstands?
War Piëch vielleicht zu weit und zu schnell gegangen? Die geringen Verkaufszahlen des Passat W8 – rund 11 Tausend verkaufte Einheiten – scheinen dies zu bestätigen. Dennoch dürften dieser außergewöhnliche Motor mit 4,0 l Hubraum und der dazu passende Preis potenzielle Käufer ebenso eingeschüchtert wie fasziniert haben.
Die fünfte Generation des Volkswagen Passat gilt für viele bis heute als der „Höhepunkt“ des Passat. Kein Wunder also, dass sie so viele Auszeichnungen gewann und ein solcher kommerzieller Erfolg wurde. Keine der nachfolgenden Generationen konnte die Wirkung des Passat B5 wirklich wiederholen, auch wenn sie von den durch ihn geschaffenen Grundlagen profitierten.
Der Volkswagen Passat B5 blieb neun Jahre lang in Produktion; 2005 endete seine Bauzeit. Damit war er die erfolgreichste Generation eines Modellnamens, von dem bereits mehr als 30 Millionen Einheiten produziert wurden.
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