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Renault Mégane ST E-TECH im Test: besser als der Diesel?

Blauer Renault Megane E-Tech Elektroauto auf Ausstellungsplattform neben Ladestation in modernem Raum.

Die Renault Mégane ST gehört zu den Modellen, die auf unseren Straßen besonders häufig anzutreffen sind. Seit mehreren Generationen hängt ein großer Teil ihres Erfolgs in Portugal mit dem Kürzel „dCi“ zusammen.

Das galt für die zweite Generation – jene des berühmten Kombis von Guilherme –, ebenso für die dritte und bis heute für diese vierte Generation. Doch der Wind in der Automobilbranche dreht sich derzeit weg von Dieselmotoren: So haben etwa die TCe-Benziner in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Renault folgt daher aus naheliegenden Gründen dem aktuellen Trend und elektrifiziert seinen beliebten Kombi.

Optisch unterscheidet sich die Mégane ST E-TECH kaum von ihren Schwestermodellen. Die entscheidenden Neuerungen verbergen sich unter der Motorhaube und unter dem Kofferraumboden. Als Plug-in-Hybrid soll sie eine Alternative zur Dieselvariante für alle sein, die viele Kilometer fahren und dabei wenig verbrauchen möchten.

Erfüllt sie diesen Anspruch? Und bringt sie alles mit, um den Diesel zu ersetzen? Um das herauszufinden, haben wir sie getestet.

Das Antriebskonzept der Renault Mégane ST E-TECH

Renault kombiniert einen 1,6-l-Benzinmotor mit 91 PS und 144 Nm mit zwei Elektromotoren. Der größere leistet 67 PS und 205 Nm und übernimmt den Antrieb der Mégane ST E-TECH. Der kleinere bringt 34 PS sowie 50 Nm auf und arbeitet als Anlasser sowie als Generator, indem er Verzögerungen und Bremsvorgänge nutzt.

Unterm Strich stehen 160 PS Systemleistung und rund 50 km elektrische Reichweite im WLTP-Zyklus. Möglich macht dies die Lithium-Ionen-Batterie mit 9,8 kWh. Allerdings schrumpft dadurch das Kofferraumvolumen dieses Familienkombis von 521 l auf deutlich bescheidenere 389 l.

Bei der Kraftübertragung kommt schließlich ein kupplungsloses Multimode-Getriebe zum Einsatz. Es nutzt Technik aus Formel-1-Rennwagen und stellt bis zu 14 (!) Gänge bereit.

Stetig weiterentwickelt

Während die Änderungen außen nur Details betreffen – sowohl gegenüber der vorherigen Version als auch im Vergleich zu den reinen Verbrennermodellen –, fällt die Überarbeitung im Innenraum umfangreicher aus.

Renault hat seine Hausaufgaben gemacht: Die bislang kritisierte Platzierung der Bedienelemente für Tempomat und Geschwindigkeitsbegrenzer wurde korrigiert. Statt auf der Mittelkonsole befinden sie sich nun am Lenkrad. Außerdem erhält die Mégane ST E-TECH ein neues digitales 10,2-Zoll-Kombiinstrument und ein neues Infotainmentsystem, das in diesem Fall über einen 9,3-Zoll-Bildschirm verfügte.

Beide Systeme sind umfassender ausgestattet und grafisch wesentlich zeitgemäßer gestaltet, ohne die bereits von den Vorgängern bekannte einfache Bedienung einzubüßen.

Eine weitere Verbesserung betrifft die Qualitätsanmutung: Renault hat sowohl bei den Materialien als auch bei der Verarbeitung nachgelegt. Im Innenraum finden sich mehr weiche Oberflächen, und auf den vielen Kilometern durch die Straßen und engen Gassen Lissabons waren kaum störende Nebengeräusche zu hören.

Komfortabel, aber nicht nur

Interessanterweise war auch dieses Fahrzeug – genau wie die zuletzt von mir getestete Mégane ST – mit Sportsitzen ausgestattet. Daher gilt erneut mein damaliges Urteil: Sie sind bequem und bieten viel Seitenhalt, können bei manchen Rangiermanövern jedoch etwas stören, weil man mit den Ellbogen an die Sitzwangen stößt.

Während der Fahrt sticht bei dieser Plug-in-Hybridversion vor allem der geschmeidige Charakter hervor. Ob wegen der Ruhe im rein elektrischen Betrieb beziehungsweise bei gelassenem Tempo im Hybridmodus oder dank des sanft arbeitenden kupplungslosen Multimode-Getriebes: Die Mégane ST E-TECH überzeugt mit ihrem Komfort.

Dieser Komfort bedeutet jedoch keineswegs, dass die Fahrdynamik vernachlässigt wurde. Fahrwerk und Federung arbeiten weiterhin effektiv, sodass der französische Kombi Kurvenfolgen sicher und souverän bewältigt. Das zusätzliche Batteriegewicht macht sich dabei nicht übermäßig bemerkbar.

Die Lenkung erreicht zwar nicht die Präzision und Direktheit eines Ford Focus, präsentiert sich aber dennoch auf gutem Niveau. Bedauerlich ist lediglich, dass sie im Modus „Sport“ etwas zu schwergängig wird – besonders dann, wenn man vor dem Rangieren vergisst, einen anderen Modus zu wählen.

Gut gelernt

Dynamisch knüpft die Renault Mégane ST E-TECH an das an, was wir bereits kannten. In einem Bereich ist sie jedoch eindeutig neu: beim Plug-in-Hybridantrieb.

Beginnen wir mit dem rein elektrischen Modus. Bei der Batteriesteuerung scheint Renault die Erfahrungen aus dem Zoe konsequent genutzt zu haben. In dieser Disziplin schlägt sich das Modell deutlich besser als einige teurere Fahrzeuge aus höheren Segmenten.

Das zeigt sich daran, dass die von der Marke versprochene Reichweite – vor allem im Stadtverkehr – erreichbar ist, ohne beim gefahrenen Tempo Abstriche machen zu müssen. Das gilt sowohl im rein elektrischen als auch im Hybridmodus. Deshalb stiegen die Durchschnittsverbräuche während des Tests nur selten über 5 l/100 km und lagen fast immer bei 4,5 l/100 km.

Sobald sich der Verbrennungsmotor zuschaltet, zeigt er zwei unterschiedliche Seiten. Bei entspannter Fahrweise überzeugt er mit niedrigem Verbrauch und bleibt dank der Laufruhe des Plug-in-Hybridsystems nahezu unbemerkt. Das bildet einen deutlichen Kontrast zu den Dieselversionen.

Wer hingegen die gesamten 160 PS Systemleistung abrufen möchte – insbesondere im Modus „Sport“ – oder den 1,6-l-Motor zum Nachladen der Batterie auffordert, nimmt ihn im Innenraum etwas präsenter wahr. Trotzdem bleiben die Verbrauchswerte in einem Bereich, der gewöhnlich Dieselmotoren vorbehalten war.

Bei den Fahrleistungen helfen die Elektromotoren zudem stets dabei, beim Anfahren einen kleinen Vorteil zu erzielen. Damit wird die Mégane ST E-TECH der angekündigten Leistung gerecht.

Ist das das richtige Auto für mich?

Zu Beginn dieses Textes stand eine Frage. Nach einigen Tagen am Steuer des ersten Plug-in-Hybridmodells Renault Mégane fiel die Antwort leicht: Für mich ist diese Variante besser als die Ausführung mit Dieselmotor.

Auf der Landstraße und Autobahn kann sie Verbrauchswerte erreichen, die mit denen des Diesels konkurrieren. Im Stadtverkehr ermöglicht die Renault Mégane ST E-TECH dagegen eine Sparsamkeit, von der die Dieselversionen nur träumen können.

Dafür verlangt sie nur eines: Man darf das Laden nicht vergessen. Angesichts der möglichen Einsparungen auf den täglichen Stadtfahrten sollte das kein Hindernis bei der Wahl sein. Für Privatkunden könnte in diesem Punkt lediglich der höhere Preis gegenüber dem Diesel ein Gegenargument darstellen.

Wer einen komfortablen und sicheren Familienkombi sucht und viele Kilometer sowohl auf der Straße als auch im Stadtverkehr zurücklegt, für den kann die Renault Mégane ST E-TECH durchaus die ideale Wahl sein.

Zwar hat sie Kofferraumvolumen eingebüßt, doch zugleich ist sie zukunftssicher und auf eine Zeit vorbereitet, in der Fahrzeuge mit ausschließlich internem Verbrennungsmotor im Stadtzentrum zur persona non grata werden könnten.

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