Was ist der neue Suzuki Jimny nun eigentlich? Genau diese „existenzielle“ Frage scheint das grosse Rätsel rund um das neue Modell der japanischen Marke zu sein. Wir konnten nicht widerstehen und haben euch über Instagram gefragt: Mehr als 1500 von euch haben ihre Meinung abgegeben. Während 43 % ihn als kleinen SUV für die Stadt einstuften, erklärten 57 %, der Jimny sei ein echter Geländewagen.
Ich kann aus eigener Erfahrung bestätigen: Die 57 % liegen vollkommen richtig - ich wette, ein grosser Teil dieser 57 % besitzt einen Jimny oder Samurai. Es wirkt keineswegs ungewöhnlich, über den Suzuki Jimny und seine Offroad-Fähigkeiten in einem Atemzug mit der G-Klasse, dem Wrangler oder sogar dem eingestellten Defender zu sprechen.
Entgegen meinen ersten Erwartungen kann der neue Jimny jedoch auch ein sehr brauchbarer Begleiter für den urbanen Alltag sein. Verwirrend? Ich erkläre es.
Beim Jimny ist alles auf Einsätze abseits befestigter Wege ausgelegt, was seine Qualitäten auf Asphalt eigentlich stark hätte beeinträchtigen können. Wie sich zeigte, fällt der Preis für diese konsequente Ausrichtung aber womöglich deutlich geringer aus, als ich zunächst vermutet hatte.
Jimny: ein kompromissloser Geländewagen
Seine sehr kompakten Abmessungen - vergleichbar mit jenen eines Fiat Panda oder Toyota Aygo - verbergen ein Fahrgestell, das wie eine verkleinerte Ausgabe von G-Klasse und Wrangler wirkt.
Anders als Kleinwagen und die meisten anderen Pkw besitzt der Jimny keine selbsttragende Karosserie. Stattdessen setzt er auf die Bauweise mit getrenntem Rahmen und Aufbau, wie sie auch bei Pick-ups und echten Geländewagen üblich ist.
Die Karosserie ruht auf acht deutlich sichtbaren Befestigungspunkten am Rahmen. An jedem dieser Punkte kommen Gummilager zum Einsatz, die Vibrationen reduzieren und den Komfort verbessern sollen. Das funktioniert bemerkenswert gut: Selbst auf Asphalt bietet der Jimny ein durchaus ordentliches Komfort- und Geräuschniveau - dazu später mehr.
Das 4WD-System des neuen Suzuki Jimny, ALLGRIP PRO genannt, arbeitet nicht wie die Systeme vieler Fahrzeuge mit Frontantrieb und automatisch zuschaltbarer Hinterachse. Dort erhält die Hinterachse erst Leistung, wenn vorne Traktion verloren geht. Hier handelt es sich um einen echten zuschaltbaren Allradantrieb, bei dem der Fahrer den Antriebsmodus selbst auswählt. Über einen zweiten Hebel hinter dem Fünfgang-Schaltgetriebe - beziehungsweise dem Viergang-Automatikgetriebe - lässt sich die passende Einstellung wählen: 2H für Zweiradantrieb, 4H für Allradantrieb mit hoher Übersetzung und 4L für Allradantrieb mit Untersetzung. Letztere ermöglicht es, Hindernisse langsam und kontrolliert zu bewältigen.
Auch die Böschungswinkel erinnern an die Legenden der Offroad-Welt: 37° vorn, 28° Rampenwinkel und 49° hinten, ergänzt durch 210 mm Bodenfreiheit. Mit diesen Daten konnte ich es kaum erwarten, auf die Strecke zu gehen - oder besser gesagt: von ihr herunter.
„Ich sehe nur Himmel …“
Der Ort der Präsentation, etwas mehr als 20 km nördlich des Zentrums von Madrid in Spanien, schien förmlich für den Jimny geschaffen. Die Wege in einem bewaldeten Gebiet waren überraschend kurvig und eng. Hätte ich dort eine G-Klasse oder einen Wrangler gefahren, hätte ich an manchen Stellen bezweifelt, ob sie durchpassen würden - nicht wegen fehlender Geländetauglichkeit, sondern wegen ihrer grossen Abmessungen.
Die Route bot beinahe alles: eine sehr steile Erdabfahrt zum Testen der erstaunlich wirksamen Bergabfahrhilfe, Spurrillen, die die meisten selbsternannten SUVs am Markt verschlungen hätten, mehrere Passagen mit starkem Seitenhang sowie ausgeprägte, unebene Auf- und Abfahrten. An einer Stelle war nur noch Himmel zu sehen, ohne dass man wusste, wohin die Fahrt führen würde … Sogar Schikanen zwischen Bäumen gab es, die die Wendigkeit des kleinen Jimny herausforderten.
Die Strecke konnte mehrfach gefahren werden. Beim ersten Durchgang nutzten wir, wie vom Leiter des Jimny-Konvois vorgegeben, die Untersetzung. Bei einer zweiten Runde verzichteten wir auf die kurze Übersetzung und blieben ausschliesslich im Allradmodus.
So liess sich feststellen, wie weit der 1,5-Liter-Saugmotor mit 102 PS und lediglich 130 Nm bei hohen 4000 U/min ohne die wertvolle Drehmomentvervielfachung der Untersetzung kommt. Und er schlug sich durchaus gut: Erst an der steilsten, stark ausgewaschenen Steigung gab er auf und ging aus.
Robust und geländegängig? Ohne Frage!
Daraus liessen sich mehrere Erkenntnisse ableiten. Erstens: Der Jimny ist zweifelsfrei ein echter Geländewagen. Zweitens bestätigt seine Konstruktion einen robusten Eindruck. Der Innenraum wirkt zwar zweckmässig, beinahe wie in einem Arbeitsfahrzeug, und ist mit harten, nicht immer angenehm anfühlenden Kunststoffen verkleidet. Dennoch ist alles solide zusammengebaut. Nichts klappert, nichts verursacht störende Nebengeräusche - abgesehen vom deutlich hörbareren Differenzial bei eingelegter Untersetzung.
Auch die Übersicht überzeugte. Dazu tragen nicht nur die kantige Karosserie, sondern ebenso die sinnvoll platzierten und nicht übermässig breiten Säulen bei. Obwohl der Fahrersitz nicht höhenverstellbar ist, fällt die hohe Sitzposition angenehm aus. Zumindest bei diesen Herausforderungen hatte ich nicht das Bedürfnis, etwas daran zu verändern.
Autobahn? Lieber nicht …
Eine Klarstellung: Wegen Verzögerungen im Ablauf der Präsentation hatte ich keine Gelegenheit, den neuen Suzuki Jimny selbst auf Asphalt zu fahren - das werden wir bald nachholen, keine Sorge. Auf befestigten Strassen erlebte ich ihn nur als Beifahrer. Dennoch reichte das aus, um festzustellen, dass die anfängliche Erwartung eines rustikalen und unbequemen Fahrzeugs auf Asphalt unbegründet war.
Vorne mangelt es nicht an Platz, und der Komfort ist durchaus ordentlich - die Reifen mit 80er-Querschnitt könnten dazu beitragen. Zudem wirkt der Jimny kultivierter als erwartet, während die Windgeräusche angesichts der kantigen Form angemessen gedämpft bleiben.
Allerdings gibt es Einschränkungen, denn die Fahrt verlief fast ausschliesslich auf der Autobahn. Eine Reisegeschwindigkeit von 120 km/h dauerhaft zu halten, ist nicht immer einfach - die Höchstgeschwindigkeit beträgt lediglich 145 km/h -, und die Beschleunigung ist gemächlich. Wie lange der Sprint auf 100 km/h dauert, wissen wir nicht einmal. Aber ist das bei einem solchen Fahrzeug überhaupt wichtig?
Sinnvoller ist es, auf Nebenstrassen mit moderaterem Tempo unterwegs zu sein. Dort lagen die Verbräuche bei rund 7,0 l/100 km. Im Gelände, beim Überwinden von Hindernissen, steigen sie auf etwa 9,0 l/100 km.
Jimny als Stadtauto
Kann der Suzuki Jimny dank seines unerwarteten Komforts und seiner überraschenden Kultiviertheit - trotz der klaren Ausrichtung auf das Gelände - als Alltagsauto in der Stadt dienen? Ja, aber man sollte wissen, worauf man sich einlässt.
Seine kompakten Masse sorgen für hervorragende Wendigkeit, und einen Parkplatz zu finden, ist genauso einfach wie mit jedem anderen Kleinwagen. Durch seine Konstruktion könnte er sogar das ideale Stadtauto für besonders hohe Bodenschwellen, Kopfsteinpflaster und die Krater sein, die unsere Städte durchziehen.
Doch es gibt einige Zugeständnisse. Hinten ist das Platzangebot zwar ordentlich, aber mit Passagieren bleibt praktisch kein Kofferraum übrig: Die 85 l reichen im Grunde für fast nichts. Bei umgeklappten Rücksitzen im Verhältnis 50:50 steigt das Volumen auf deutlich interessantere 377 l. In den besser ausgestatteten Varianten JLX und Mode 3 sind die Rückseiten der hinteren Sitzlehnen und der Kofferraumboden zudem mit Kunststoff verkleidet, damit sie sich leichter reinigen lassen.
Hinzu kommt, dass die hinteren Plätze nur über die Vordertüren erreichbar sind. Der Jimny bleibt ein Dreitürer, doch der Einstieg gelingt relativ einfach. Das war schliesslich auch nie ein Hindernis für den Erfolg des Fiat 500, des anderen Dreitürers auf dem Markt.
In Portugal
Der Suzuki Jimny kann bereits bei den portugiesischen Händlern besichtigt und bestellt werden. Der aussergewöhnlich grosse Erfolg des Modells, insbesondere in Japan, könnte jedoch lange Wartezeiten bedeuten. Suzuki Ibérica hatte bis März des kommenden Jahres - dem Ende des japanischen Geschäftsjahres - 2000–2500 Fahrzeuge für Portugal und Spanien vorgesehen. Wegen der enormen Nachfrage werden bis März jedoch nur 400 Einheiten auf der gesamten Iberischen Halbinsel verfügbar sein.
In Japan beträgt die Wartezeit bereits ein Jahr - beeindruckend … Daher hat Suzuki der Nachfrage im Heimatmarkt Vorrang eingeräumt. Die Marke hat bereits höhere Produktionskapazitäten angekündigt, deren Auswirkungen aber voraussichtlich erst im Geschäftsjahr 2019–2020 spürbar werden, das im kommenden April beginnt.
Bei den Preisen beginnen diese bei 21 483 Euro und enden bei 25 219 Euro. Teuer? Vielleicht, vor allem im Vergleich zum spanischen Markt: Dort starten die Preise bei 17.000 Euro und reichen bis 20 820 Euro. Damit kostet die bestausgestattete Version in Spanien weniger als das Basismodell in Portugal.
Der Grund für diesen grossen Unterschied liegt nicht im Grundpreis des Suzuki Jimny, der in beiden Ländern gleich ist, sondern in der portugiesischen Kfz-Besteuerung. Mehr als 50 % des für einen neuen Jimny gezahlten Betrags entfallen allein auf Steuern. Zudem bleibt abzuwarten, welchen Einfluss die Einführung der tatsächlichen, nach WLTP ermittelten Emissionswerte - statt der derzeit auf NEDC zurückgerechneten Werte - im Januar des kommenden Jahres auf die Berechnung haben wird.
| Version | JX | JLX | JLX AUT. | MODE 3 |
|---|---|---|---|---|
| Preis | 21 483 € | 23 238 € | 25 297 € | 25 219 € |
Fazit
Ich bleibe dabei: Der Jimny zählt für mich zu den wichtigsten Neuheiten des Jahres. Er widersetzt sich Trends, bleibt seinen Grundsätzen treu und beeindruckt im Gelände, ohne auf befestigten Strassen übermässig viele Kompromisse zu verlangen. Sein Angebot ist im Markt einzigartig - im Grunde hat er keine direkten Rivalen. Am ehesten kommt ihm vielleicht der Fiat Panda 4×4 nahe. Wer jedoch höhere Geländefähigkeiten sucht, sollte den Suzuki Jimny ohne Zweifel in Betracht ziehen.
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