Hier wird nicht über Nachhaltigkeit gegrübelt. Moralische Bekenntnisse zu niedrigem CO₂-Ausstoß sucht man ebenfalls vergeblich. Die Shanghai Auto Show erinnert an Automessen früherer Tage: optimistisch, voll von hochfliegenden Ideen, die eigentlich nie Realität werden dürften. Nur dass sie es hier vermutlich doch tun.
Wer an seinem Stand keinen KI-Roboter oder kein Flugauto präsentierte, war praktisch unsichtbar. Das hatte etwas ausgesprochen Erfrischendes. In Europa wäre man bei solchen Ankündigungen zu Recht skeptisch – hier hingegen nicht.
Shanghai Auto Show: Flugautos und rasante Entwicklungszeiten
Xpeng – tatsächlich „Tschau-Pung“ ausgesprochen – will den AeroHT nach eigener Aussage schon im nächsten Jahr verkaufen. Dabei handelt es sich um einen zweisitzigen Hubschrauber mit sechs Rotoren, der sich selbstständig in einem Transporter mit sechs Rädern parkt. Das gesamte Gespann aus Fahrzeug und Hubschrauber soll umgerechnet £200,000 kosten.
Die Volumenmodelle wirken gestalterisch erwachsen, bleiben jedoch sehr austauschbar. Tesla hat das Fahrzeugdesign in China offensichtlich stark geprägt. Fast jede Marke bietet einen Crossover im Stil des Model Y an: hohes Dach, niedriges Heck, bündig eingelassene Türgriffe, schmale Leuchten und weich gerundete Karosserieflächen.
Was kommt als Nächstes? Das lässt sich klar erkennen. Im Mittelpunkt nahezu jedes Messestands stand eine Interpretation des Defender-/Bronco-Konzepts. MG zeigte den Cyber X, der tatsächlich ziemlich gelungen wirkte. Sogar Klappscheinwerfer haben die Entwickler untergebracht.
Great Wall führt passenderweise die Marke Tank. Der 300 ist im Grunde ein Bronco mit äußerst leichter Tarnung. Dazu kamen der Geely Galaxy Cruiser und der größte sowie kantigste Geländewagen der gesamten Messe: Er stand bei der Luxusmarke Hongqi vor deren Flugauto. Wie er heißt? Die Beschriftung war auf Chinesisch, daher lässt sich das nicht sicher sagen.
Wir sprachen mit Giles Taylor, dem früheren Designchef von Rolls-Royce, der seit sieben Jahren für Hongqi in China arbeitet. Thema waren die Entwicklungszeiten. „In der BMW Group dauerte es sechs oder acht Jahre, bis erste Skizzen in die Serienproduktion gelangten – hier sind es 18 Monate“, sagte er. Das Entwicklungstempo ist verblüffend – und erklärt die vielen Defender- und Tesla-Klone.
Geländewagen statt Motorsport und Supersportwagen
Rennwagen waren dagegen praktisch nicht vertreten. Am BMW-Stand stand zwar ein M4 GT3, und Firefly zeigte eine Art Pseudo-Rallyeauto, doch das war buchstäblich alles. Motorsport spielt hier derzeit schlicht keine Rolle.
Auch Sport- und Supersportwagen gab es kaum. Der hüpfende Yangwang U9 zieht weiterhin Zuschauer an, doch das einzige weitere heimische Sportmodell, das ich sah, kam von Denza, einer BYD-Tochter. Dort wurde ein großer zweitüriger GT namens Z präsentiert.
Einige Innovationen gibt es dennoch. Der Zeekr Mix ist ein geschickt verpacktes Familienauto der Mittelklasse mit kurzer Front und seitlichen Schiebetüren, die sich nach vorn und hinten öffnen. Dahinter verbirgt sich ein loungeartiger Innenraum mit drehbaren Vordersitzen und verschiebbaren Schienen. Das Konzept ist clever, dürfte aber kaum nach Europa kommen. Hier konzentriert sich Zeekr auf den 001, 7 und 7X. In China tragen sie die Bezeichnung 007 – bei ihrer Einführung in Europa selbstverständlich nicht, aus offensichtlichen Gründen.
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