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Neuer Renault Clio Hybrid 160 PS im Test: 3,9 l/100 km Verbrauch

Roter Renault Clio Hybrid 3.9, modernes Kompaktwagenmodell, in Innenraumumgebung auf weißem Boden stehend.

Die komplett neue Optik, das unkomplizierte Fahrverhalten, ein erstklassiges Infotainment und ein extrem niedriger Verbrauch: Ist der neue Renault Clio genauso überzeugend wie seine Vorgängerinnen? Die Antwort liefert der neue Hybrid mit 160 PS.

Ich gebe es zu: Ich gehöre nicht zu denen, die behaupten: „Früher war alles besser.“ Dass sich der aktuelle Renault Clio grundlegend verändert, stört mich daher nicht – anders als manche ziellos durch soziale Netzwerke streifende Nutzer. Sie beschweren sich? Egal: Die neue Generation des Kleinwagens mit dem Renault-Rhombus verfeinert ihr Erfolgsrezept erneut, um die Herzen der Franzosen zurückzuerobern. Auch die sechste Auflage verspricht, ebenso großartig wie ihre Ahninnen zu werden.

Radikales Design: Warum der neue Clio mit allen Gewohnheiten bricht

Während Clio der vierten und fünften Generation stilistisch eng beieinanderlagen, wirft der Neuzugang die bisherigen Regeln über Bord. Markant geformte Scheinwerfer, ein weit geöffneter Kühlergrill, eine stark abfallende Motorhaube und ein gedrungenes Heck lassen ihn kompakter erscheinen. Tatsächlich ist er mit 4,12 m Länge und 1,77 m Breite jedoch der größte Clio der Baureihe. Abseits dieser spektakulären Verwandlung baut der Franzose seine bekannten Stärken spürbar aus.

Der Kompromiss aus Komfort und Straßenlage bleibt hervorragend. Auf Bremsschwellen und schlecht geglätteten Fahrbahnübergängen reagiert der neue Renault Clio trotz der 18-Zoll-Räder der Ausstattung Esprit Alpine weniger hart als seine Vorgänger. In Kurven begrenzt er seine Wankbewegungen weiterhin wirksam, was dem dynamischen Eindruck zugutekommt. Die Lenkung ist nach wie vor recht präzise und mitteilsam; im Sport-Modus erhält sie genau die richtige zusätzliche Rückstellkraft.

Leise im Innenraum und mit Assistenzsystemen: Der Kleinwagen mit großen Ambitionen

Auch auf der Autobahn werden die Fortschritte deutlich. Die Geräuschdämmung bewegt sich für diese Klasse auf einem sehr hohen Niveau: Windgeräusche bleiben wirksam im Hintergrund. Die Sitze bieten zudem viel Komfort, obwohl eine Lordosenverstellung fehlt. Die beim Esprit Alpine serienmäßige teilautonome Fahrfunktion erledigt ihre Aufgabe ordentlich. In seltenen Situationen ist allerdings ein leichtes Pendeln in der Fahrspur festzustellen.

In der Stadt überzeugt der Clio mit engem Wendekreis, und trotz seiner gewachsenen Außenmaße wird selbst das Einparken zur leichten Übung. Lediglich die Rundumsicht schräg nach hinten fällt wegen der massiven C-Säule mäßig aus. Gut, dass die Einparkhilfe bereits ab der Basisausstattung verfügbar ist, damit Hindernisse nicht zum Versteckspiel werden. Ab der mittleren Techno-Ausstattung kommt außerdem eine Rückfahrkamera hinzu.

Innenraum des Renault Clio: Mehr Platz, aber Einschränkungen im Fond

Das eigentliche Highlight ist jedoch der Parkassistent mit 360-Grad-Kamera für 600 €, der sicherstellt, dass nichts touchiert wird. Sogar eine dreidimensionale Ansicht ist verfügbar, wie bei deutlich größeren Fahrzeugen. Großzügiger zeigt sich der neue Clio auch im Innenraum: An verschiedenen Stellen wurden wertvolle Zentimeter gewonnen, was der Geräumigkeit zugutekommt. An die Breite eines Volkswagen Polo oder Skoda Fabia reicht er zwar weiterhin nicht heran, die Fortschritte sind aber klar erkennbar.

Wie erwartet empfiehlt es sich nicht, zu dritt auf der Rückbank zu reisen. Der Schulterraum entspricht mit seinem geringen Maß dem Klassendurchschnitt, während ein Mitteltunnel den Platz zusätzlich einschränkt. Kleine Fensterflächen und ein komplett schwarzer Dachhimmel ohne Panoramadach verstärken außerdem den beengten Eindruck. Das Kofferraumvolumen von 391 l schafft jedoch einen Ausgleich; beim Hybrid sind es 301 l.

Verbrauchsrekord: Mit dem Hybrid mit 160 PS auf 3,9 l/100 km

Der Hybridantrieb des neuen Renault Clio verfügt nicht nur über mehr Hubraum – 1,8 l statt bisher 1,6 l –, sondern auch über einen stärkeren Verbrenner mit 109 PS anstelle von 94 PS. Die Systemleistung steigt damit auf 160 PS, also um 15 PS gegenüber dem Vorgänger, um das zusätzliche Gewicht des Franzosen auszugleichen. Der Franzose ist zudem ein Vollhybrid nach dem Vorbild des Toyota Yaris. Die Batterie mit 1,4 kWh ermöglicht daher einen längeren elektrischen Fahrbetrieb als ein Mildhybrid. Zum Glück …

Denn das Dröhnen des Verbrennungsmotors, der oft „ins Leere“ läuft, um den Akku nachzuladen, kann stören. Also besser behutsam beschleunigen, damit er möglichst schnell verstummt. Das zahlt sich gleich doppelt aus, denn der Verbrauch sinkt deutlich. Auf einer 600-km-Strecke mit 80 % Landstraße und 20 % Autobahn erreichten wir durchschnittlich 3,9 l/100 km – exakt den offiziellen, nach WLTP-Zyklus homologierten Wert. Und das wohlgemerkt mit griffigeren Winterreifen!

Klauenkupplungsgetriebe und Bremsen: Die nervigen Schwächen im Stadtverkehr

Bei 130 km/h lassen sich sogar einige hundert Meter rein elektrisch zurücklegen. Dennoch sollte man sich nichts vormachen: Bei diesem Tempo kann der Benzinverbrauch nur steigen. Auf Schnellstraßen nähert sich der Durst somit 6 l/100 km. Der cola-dosengroße Tank mit 39 l begrenzt die Reichweite dann auf rund 600 km. Ein Diesel wäre für diese Aufgabe weiterhin besser geeignet. Schade nur, dass es ihn nicht mehr gibt!

Unabhängig davon bleibt die Reichweite besser als beim elektrischen R5, der bereits alle 200 km wieder geladen werden muss. Tatsächlich offenbart der Clio seine geringere Kultiviertheit gegenüber dem R5 vor allem in der Stadt. Das Klauenkupplungsgetriebe verursacht mitunter Ruckler und lässt den Verbrenner vor dem Gangwechsel häufig hochdrehen. Das Bremspedal wiederum fühlt sich an, als würde man erst einen Cheesecake zusammendrücken, bevor es plötzlich blockiert.

Innenraumqualität: Warum diese Clio-Generation bei der Verarbeitung nachlässt

Das genaue Gegenteil gilt für den 10,1-Zoll-Touchscreen, der die Konkurrenz das Fürchten lehren kann. Reaktionsgeschwindigkeit, flüssige Bedienung, Auflösung: Das auf Android Automotive basierende System ist ausgezeichnet und bringt den Clio beim Infotainment an die Spitze seines Segments. Positiv ist zudem, dass die Ergonomie nicht vernachlässigt wurde: Die Klimasteuerung bleibt ebenso physisch bedienbar wie die Tasten am Lenkrad. Noch besser: Ein kleiner Schalter deaktiviert die Assistenzsysteme im Handumdrehen. Eine gute Entscheidung.

Kommen wir zum Ärgernis: der Verarbeitungsqualität. Während der frühere Clio, besonders in Phase 1, als Maßstab galt, macht der jüngste einige Rückschritte. Hochwertige Materialien gehören der Vergangenheit an. Die gesamte Innenraumausstattung besteht aus hartem Kunststoff. Nur eine Veloursverkleidung auf dem Armaturenbrett und den vorderen Türverkleidungen des Esprit Alpine versucht, diesen Eindruck zu kaschieren. Der übrige Eindruck ist eher grob, auch wenn die sorgfältige Montage beruhigt.

Preis des Renault Clio: Sind 19.900 € zum Einstieg gerechtfertigt?

Der neue Renault Clio ist kein Schnäppchen. Die Preisliste beginnt bei 19.900 €. Das ist viel für einen Kleinwagen, doch der Basismotor leistet 115 PS statt der 65 PS des vorherigen Clio. Auch die Ausstattung wurde aufgewertet: Bereits beim Evolution gehören elektrische Parkbremse, 16-Zoll-Räder, 10,1-Zoll-Touchscreen, 7-Zoll-Kombiinstrument, manuelle Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber sowie LED-Scheinwerfer und LED-Rückleuchten zum Serienumfang.

Der Techno ab 23.900 € ist die empfehlenswertere mittlere Ausstattungslinie. Er ergänzt das Design um Leichtmetallfelgen, glänzende Radlaufverkleidungen und einen Kühlergrill mit Rautenmuster. Beim Komfort kommen automatische Klimaanlage, Rückfahrkamera sowie schlüsselloser Zugang und Start hinzu. Der Esprit Alpine ist selbstverständlich noch umfangreicher ausgestattet, aber mit mindestens 27.600 € zu teuer, um wirklich empfehlenswert zu sein. Allerdings kostet sein Erzfeind, der Peugeot 208 mit 145-PS-Mildhybrid, noch mehr …

Unser Urteil zum neuen Renault Clio

Er ist nicht perfekt, kommt diesem Zustand aber sehr nahe. Weiterhin auf höchstem Niveau fährt sich der neue Renault Clio angenehm, verjüngt sein Infotainment, modernisiert seine Präsentation, verbessert sein Platzangebot und hält seinen Verbrauch bemerkenswert niedrig. Sicherlich ist sein Hybridsystem nicht frei von Schwächen, und auch sein Preis gehört nicht zu den günstigsten. Diese kleinen Mängel reichen jedoch nicht aus, um eine bemerkenswerte Gesamtleistung zu trüben. Wenig überraschend verdient sich der Franzose daher mühelos ein Sehr gut.

Renault Clio Esprit Alpine E-Tech 160

29.300 €

Urteil

9.0/10

Das gefällt uns

  • Der Kompromiss aus Komfort und Dynamik
  • Das erstklassige Infotainment
  • Die beibehaltene Ergonomie
  • Der niedrige Verbrauch
  • Die umfangreiche Ausstattung

Das gefällt uns weniger

  • Das wenig sanfte Getriebe
  • Die schwer dosierbare Bremse
  • Die schwächere Verarbeitungsqualität

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