Mit diesem Mitsubishi kehrt die Marke in die Welt der reinen Elektrofahrzeuge zurück. Und das zur richtigen Zeit.
Man sollte stets man selbst bleiben. Immer! Es sei denn, man könnte Cristiano Ronaldo sein. Dann sollte man es sich zweimal überlegen. Mitsubishi hat in Renault jedenfalls seinen eigenen „Cristiano Ronaldo“ gefunden.
Die französische Marke befindet sich technologisch in ausgezeichneter Verfassung. Deshalb hat Mitsubishi klugerweise auf den Allianzpartner zurückgegriffen, um den Rückzug vom europäischen Markt in Rekordzeit rückgängig zu machen.
Bis die vollständig von Mitsubishi entwickelten Modelle bereitstehen, nutzt der japanische Konzern daher Renault-Technik. Der Mitsubishi Eclipse Cross EV ist eines der jüngsten Ergebnisse dieser ungewöhnlichen Verbindung.
Jeder kennt ein solches Paar: Niemand hätte viel auf die beiden gesetzt, doch gemeinsam sind sie glücklich. Der neue Mitsubishi Eclipse Cross EV stammt aus genau einer solchen Beziehung.
Hören Sie nicht auf die Kritiker
Der Eclipse Cross EV ist praktisch eine Kopie des Renault Scenic E-Tech. Das ist eine Tatsache – und könnte durchaus als Kompliment gelten. Das französische Modell zählt zu den kompetentesten Elektroautos seiner Klasse, und der Mitsubishi Eclipse Cross tritt in seine Fußstapfen.
Manche meinen, solche Vermischungen sollten nicht stattfinden, als sei Renault eine minderwertige Marke. In Frankreich dürfte man darüber schmunzeln, während man Sporttitel in zahlreichen Disziplinen poliert und die weltweiten Verkaufszahlen zusammenzählt.
Zwar steht Mitsubishi als Gesamtkonzern für 10 % des japanischen BIP. Dennoch handelt es sich um zwei traditionsreiche Marken, die sich auf Augenhöhe begegnen können – und sollten. Richten wir den Blick aber wieder auf den Protagonisten dieses Tests.
Und wer Mitsubishi-Modelle aus früheren Zeiten vermisst, findet ebenfalls eine Lösung:
Mitsubishi Eclipse Cross EV: alles am richtigen Platz
Äußerlich ist es Mitsubishi gelungen, dem neuen Eclipse Cross 2026 eine eigene Identität zu verleihen. Zahlreiche spezifische Details verhindern, dass die Verbindung zu seinem französischen Zwillingsbruder sofort ins Auge fällt – ein klarer Pluspunkt. Im Innenraum sieht es allerdings anders aus.
Abgesehen vom Lenkrad ist alles identisch: genauso geräumig, ebenso solide verarbeitet, gleich gut ausgestattet und ebenso technologisch fortschrittlich.
Der wahrgenommene Qualitätseindruck ist hoch. Beispielsweise finden sich oben an den Türverkleidungen und auf dem Armaturenbrett allerdings mehr harte Kunststoffe. Stoffbezogene A-Säulen und weitere Verkleidungsteile sowie die Auskleidung der Türtaschen sorgen wiederum für einen Ausgleich: Der Innenraum wirkt angenehm.
Beim Infotainment kommt ebenfalls das gemeinsam mit Google entwickelte System zum Einsatz. Es arbeitet schnell und lässt sich unkompliziert bedienen. Dass es auf dieselben Anwendungen zurückgreift, die wir im Alltag nutzen, ist besonders hilfreich für Menschen, die Technik nicht mögen, ihre Vorteile aber schätzen.
Das System bietet noch einen weiteren Vorzug: Es ist zukunftssicher. OTA-Updates (over the air) stellen sicher, dass Nutzer stets die aktuelle Version erhalten und mögliche Fehler entsprechend behoben werden.
Doch es gibt noch mehr. Neben den Google-Anwendungen stehen weitere Apps zur Verfügung, die exakt aufzeigen, was Energie verbraucht und wie sich der durchschnittliche Verbrauch optimieren lässt. Wird beispielsweise die Lenkradheizung aktiviert, erkennt das System dies, berücksichtigt es beim Energieverbrauch und bezieht es in die Berechnung der prognostizierten maximalen Reichweite ein.
Viel Platz im Eclipse Cross EV
Beim Raumangebot herrscht, wie bereits erwähnt, kein Mangel. Das gilt sowohl vorne als auch im Fond, wo drei Erwachsene Platz finden können. Auch der Kofferraum fällt großzügig aus: 545 Liter stehen bereit, mit umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1670 Liter.
Vorne unter der Haube gibt es keinen Frunk, wie er bei anderen reinen Elektroautos anzutreffen ist. Als Ausgleich dient ein seitliches Fach im Kofferraum für die Ladekabel, zudem befindet sich unter dem Kofferraumboden ein recht tiefes Staufach.
Am Steuer überzeugt der Mitsubishi Eclipse Cross vor allem mit seiner gelungenen Sitzposition. Er ist kein Kurvenräuber, doch als elektrisches SUV ist der Eclipse Cross schnell genug, wenn es eilig ist, und komfortabel genug für entspannte Fahrten – allein oder mit der Familie.
Trotz der „nationalen Konflikte“ – japanisches Logo, französische Technik – bringt die Abstimmung des Fahrwerks noch eine dritte Komponente ins Spiel. Ob auf makellosem oder schlechterem Asphalt: Das Fahrwerk wirkt straff abgestimmt, ohne den Komfort zu beeinträchtigen.
Elektroantrieb mit „einfacher“ Spannung
Im Eclipse Cross arbeitet ein einzelner Elektromotor unter der Haube, der die Vorderräder antreibt. Die maximale Leistung beträgt 162 kW (220 PS); Mitsubishi nennt 170 km/h Höchstgeschwindigkeit und 7,9s für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Er fühlt sich schnell an – und er ist schnell.
Die Energie liefert eine Batterie mit 87 kWh nutzbarer Kapazität, die laut Mitsubishi auf einer kombinierten Strecke eine maximale Reichweite von 625 km ermöglichen soll. Während dieses Tests ließ sich ohne große Mühe feststellen, dass die durchschnittlichen Verbrauchswerte moderat bleiben.
Bei ausgesprochen zurückhaltender Fahrweise liegt der Verbrauch bei etwa 16,3 kWh/100 km – die Marke gibt für den kombinierten Betrieb durchschnittlich 16,8 kWh/100 km an.
Auf Autobahnfahrten steigt dieser Wert um rund 1,5 kWh/100 km, weil es dort kaum Möglichkeiten zur Energierückgewinnung gibt. Die Fahrmodi helfen jedoch dabei, diesen Aspekt zu optimieren.
Im Modus „Eco“ erreicht die Höchstgeschwindigkeit nicht einmal 120 km/h, zudem sind starke Beschleunigungen nicht möglich. „Comfort“ bewegt sich bei allen Einstellungen im mittleren Bereich, während erst „Sport“ eine unmittelbarere Reaktion auf Gaspedalbefehle liefert.
Die meiste Zeit war ich im Modus „Comfort“ mit aktivierter Funktion „One Pedal Drive“ unterwegs und nutzte überwiegend nur das rechte Pedal. In dieser Einstellung fällt die Energierückgewinnung am stärksten aus; zusätzlich stehen drei weitere Rekuperationsstufen sowie ein Freilaufmodus ohne Energierückgewinnung zur Verfügung.
Eclipse Cross EV ohne Kopfrechnen
Mitsubishi wollte den Kaufprozess so einfach wie möglich gestalten. Statt mehrerer Ausstattungslinien und optionaler Extras gibt es den Mitsubishi Eclipse Cross nur in einer einzigen Variante: Intense.
Auch die Serienausstattung folgt diesem Prinzip. Nahezu alles, was auf dem Modell der Bilder zu sehen ist, gehört bei jedem Eclipse Cross EV zum Lieferumfang. Es fehlt weder an einer umfangreichen Liste von ADAS-Fahrerassistenzsystemen noch an komfortorientierter Ausstattung wie etwa einem beheizbaren Lederlenkrad.
Auf technologischer Ebene stehen Google-Dienste einschließlich Navigation, Android Auto und Apple CarPlay, eine induktive Ladeschale für das Smartphone sowie zahlreiche USB-C-Anschlüsse zur Verfügung. Alles gehört zur Serienausstattung.
Bei den Optionen beschränkt sich die Wahl auf die Außenfarbe, die auf Wunsch mit einem schwarzen Dach kombiniert werden kann. Im Online-Konfigurator werden außerdem Ledersitze vorgeschlagen, doch ehrlich gesagt sind sie nicht nötig. Die Stoffbezüge der Sitze harmonieren mit mehreren Elementen des Innenraums und wirken wie die ideale Kombination für dieses SUV.
Was noch fehlt, ist der Preis. Ohne weitere Umschweife: Der reine Elektro-Mitsubishi Eclipse Cross kostet 44.500 Euro. Laut Marke handelt es sich um einen „schlüsselfertigen“ Preis, ohne Sternchen oder andere Überraschungen. Wer zu den ersten 50 Kunden gehört, die sich für das neue Modell der japanischen Marke entscheiden, zahlt nur 43.000 Euro. Das entspricht dem Preis für Geschäftskunden (34.960 € + MwSt.).
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