Der Zeekr 7X ist der erste Mittelklasse-SUV der chinesischen Marke, verfügt über schwedische Gene und nimmt deutsche Premium-Modelle ins Visier. Kann er mithalten?
Für chinesische Marken, die zu finanzstarken Industriekonzernen gehören, lautet die Frage nach ihrem Erfolg in Europa nicht ob, sondern wann. Zeekr, die Premiummarke von Geely, ist ein gutes Beispiel dafür.
Das europäische Zentrum der Marke befindet sich in Göteborg, wo sie technische Entwicklungs- und Designzentren betreibt. Mit einem nahezu unbegrenzten Budget verbindet Zeekr fortschrittliche Elektrotechnik mit kreativem Know-how. Dafür steht etwa Stefan Sielaff: Der frühere Designchef von Audi und Bentley verantwortet heute das Design der Marke.
Nach dem 001 und dem X folgt nun der Zeekr 7X, der erste Mittelklasse-SUV des Herstellers. Er tritt direkt gegen etablierte Premium-Angebote wie den Porsche Macan und den Audi Q6 e-tron an, will sich aber bewusst abheben.
Wie? Durch ein mutiges Design, überdurchschnittliche Verarbeitungsqualität, hohe Fahrleistungen und extrem kurze Ladezeiten. In Nordeuropa – Schweden, den Niederlanden und Norwegen – ist er bereits erhältlich; noch dieses Jahr kommen Belgien, die Schweiz, Dänemark und Griechenland hinzu. 2026 soll der Marktstart auch in Portugal und Spanien erfolgen.
Sehr schnelles Laden
Die SEA-Plattform von Geely nutzt ein 800-Volt-Bordnetz. Damit kann die Batterie zumindest in China mit bis zu 480 kW geladen werden. In Europa ist die maximale Ladeleistung auf 360 kW begrenzt.
Was bedeutet das im Alltag? Unter optimalen Bedingungen sind sehr kurze Ladepausen möglich: An einer Gleichstrom-Säule (DC) steigt der Ladestand in 16 Minuten von 10 auf 80 %, während eine Wechselstrom-Ladung (AC) von 10 auf 100 % 5,5 Stunden dauert.
Diese Werte gelten für den großen 100-kWh-Akku mit NMC-Chemie, mit dem der von mir gefahrene Zeekr 7X mit Allradantrieb ausgestattet war. Er verfügt über je einen Motor pro Achse. Daneben gibt es eine Version mit Hinterradantrieb und einem 75-kWh-Akku mit LFP-Chemie.
Die Topversion AWD Privilege war bei den Anfang April von Zeekr im Umland von Lissabon veranstalteten Testfahrten die einzige verfügbare Variante. Das Antriebssystem liefert insgesamt bis zu 639 PS (470 kW) und 710 Nm. Der vordere Motor steuert 218 PS (160 kW) und 270 Nm bei, der hintere 421 PS (310 kW) und 440 Nm.
Zeekr 7X: viel Platz im Innenraum
Um einen ungewöhnlichen Einstieg zu wählen, nahm ich im Zeekr 7X zunächst auf der Rückbank Platz. Die hinteren Türen öffnen beinahe 90° weit und lassen sich zudem per Taste automatisch betätigen. Man sollte dabei allerdings ausreichend Abstand halten, damit sie niemanden treffen.
Im Innenraum herrscht enorm viel Platz: Zwischen den Knien dieses 1,80 m großen Passagiers und der Lehne des Fahrersitzes blieben 14 Fingerbreiten frei. Das ist der großzügigen 2,90 m langen Radstand geschuldet. Über dem Kopf bleiben sechs Fingerbreiten Luft, und in der Breite finden drei Personen Platz – sofern die mittlere schlank gebaut ist.
Der nahezu ebene Boden in der Mitte ist angenehm, allerdings fehlen Klimabedienelemente für die zweite Sitzreihe. Die vorhandenen Luftausströmer sind schlicht gestaltet und in die B-Säulen integriert.
Der Kofferraum fasst 539 Liter und übertrifft damit den Audi Q6 e-tron (526 l) sowie den Ford Mustang Mach-E (502 l), bleibt jedoch hinter dem Porsche Macan (564 l) zurück. Durch das asymmetrische und elektrisch umklappbare Umlegen der Sitzlehnen lässt sich das Volumen erweitern. Ergänzend gibt es unter der vorderen Haube einen 42 Liter großen Frunk.
Qualität und solide Verarbeitung
Das riesige Panoramadach mit 1,35 m² erstreckt sich über die gesamte Länge des Innenraums, lässt sich jedoch nicht öffnen. Es sorgt trotzdem für viel Licht und hebt die insgesamt sehr hohe Materialqualität sowie die solide Verarbeitung hervor.
Fast alle Oberflächen sind weich verkleidet – mit Teppich, Velours oder Gummi. Umso überraschender ist, dass die Türtaschen nur am Boden eine dünne Gummischicht besitzen, die von hartem Kunststoff umgeben ist. Gerade an häufig berührten Stellen ist das eher ungewöhnlich.
Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht und lässt sich elektrisch in Höhe und Tiefe einstellen. Außerdem gibt es zwei kabellose Smartphone-Ladeschalen mit 50 W, ein 13-Zoll-Digitalinstrumentendisplay und einen zentralen 16-Zoll-Touchscreen. Optional wird ein Head-up-Display mit einer virtuellen Projektionsfläche von 36,2 Zoll und Augmented Reality angeboten.
Noch Raum für Verbesserungen
Die Anordnung einiger Menüs im Infotainmentsystem könnte logischer sein. Zudem beeinflusst die physische Taste für den Fahrmodus nur die Reaktion des Elektroantriebs, nicht aber Lenkung und Fahrwerk. Ein individuell konfigurierbarer Fahrmodus mit den persönlichen Einstellungen des Fahrers fehlt ebenfalls.
Auch Lenkrad- und Außenspiegeleinstellung erfolgen über den Zentralbildschirm – kein Fehler, sondern Konzept. Ungewohnt ist zudem die umgekehrte Logik der physischen Fensterheber: Zieht man sie nach oben, fahren die Scheiben herunter; drückt man sie, fahren sie hoch.
Auf der Straße
Bei der Fahrt mit dem Zeekr 7X AWD stellte ich fest, dass das vorgeschriebene externe akustische Warnsignal für Fußgänger bei niedriger Geschwindigkeit nicht aktiviert war. Es kann ein Katzenmiauen, ein Pferdewiehern, das Dröhnen eines V12-Motors oder das Klingeln eines Fahrrads wiedergeben – wichtiger wäre allerdings, dass es tatsächlich funktioniert. Das war hier nicht der Fall.
Der vorhersehbarste Teil der Fahrdynamik des 7X sind seine sportwagenartigen Beschleunigungswerte: Die Kombination aus 639 PS Spitzenleistung und dem sofort verfügbaren Drehmoment von 710 Nm presst die Insassen in die Sitze, sofern der Fahrer einen schweren rechten Fuß hat.
Vor allem dann, wenn der über den Zentralbildschirm einstellbare Parameter „Beschleunigung“ auf Sport steht: Die 3,8 s für den Sprint von 0 auf 100 km/h sprechen für sich. Auch in den Modi Comfort und Standard gewinnt der SUV sehr schnell an Tempo, mehr als ausreichend für die allermeisten Situationen. Selbst die 6 s der weniger leistungsstarken Version dürften genügen.
Die Unterschiede zwischen den drei Programmen sind klar erkennbar, auch bei der Abstimmung des Fahrpedals. Gleiches gilt für die Lenkung: Selbst im für die Stadt gedachten Comfort-Modus wirkt sie nie zu leicht. In Standard wird sie schwerer und in Sport nochmals straffer, dann jedoch künstlich.
Auch beim Fahrwerk sind die Unterschiede zwischen den drei Programmen spürbar. Die Abstimmung verbindet Komfort und Stabilität überzeugend und wurde im technischen Zentrum in Göteborg auf einen stärker „europäischen“ Charakter hin entwickelt.
Die Geräuschdämmung im Innenraum erreicht ebenso wie die strukturelle Steifigkeit ein sehr gutes Niveau, obwohl keine Doppelverglasung verbaut ist – die Scheiben sind allerdings sehr dick. Die Vordersitze könnten jedoch etwas mehr Seitenhalt bieten.
Andererseits ist die Dominanz des Hinterradantriebs deutlich wahrnehmbar, denn der hintere Motor leistet fast doppelt so viel wie der vordere. Das hilft, Untersteuern zu reduzieren.
Bremsen überzeugen
Das Bremssystem verdient Lob für die schnelle Ansprache des linken Pedals. Es fühlt sich beim Aufbau der Bremskraft weder schwammig noch zögerlich an – ein Problem, unter dem mehrere Elektroautos leiden.
Zusätzlich kann der Fahrer zwischen drei Stufen der Bremsunterstützung wählen. Für eine direktere Reaktion empfiehlt sich Sport, während Comfort besser für den Stadtverkehr geeignet ist.
Es gibt zwei Rekuperationsstufen, allerdings fehlen Schaltwippen am Lenkrad zu deren Auswahl. Hinzu kommt der „One-Pedal“-Modus, bei dem das Fahrzeug vollständig zum Stillstand kommt, sobald man das Fahrpedal loslässt.
Nicht so sparsam wie angegeben
Die Teststrecke umfasste Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahn und war insgesamt 83 km lang. Zwar ist das Tempo bei einer Testfahrt typischerweise höher als im Alltag, doch der abschließende Durchschnittsverbrauch lag deutlich über dem von Zeekr homologierten Wert: 28 kWh/100 km statt der offiziellen 20 kWh/100 km.
Damit dürfte die Reichweite kaum 350 km erreichen, anstelle der von der chinesischen Marke für diese Version angegebenen 543 km. Bei weniger anspruchsvoller täglicher Nutzung sollte man eher mit 400 km als praxisnahem Richtwert rechnen.
Marktstart 2026
Die Einführung des Zeekr 7X in Portugal ist für 2026 vorgesehen. Die Preise dürften bei rund 55.000 Euro für die RWD-Version mit Hinterradantrieb und bei 65.000 Euro für die AWD-Version mit Allradantrieb liegen.
Angesichts von Verarbeitungsqualität, Platzangebot, Technologie, Leistung und Ladegeschwindigkeit bringt der 7X starke Argumente mit.
Wenn die nächsten Modelle von Zeekr dieses Niveau halten, könnte die chinesische Marke tatsächlich zu einer Referenz im europäischen elektrischen Premiumsegment werden.
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