Zum Inhalt springen

Fiat Panda im Test: Ein kleiner Alleskönner

Oranger Fiat Kleinwagen fährt auf Landstraße, unscharfer Hintergrund mit Feldern und Wolken.

Fiat Panda: Ein Kleinwagen für viele Lebenslagen

Der Panda mit vier Pfoten und dichtem Fell gilt bekanntlich als ausgesprochen fortpflanzungsunwillig. Zum Leidwesen von Zoowärtern, die weltweit passende Partner vermitteln wollen, lässt sich eine Pandadame selbst durch den attraktivsten Gefährten nur selten vom Bambussprossenknabbern abbringen. Sein rollender Namensvetter ist dagegen äußerst produktiv gewesen: Benziner, Diesel, 100HP, 4x4, Cross und weitere Varianten. Während die meisten Kleinwagen nur in begrenzter Auswahl erhältlich sind, existieren so viele Panda-Ausführungen, weil es ebenso viele unterschiedliche Panda-Fahrer gibt.

Viele Konkurrenten gelten entweder als Autos für junge Frauen oder für ältere Menschen. Der Panda kann beides sein, geht aber weit darüber hinaus. Genau darin liegt Fiats eigentlicher Erfolg. In einer bestimmten Ausstattung ist der Panda ein philosophisch minimalistisches Auto für den wohlhabenden Großstädter – unseren Freund James. Mit anderer Spezifikation wird er zum robusten Arbeitsgerät eines Bauern auf einem Berggipfel. Er eignet sich als einziges Auto für eine Familie auf dem Land oder einen jungen Stadtbewohner ebenso wie als Zweitwagen für Eltern, deren Kinder längst ausgezogen sind.

Damit lastete erheblicher Druck auf den Designern und Ingenieuren des aktuellen Modells. Es musste verschiedenste Motoren und Ausstattungen aufnehmen können. Sparsam sollte es sein, zugleich aber mit voller Beladung lange Strecken bewältigen; leicht, jedoch ausreichend geräumig; günstig, aber sicher; verspielt und trotzdem ernsthaft. Kurz gesagt: klein, aber groß.

Karosserie und Innenraum des Fiat Panda

Ich erinnere mich an den Morgen im Top-Gear-Büro, als wir erstmals die Bilder sahen. Gemeinsam seufzten wir enttäuscht auf. Falls Sie das ähnlich sehen, sollten Sie das Urteil aufschieben, bis Sie ihn selbst gesehen haben: Nachdem ich das getan habe, gefällt er mir ziemlich gut. Das sage ich als jemand, der dem Vorgänger sehr verbunden ist und mehrere Exemplare über Tausende Kilometer in zahlreichen Ländern gefahren hat. Dem neuen Modell fehlt etwas von der klar gemeißelten optischen Disziplin des alten, doch die bauchigen Flanken, ausgeprägten Radhäuser und die größere Front verleihen ihm mehr Kraft.

Im Innenraum liegen zwischen alt und neu Welten. Die kantige, klippenartige Armaturentafel ist verschwunden und wurde durch eine Gestaltung mit einer gelungenen Auswahl an Oberflächen und Grafiken ersetzt. Der Stoff an Türen und Armaturenbrett des Testwagens wirkt etwas beige, andere Farben stehen jedoch zur Wahl. Es gibt reichlich praktische Ablagen, und die Verarbeitung ist ordentlich – tatsächlich auf dem Niveau eines VW Up. Verwendet werden richtige Materialien. Außerdem ist dies der erste Fiat, den ich gefahren bin, bei dem keine Spalten zwischen den Formteilen des Armaturenbretts klaffen, in denen sich das Stromkabel des Navis einklemmen lässt.

Dadurch hängt es unordentlich herunter, sofern man nicht das sehr sauber integrierte, optionale TomTom-System bestellt. Es gehört zu einer neuen Ausstattungsreihe, die den Panda für Aufgaben rüstet, für die man bislang ein größeres und teureres Auto gewählt hätte. Ebenfalls verfügbar ist ein vorausschauendes Kollisionsminderungssystem, das bremst, wenn Sie abgelenkt sind und selbst nicht reagieren. Der VW Up – ebenso wie seine Verwandten von Skoda und Seat – bietet beides, andere Kleinstwagen jedoch nicht. Dazu kommen Parksensoren, eine verschiebbare Rückbank und eine anständige Auswahl an Entertainment-Angeboten.

Fahrwerk, Sicherheit und Platzangebot

All das wäre bedeutungslos, wenn das Grundauto nicht genügend Raffinesse für diese Technik mitbringen würde. Etwas bedenklich ist, dass es keine umfassenden technischen Veränderungen gab. Doch beim Fahren zeigt sich, dass die vorgenommenen Maßnahmen überlegt und ausreichend sind. Vorn besitzt die Aufhängung neue gefertigte Lenker, während der Stabilisator für bessere Kontrolle an den Dämpfern befestigt ist. Das Fahrwerk sitzt auf einem neuen Hilfsrahmen, der zusätzlich Aufprallenergie aufnehmen kann und das Auto sicherer macht. Dennoch bleibt ihm die Fünf-Sterne-NCAP-Bewertung verwehrt, hauptsächlich weil ESP nur gegen Aufpreis erhältlich ist. Hinten wurde das Fahrwerk im Detail überarbeitet. Darüber spannt sich eine um 11cm längere Karosserie, die einen größeren Kofferraum und etwas mehr Platz auf der Rückbank ermöglicht. Außerdem gibt es den hervorragenden TwinAir-Zweizylinder-Turbomotor mit variabler Ventilsteuerung und 85 PS.

Genau diese Variante fahre ich. Der Motor ist faszinierend, verlangt aber volle Aufmerksamkeit, wenn er seine beste Seite zeigen soll. Bei hohen Drehzahlen treibt er den kleinen Wagen erstaunlich energisch an und ermöglicht echte Überholmanöver, selbst bei Autobahntempo. Wer ihn so bewegt und die Drehzahl nutzt, erzielt allerdings keinen besonderen Verbrauchswert. Sparsam wird er nur, wenn man ungewöhnlich früh hochschaltet und sich auf sein tuckerndes Zweizylinder-Drehmoment verlässt.

Im 500 kostet der TwinAir gegenüber dem 1,2-Liter-Vierzylinder £1,400 Aufpreis. Bei einem Auto wie dem 500, das man aus Liebe kauft, mag das vertretbar sein. Bleibt der Aufpreis beim Panda, den man aus Vernunft erwirbt, genauso hoch, erscheinen mir £1,400 jedoch kaum haltbar. Das ist ein zu großer Anteil am Gesamtpreis des Autos – es sei denn, der Panda wird tatsächlich häufig für schnelle Langstrecken genutzt. Zudem ist der 69 PS starke 1,2-Liter ein reizvoller Motor. Er lässt sich unkompliziert und verständlich fahren und zieht bis zur roten Drehzahlmarkierung sauber durch. Viel Leistung hat er vielleicht nicht zu bieten, doch das Wenige stellt er bereitwillig zur Verfügung.

Komfort und künftige Panda-Versionen

Beide Varianten federn angenehm und lassen sich gut bewegen. In Kurven wirkt der Panda etwas williger als der Up, während der Up beim Fahrkomfort kultivierter ist. Dennoch besitzen beide Fahrwerke eine Geschmeidigkeit und Ruhe, die weit über das übliche Niveau von Kleinstwagen hinausgehen. Auch die ausgezeichneten neuen Sitze des Panda tragen dazu bei. Das ist erneut ein Vorteil auf langen Strecken. In der Stadt, beim Fahren oder Einparken, verleiten die hohe Sitzposition, die hervorragende Übersicht und die geraden Karosserieseiten dazu, jeden freien Millimeter frech auszunutzen. Oder, in Italien, sich diese Millimeter einfach vorzustellen.

Zum Marktstart in Großbritannien stehen vier Motoren in drei Ausstattungslinien bereit, darunter ein Diesel und ein TwinAir ohne Turbo. Danach folgen ein 4x4 und vermutlich eine stärkere Version. Das Panda-Zuchtprogramm geht weiter.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen