Denza, die Premium-Marke von BYD, will noch vor Jahresende auf dem europäischen Markt starten. Als erstes Modell ist der Z9 GT vorgesehen: ein elektrischer Shooting Brake, der viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürfte.
In seiner stärksten Ausführung verfügt der Z9 GT über drei Elektromotoren, die zusammen 710 kW (965 PS) und 1355 Nm liefern. Doch genau das ist nicht seine bemerkenswerteste Eigenschaft.
Ein Automobil mit Gehirn
Neben seiner Leistung führt sich der Z9 GT mit der besonders komplexen e3-Plattform ein. Diese soll durch außergewöhnliche Fähigkeiten bei Leistung, Fahrdynamikregelung und „Intelligenz“ überzeugen.
Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit der e3-Plattform, das „Gehirn“ und das „neuronale Netzwerk“ des Fahrzeugs in einer einzigen Architektur zusammenzuführen. Das Vehicle Motion Control System (VMC) übernimmt dabei die Rolle einer zentralen Steuereinheit: Es verarbeitet die Daten der wichtigsten Aktuatoren – Bremsen, Fahrwerk und Lenkung – mit nahezu verzögerungsfreien Übertragungszeiten.
Dank dieses hohen Integrationsgrads kann das System Veränderungen innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs in Echtzeit erfassen. Die Informationen werden innerhalb von Millisekunden gebündelt, an das zentrale „Gehirn“ zur schnellen Entscheidungsfindung zurückgesendet und anschließend für die Anpassung des Fahrzeugzustands genutzt. Das soll Fahrspaß, Sicherheit und Komfort verbessern.
Sicherheit auf einem neuen Niveau
Besonders groß sollen die Vorteile für die aktive Sicherheit sein, etwa in einer Extremsituation wie einem Reifenplatzer bei hohem Tempo. In diesem Fall erkennt das VMC das Problem innerhalb von 10 Millisekunden, steuert die Hinterräder zur Beibehaltung eines neutralen Lenkwinkels und passt die Drehmomentverteilung der drei Motoren unverzüglich an.
Konkret wird dadurch die Belastung des beschädigten Reifens verringert, während die Traktion an den übrigen Rädern verbessert wird. Das erhöht die Fahrstabilität. Das Ergebnis: eine um 47% geringere maximale Rate einer abrupten Richtungsänderung. Darüber hinaus tragen die intelligenten Fahrerassistenzsysteme der e3-Plattform dazu bei, das Auto in der richtigen Spur zu halten und die Folgen des Vorfalls weiter zu mindern.
Getestet und bestätigt
Um die Wirksamkeit zu demonstrieren, organisierte Denza eine Vorführung, die wir in kontrollierter Umgebung auf der Teststrecke der italienischen Zeitschrift Quattroruote nahe Mailand verfolgen konnten.
Während des Tests fuhr der Z9 GT mit 180 km/h bis 200 km/h, als der linke Vorderreifen platzte. Das Resultat überraschte: Das Fahrzeug setzte seine Fahrt geradeaus fort und ließ sich anschließend offenbar problemlos zum Stillstand bringen.
Diese Technologie könnte nicht nur in Denza-Fahrzeugen Leben retten, sondern ebenso in Modellen anderer Marken – sofern die Branche sie breiter verfügbar macht. Systeme dieser Art könnten den Beginn einer neuen Ära der automobilen Sicherheit markieren.
Dynamische Vorteile der e3-Plattform
Abgesehen vom Sicherheitsaspekt liegt die auffälligste Fähigkeit der e3-Plattform bei der Fahrdynamikregelung in der Möglichkeit, die Drehmomentverteilung jedes einzelnen Motors in Echtzeit an die aktuellen Anforderungen von Fahrer und Fahrbahn anzupassen.
Außerdem kann das System Funktionen wie die Drehmomentvektorisierung der beiden hinteren Motoren und die Hinterradlenkung mit zwei unabhängigen Motoren kombinieren. Dadurch soll es selbst in schwierigen Situationen ein deutlich höheres Maß an Fahrzeugkontrolle bieten. Dank seitlicher oder diagonaler Bewegungen kann der Wagen zudem auf sehr engem Raum einparken.
Wann kommt der Denza Z9 GT?
Denza plant seinen Marktstart zum Jahresende. Zunächst wird der Denza Z9 GT ausschließlich mit Elektroantrieben angeboten. Ab dem ersten Quartal des kommenden Jahres soll jedoch eine Plug-in-Hybridvariante (DM-i) folgen. Der Z9 GT bildet den Auftakt für die Marke, weitere Modelle sind bereits vorgesehen: darunter der D9, ein Luxus-MPV, auf den voraussichtlich zwei SUVs folgen werden.
Denza entstand ursprünglich aus einem Joint Venture von BYD und Mercedes-Benz (50/50). Die deutsche Marke verringerte ihren Anteil jedoch 2021 und veräußerte im Oktober vergangenen Jahres auch die verbliebenen 10%. Denza gehört inzwischen vollständig BYD.
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