Der Roma war bislang der Einstieg in die exklusive Welt von Ferrari. Mit dem Amalfi setzt die Marke diese Aufgabe fort und ersetzt damit das Modell, das den Namen der italienischen Hauptstadt trug. Der Name Roma verschwindet, während die Inspiration nun von der Amalfiküste am Mittelmeer stammt.
Auch wenn die Bezeichnung neu ist, bleibt die technische Basis unverändert. Der Ferrari Amalfi nutzt dieselbe Plattform, dasselbe Chassis, denselben Motor und den Großteil der bisherigen technischen Lösungen. An einem erfolgreichen Team soll man nichts ändern? Fast, denn einige Neuerungen verdienen durchaus Aufmerksamkeit.
Im Folgenden stehen die wichtigsten Änderungen des Ferrari Amalfi im Mittelpunkt, der glücklicherweise weiterhin stolz einen V8-Benzinmotor unter seiner Front trägt. Er bleibt der günstigste Ferrari im Programm – wobei jeder weiß, dass „günstig“ im Ferrari-Wortschatz eine ganz eigene Bedeutung hat.
Glorreicher italienischer Motor
Vom Ferrari Roma übernimmt der Amalfi die 2+-Coupé-Konfiguration – eine zurückhaltende Bezeichnung, denn die hinteren Plätze eignen sich nur für Kinder oder Erwachsene mit ausgeprägter Verrenkungskunst – sowie den vorn mittig eingebauten 3,9-Liter-Biturbo-V8.
Für den Amalfi hat Ferrari den V8 überarbeitet, damit er in allen Drehzahlbereichen schneller anspricht und weiterhin 760 Nm Drehmoment liefert. Die Leistung steigt dagegen von 620 PS auf 640 PS. Damit beschleunigt der Amalfi eine Zehntelsekunde schneller als der Roma auf 100 km/h, nun in 3,3 s, und erreicht 200 km/h in 9,0 s statt 9,3 s.
Abmessungen und minimalistische Formensprache
Bei den Abmessungen gibt es kaum Veränderungen: In der Länge legt das Auto lediglich einen halben Zentimeter zu. Flavio Manzoni, Designchef von Ferrari, erklärt dazu: „Obwohl das Chassis beibehalten wurde, haben wir technische Komponenten eingebaut, die es uns ermöglichten, einzelne Bereiche der Karosserie neu zu gestalten. An der Front gibt es keinen Kühlergrill mehr, stattdessen kommt eine poröse Fläche zum Einsatz. Das liegt nicht nur an der veränderten Höhe, sondern auch daran, dass ein Radar höher positioniert werden musste.“
Manzoni ergänzt: „Alle Karosserieteile sind im Vergleich zum Roma neu, nur die Verglasung wurde übernommen.“ Ausgangspunkt war zwar der Roma selbst, doch seine Form wurde moderner modelliert und minimalistischer behandelt. Die Rückleuchten verbergen sich in grafischen Ausschnitten und erinnern damit an klassische Ferrari-Modelle.
Die Einführungsfarbe Verde Costiera, ein leuchtendes Blaugrün, das von den Meeresreflexionen entlang der Amalfiküste inspiriert wurde, soll die geformten Flächen des neuen Modells besonders betonen.
Der aktive, bereits vom Roma bekannte Heckflügel nimmt automatisch drei Stellungen ein: Low Drag (LD), Medium Downforce (MD) und High Downforce (HD). Welche Position gewählt wird, hängt von Geschwindigkeit sowie Längs- und Querbeschleunigung ab. Auf Geraden bleibt der Flügel in LD oder MD, um den Luftwiderstand zu senken. Bei dynamischerer Fahrweise wechselt er automatisch in HD und erzeugt bei 250 km/h rund 110 kg Abtrieb.
Breiteres Spektrum der Reaktionen
Gianmaria Fulgenzi, Leiter der Produktentwicklung bei Ferrari, erläutert, dass neue Abstimmungen und Technologien eingeführt wurden, um das gesamte Fahrverhalten des Autos weiter zu verbessern.
„Der Ferrari Amalfi ist in den ruhigeren Positionen des Manettino leiser, besonders in Wet und Comfort. Gleichzeitig kann er in den weiter rechts liegenden Einstellungen des Schalters energischer, dynamischer und sportlicher auftreten. Dafür brauchten wir unterschiedliche Systeme und Komponenten – nicht nur Software-Kalibrierungen. Deshalb haben wir ein elektronisches Bremssystem, Brake-by-Wire, und den 6D-Sensor eingebaut, der im Hinblick auf die Fahrzeugdynamik besonders leistungsfähig ist. Er ermöglicht es Lenkung und Stabilitätskontrolle, Haftungsverluste 10 % schneller zu erkennen, und kann die Geschwindigkeit auf drei Beschleunigungsachsen innerhalb einer Millisekunde erfassen.“
Vorn kommen Reifen im Format 245/35 R20 zum Einsatz, hinten 285/35 R20. Diese Kombination wurde gewählt, weil sie Agilität und Haftung am besten miteinander verbindet. Serienmäßig ist der Amalfi mit Reifen ausgestattet, die gemeinsam mit zwei langjährigen Technikpartnern entwickelt wurden: Bridgestone mit dem Potenza Sport und Pirelli mit dem P ZERO.
Mehr physische Tasten: zum Glück!
Im Innenraum fällt die Weiterentwicklung deutlich aus, auch wenn es sich in einem besonders wichtigen Punkt um einen Rückschritt handelt. Ferrari setzt bei fahrrelevanten Funktionen wieder auf physische Tasten, nachdem diese in den jüngsten Modellen digital bedient wurden.
Enrico Galliera, Marketing-Vizepräsident von Ferrari, erklärt den Hintergrund: „Beim Fahren eines Ferrari sollte man idealerweise die Augen auf der Straße und die Hände am Lenkrad haben, und tatsächlich sind wir bei der Digitalisierung einiger Funktionen zu weit gegangen. Das war die Rückmeldung, die wir von unseren Kunden nahezu einstimmig erhalten haben und die wir korrigieren mussten. Wir bringen unsere Strategie also wieder ins Gleichgewicht und passen das Verhältnis zwischen physischen und digitalen Bedienelementen an.“
Links am Lenkrad kehrt deshalb der ikonische Startknopf aus Aluminium zurück. Dort befinden sich außerdem die Bedienelemente für die Fahrerassistenzsysteme, die adaptive Geschwindigkeitsregelung, das Telefon, die Sprachsteuerung und die Beleuchtung. Rechts werden die Anzeigen des Kombiinstruments und der Scheibenwischer gesteuert. Oben sitzen die Blinker, während sich hinter dem Lenkrad Drehregler für Lautstärke und Radiosenderwahl befinden.
Das Armaturenbrett erhält erstmals eine monolithische Gestaltung, bei der Kombiinstrument und Lüftungsdüsen zu einem einzigen Element verschmelzen. Der Mitteltunnel ist aus einem Block eloxiertem Aluminium geformt und schwebend ausgeführt. Er nimmt funktionale Elemente wie den Wählhebel des Achtgang-Automatikgetriebes, den Schlüsselschlitz, das kabellose Ladefach und die Sekundärbedienelemente auf.
Drei Bildschirme im Ferrari Amalfi
Die Benutzeroberfläche des Ferrari Amalfi arbeitet mit drei Displays. Das 15,6-Zoll-Kombiinstrument zeigt sämtliche Informationen zu Fahrt und Fahrzeugdynamik. Zentral ist ein zweiter, 10,25 Zoll großer Touchscreen angebracht, über den Fahrer und Beifahrer die wichtigsten Funktionen erreichen: Multimedia, Radio, Telefon, Klimatisierung, Sitzeinstellungen und Fahrzeugkonfiguration. Das dritte Display misst 8,8 Zoll und sitzt vor dem Beifahrer. Es vermittelt ein Copilot-Erlebnis, indem es unter anderem g-Kräfte und Motordrehzahl anzeigt.
Aus der umfangreichen Optionsliste lassen sich komfortablere Sitze wählen, die in drei Größen erhältlich sind. Sie verfügen über 10 Luftkammern für die Massagefunktion mit fünf Programmen und drei Intensitätsstufen sowie über eine Belüftung.
Zu den Fahrerassistenzsystemen betont Galliera, dass entgegen einer möglichen Annahme „unsere Kunden schon seit geraumer Zeit darum bitten, dass die Fahrzeuge diese Systeme haben – die sich gesetzlich jedes Mal wieder aktivieren, wenn der Motor gestartet wird – für Situationen mit sehr dichtem Verkehr auf Autobahnen und in Städten, aus Gründen des Komforts und der Sicherheit. Direkt danach wünschen sie sich jedoch eine Taste, mit der sich diese Systeme schnell und einfach abschalten lassen, und genau das haben wir umgesetzt.“
Marktstart
Der neue Ferrari Amalfi kann bereits bestellt werden, die ersten Auslieferungen an Kunden sind jedoch erst für das erste Quartal 2026 vorgesehen.
Preise für den deutschen Markt liegen bislang noch nicht vor. In Italien dürfte der Grundpreis des Amalfi allerdings bei etwa 240.000 Euro liegen.
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