Mercedes geht davon aus, dass der typische Käufer des neuen E-Klasse Cabriolets ein ähnliches Profil wie einst der CLK-Kunde hat: männlich, über 50, begeistert von Golf, Raymond-Weil-Uhren und Bräunungsurlauben in Spanien.
Natürlich trifft das nicht immer zu, aber die Zielrichtung ist klar: Große viersitzige Mercedes-Cabrios sind normalerweise nicht das Revier junger, extrem trendbewusster Hipster. Zu groß, zu sehr Midlife-Crisis. Schade eigentlich, denn die neue E-Klasse ist hervorragend. Schon optisch wirkt sie stimmig. Sie basiert auf einem modularen Baukastensystem, wodurch das E-Cabriolet im Grunde ein E-Klasse Coupé ist, das wiederum aus einer Auswahl an Komponenten der aktuellen E-Klasse und C-Klasse zusammengesetzt wurde. Bei der Häufung rautenförmiger Elemente an der Front bleiben gewisse Zweifel, doch das Exterieur besitzt eine solide, kantige Anmutung, die an präzise Ingenieursarbeit und geologische Beständigkeit erinnert. Nicht effekthascherisch, aber ein Design, das mit der Zeit gewinnt.
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Mercedes-Benz E-Klasse Cabriolet: Verdeck und Design
Das Stoffverdeck sieht geschlossen gut aus und geöffnet noch besser. Über einen Hebel unter einer Abdeckung in der Mittelarmlehne lässt es sich bis etwa 40 km/h bedienen; nach 20 Sekunden ist es verstaut oder aufgestellt. Geschlossen vermittelt es angenehm überzeugend den Eindruck eines Coupés – inklusive nachgebildeter toter Winkel. Geöffnet verschwindet es sauber im Kofferraum, nimmt dabei allerdings den gesamten Stauraum in Beschlag. Die klaren Linien nach dem Zusammenfalten des Dachs unterstreichen jedoch die gelungensten Elemente der ausgewogenen E-Klasse-Proportionen, besonders den geschwungenen Verlauf über dem hinteren Radhaus.
Motorenangebot der E-Klasse Cabriolet
Sobald in Großbritannien das vollständige Programm verfügbar ist, wird die Motorenauswahl beeindruckend und sinnvoll sein. Erstmals lässt sich ein Mercedes-Cabriolet mit einem von drei Dieseln bestellen: als E220 CDI mit 170 PS, E250 CDI mit 204 PS oder E350 CDI mit 231 PS. Alle verfügen über die umweltfreundliche BlueEFFICIENCY-Technik von Mercedes. Das Entscheidende an diesen drei Varianten sind ihre überzeugenden Verbrauchswerte von 5,3/5,4/6,8 l/100 km, während Fahrleistungen und CO₂-Werte dennoch ordentlich bleiben. So beschleunigen die beiden kleineren Vierzylinder-Diesel weiterhin in 8,8 beziehungsweise 7,8 Sekunden auf 100 km/h; der kräftigere V6 des E350 CDI erledigt den Sprint in schnellen 6,9 Sekunden. Dafür sorgen 540 Nm Drehmoment und ein für diese Klasse respektables Leergewicht von 1.845 kg.
Bei den Benzinern wird es für Ausstattungslisten-Leser wegen ähnlicher Zahlen und Modellbezeichnungen ziemlich unübersichtlich. Den Einstieg bilden zwei weitere Vierzylinder: der E200 CGI mit 184 PS und einer Beschleunigung auf 100 km/h in 8,6 Sekunden sowie der E250 CGI mit 204 PS, der 7,8 Sekunden benötigt. Darüber rangiert der E350 CGI V6 mit 292 PS, der die 100 km/h nach nur 6,8 Sekunden erreicht und damit seinen V6-Diesel-Bruder nur knapp übertrifft. Grundsätzlich gibt es keinen schlechten Motor im Angebot, obwohl die Basisversionen mit Vierzylinder bei besonders fordernden Bergpassagen durchaus an ihre Grenzen geraten.
Auch die Diesel laufen leise genug, um sie für Benziner halten zu können, und beeinträchtigen das Fahrerlebnis keineswegs. Ist der moderne Diesel mit seinem niedrigeren Verbrauch also die offensichtliche Wahl? Im Wesentlichen ja: Obwohl die Benziner beim Wirkungsgrad bemerkenswert gut sind, liefert der Diesel bei identischer Leistung weiterhin die bessere Reichweite. Anders ausgedrückt: Der E350 CGI benötigt knapp 8,6 l/100 km, während der E350 CDI bei etwas mehr als 6,8 l/100 km liegt. An der Tankstelle fällt das auf, der Unterschied von 0,1 Sekunden beim Sprint auf 100 km/h hingegen nicht. Die Benziner klingen bei hohen Drehzahlen allerdings etwas besser und sind beim Verbrauch keineswegs verheerend, wenn die jährliche Fahrleistung überschaubar bleibt.
Die besten Kompromisse stellen hier im Grunde die beiden V6-Motoren mit der 7G-TRONIC Siebengang-Automatik dar. Sie liefern deutlich mehr Schub, als man benötigen dürfte, bringen aber genug Durchzug mit, um ein so großes Auto souverän zu bewegen. Falls Leistung keine Priorität hat, würden jedoch auch beide E250-Varianten ausgezeichnete Dienste leisten – bei großen Viersitz-Cabrios stehen Querbeschleunigungskräfte, die das Gehirn im Kopf schwappen lassen, vermutlich ohnehin nicht ganz oben auf der Wunschliste.
Erwähnenswert ist noch ein weiterer Motor: der ehrwürdige, nicht mit BlueEFFICIENCY ausgerüstete, politisch unkorrekte, altmodische und ein wenig unanständige E500 V8-Benziner. 5,5 Liter V8-Herrlichkeit mit 388 PS, 529 Nm, 0–100 km/h in etwas mehr als 5 Sekunden und einem herrlich sonoren, gurgelnden Klangteppich. Man kann ihn sich als AMG mit gutem Federungskomfort vorstellen, dann ist man ziemlich nah dran. Völlig unangebrachte Burnouts verleihen allem einen Hauch von Dallas. Etwas Miami-Vice-Drogendealer, aber wenn Geld keine Rolle spielte, wäre die Versuchung groß. Allerdings sollte erwähnt werden, dass bei Fahrweise wie ein Verrückter 29,4 l/100 km statt der von Mercedes im kombinierten Zyklus angegebenen 10,9 l/100 km möglich sind. Wer den 500 will, sollte vermutlich tatsächlich in Miami wohnen.
Komfort und Fahrverhalten des E-Klasse Cabriolets
Die neueste E-Variante fährt und federt zudem mit genau der Souveränität, die man von einem großen Mercedes-Cabriolet erwartet. Sie setzt nicht das letzte Wort in Präzision, ist dafür geschmeidig und schluckfreudig und zielt eher auf Wohlbefinden als auf Rundenzeiten am Nürburgring. Genau das steht ihr gut. Die Taste „Sport“ ist völlig überflüssig, denn sie bringt jene leicht nervigen sekundären Aufbaubewegungen mit sich, die man von BMW oder Audi kennt. Besser ist es, würdevoll dahinzugleiten – und genau das beherrscht das E-Cabriolet ausgesprochen gut.
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Dazu kommen einige gelungene Technikspielereien. Neben dem bekannten Mercedes-AIRSCARF-System, das über die Kopfstützen der Vordersitze warme Luft in den Nacken bläst, und sitzheizungsgewärmten Hinterteilen gibt es das neue Zugluftschutzsystem „AIRCAP“. Dabei fährt gleichzeitig ein kleiner Spoiler aus dem oberen Windschutzscheibenrahmen aus, während sich ein Netz zwischen den hinteren Kopfstützen anhebt. AIRCAP soll das aerodynamische Profil der E-Klasse im Wesentlichen über die Rücksitze hinweg aufwölben, sodass alle vier möglichen Insassen in einer ruhigen Luftblase sitzen.
Eine gute Idee, die bei Autobahntempo wirksam funktioniert. Bei niedrigeren Geschwindigkeiten sieht das System allerdings ziemlich unerquicklich aus, verursacht Geräusche und fängt mit unangenehmer Zuverlässigkeit jedes Insekt und Blatt ein, das in den Luftstrom des Autos gerät. Wer tatsächlich regelmäßig zu viert unterwegs ist, bekommt trotzdem ein nettes und nützliches Extra.
Letztlich ist das jedoch eher Nebensache. Das Mercedes E-Cabriolet strahlt eine Souveränität aus, an der sich schwer etwas aussetzen lässt. Es sieht gut aus, fühlt sich gut an und fährt gut, verweigert aber den Wettbewerb mit den besonders sportlichen Limousinen des übrigen Segments. Ein echtes Schmuckstück. Der einzige kleine Wermutstropfen: Mit den attraktiveren Motoren wird es teuer. Doch ausnahmsweise lässt sich klar erkennen, wofür das Geld ausgegeben wurde.
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