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Fiat Tipo 1.3 Multijet im Test: Mehr als Low Cost

Weißer Fiat Tipo 13MJ im modernen Autohaus mit hellem Innenraum und Person im Hintergrund.

Low Cost – ein Begriff, den man nicht automatisch mit hoher Qualität verbindet und der die Wahrnehmung eines Produkts stark prägen kann. Genau das gilt auch für den hier getesteten Fiat Tipo 1.3 Multijet. Wie dieser Test zeigt, ist diese Einordnung jedoch nicht ganz gerechtfertigt.

Denn schon nach kurzer Zeit am Steuer wird klar: Der Tipo hat deutlich mehr zu bieten als nur einen günstigen Preis – der eher auf dem Niveau von Angeboten aus dem darunterliegenden Segment liegt. In mehreren Punkten kann er sogar teureren oder anspruchsvolleren Rivalen beziehungsweise möglichen Konkurrenten überlegen sein.

Welche Stärken bietet der Fiat Tipo 1.3 Multijet?

Die vielleicht überraschendste Eigenschaft ist seine Robustheit. Mit Low Cost verbindet man üblicherweise eher eine gewisse Fragilität, doch der Tipo vermittelt keineswegs diesen Eindruck. Sein Innenraum besteht zwar weitgehend aus harten, wenig angenehm wirkenden Kunststoffen, und auch das Design wirkt weder innen noch außen besonders italienisch oder inspirierend. Die Verarbeitung ist jedoch auf einem guten Niveau. Klapper- oder Nebengeräusche? Fehlanzeige – was ich nicht von jedem teureren Modell behaupten kann, das bereits in der Garage von Razão Automóvel stand.

Auch während der Fahrt macht er einen sehr soliden Eindruck. Einen wichtigen Anteil daran hat das gelungen abgestimmte Fahrwerk des Fiat Tipo 1.3 Multijet, das Komfort und dynamische Fähigkeiten überzeugend miteinander verbindet. Karosseriebewegungen werden wirkungsvoll kontrolliert, zugleich filtert die Federung Unebenheiten im Asphalt effizient heraus.

Ein weiterer Pluspunkt ist das Platzangebot. Der Fiat Tipo 1.3 Multijet zählt zu den geräumigsten Fahrzeugen seines Segments. Selbst Personen mit 1,80 m Körpergröße oder mehr können hinten bequem sitzen, denn für Füße und Beine steht reichlich Raum zur Verfügung. Das Kofferraumvolumen von 440 l wird nur vom Skoda Scala mit 467 l und vom deutlich längeren Honda Civic mit 478 l übertroffen. Schade ist lediglich die Stufe zwischen der Kofferraumöffnung und dem Ladeboden.

Wie der Scala nutzt auch der Tipo eine Plattform, die bei Modellen des kleineren Segments eingesetzt wird, etwa beim 500L. Das ist einer der Gründe, weshalb man ihm den Low-Cost-Charakter vorwerfen könnte. Gerade die Streckung dieser Basis für die höhere Fahrzeugklasse bringt jedoch einen Vorteil mit sich: großzügige Innenmaße lassen sich mit recht kompakten Außenabmessungen verbinden.

Auch wenn der Fiat Tipo 1.3 Multijet keineswegs das umfangreichste Technologieangebot besitzt, gehört sein Uconnect-Infotainmentsystem weiterhin zu den besten verfügbaren Systemen. Es lässt sich schnell erlernen, der 7-Zoll-Bildschirm bietet eine gute Auflösung und reagiert zügig. Das lässt sich von der optionalen Rückfahrkamera nicht behaupten – ein Detail, das überarbeitet werden sollte.

Eine neue Uconnect-Generation steht bereits in den Startlöchern. Der neue Fiat 500 wird sie zuerst erhalten, und offenbar soll sie auch im Zuge des noch für dieses Jahr erwarteten Facelifts in den Tipo einziehen.

Sport? Eigentlich nur beim Erscheinungsbild

Unser Fiat Tipo 1.3 Multijet trägt zusätzlich die Ausstattung Sport, doch abgesehen vom dynamischeren Auftritt steckt nur wenig „Sport“ darin. Anders als beispielsweise beim Hyundai i30 N Line gibt es keine spezielle Abstimmung von Lenkung oder Fahrwerk.

Wie bereits erwähnt, bewegt sich das Verhältnis aus Komfort und Fahrverhalten dennoch auf hohem Niveau. Obwohl der Sport mit größeren Rädern in 225/45 auf 17-Zoll-Felgen ausgestattet ist, leidet der Federungskomfort nicht darunter. Dynamisch arbeitet er effektiv und erweist sich sogar als interessanter zu fahren als manche andere Modelle dieser Klasse.

Auf kurvigen Strecken kann man zügig unterwegs sein: Die Lenkung ist zwar nicht besonders mitteilsam, arbeitet aber präzise und natürlich. Dazu kommt eine reaktionsfreudige Vorderachse. Untersteuern wird gut widerstanden, und selbst nahe der Haftungsgrenze bleibt der Tipo stets berechenbar und sicher. Er kann sogar unterhalten – allerdings wäre dafür ein anderer Motor als der 1.3 Multijet wünschenswert.

1.3 Multijet: die Erlösung?

Meine Geschichte mit dem 1.3 Multijet ist lang, und nicht immer erinnere ich mich daran mit besonders freundlichen Worten. Mein persönliches Missfallen hat allerdings nichts mit Zuverlässigkeit oder Haltbarkeit zu tun – ganz im Gegenteil. Das zeigen die zahlreichen Fahrzeuge mit 1.3 Multijet, die in meinem Haushalt und bei verschiedenen Familienmitgliedern unterwegs waren. Eines davon hat rund 300.000 Kilometer erreicht und wirkt nicht so, als würde es bald aufhören.

Dieser kleine Diesel mit nur 1248 cm³ ließ beim Nutzungskomfort bislang jedoch stets Wünsche offen. Sein rauer Charakter und die Geräuschkulisse waren selbst für einen Diesel nur schwer hinnehmbar.

Die gute Nachricht lautet: Nach zwei Jahrzehnten Entwicklung – erstmals kam er 2003 im Fiat Punto II zum Einsatz – ist diese jüngste Ausführung im Tipo die beste, die ich bisher gefahren bin. Und es waren praktisch alle Varianten.

Schon bei 1500 U/min „haben wir Leistung“, anders als bei früheren Versionen des 1.3 Multijet. Früher konnte das in bestimmten Situationen, vor allem im Stadtverkehr, nahezu verzweifeln lassen: Bis 2000 U/min gab es ein regelrechtes Loch, in dem der Motor scheinbar keinerlei Kraft hatte. Zwar wirkt das nutzbare Drehzahlband weiterhin etwas kurz, denn oberhalb von 3000 U/min lohnt es sich kaum weiterzudrehen. Doch nun lässt sich der 1.3 Multijet unabhängig vom Fahrprofil ohne Bedenken nutzen.

Der Umgang ist zwar besser geworden, die Rauheit nimmt bei korrekter Betriebstemperatur zumindest etwas ab, doch bei der Geräuschentwicklung gilt das kaum. Einen Gang voll auszudrehen, ist akustisch nicht zu empfehlen.

Ganz vermeiden lässt sich das nicht, denn 1450 kg Leergewicht treffen auf lediglich 95 PS. Erwartungsgemäß wird der Fiat Tipo 1.3 Multijet kein Rennen gewinnen. Mit 200 Nm Drehmoment ab 1500 U/min und dem manuellen Fünfganggetriebe mit eher kurzen Übersetzungen – präzise, wenngleich die Schaltwege etwas kürzer sein könnten – ist bei moderaterem Tempo dennoch ein gewisser Schwung möglich.

Was ihm bei den Fahrleistungen und beim Komfort fehlt, gleicht er beim Durst aus – genauer gesagt durch dessen Abwesenheit. Der Verbrauch bewegte sich zwischen 3,7 l/100 km bei 90 km/h und 6,6 l/100 km bei maximaler Ausnutzung der 95 PS. Bei Autobahntempo von 120–130 km/h lag er bei 5,3 l/100 km, in der Stadt sehr nah bei 6,0 l/100 km. Im Alltag, also mit Stadtverkehr und einigen Schnellstraßenabschnitten, waren es 5,1–5,2 l/100 km.

Ist das das richtige Auto für mich?

Der Fiat Tipo 1.3 Multijet bleibt die günstigste Möglichkeit auf dem Markt, einen kompakten Diesel-Kombi zu fahren, der geräumig, sparsam und robust ist. Für viele Käufer könnte das bereits das entscheidende Argument sein.

Die hier getestete Sport-Version kostet mit Sonderausstattung mehr als 25.000 Euro, andere Fiat Tipo 1.3 Multijet beginnen jedoch bereits bei etwas über 20.000 Euro.

Sein wichtigster Konkurrent, der Skoda Scala, ist moderner und insgesamt das hochwertigere Angebot – mit sorgfältigerer Präsentation und umfangreicherer Technik. Seine günstigste Dieselversion, der 1.6 TDI, ist allerdings ebenfalls deutlich teurer. Sie startet bei über 26.000 Euro, also sogar leicht oberhalb des günstigsten Tipo 1.6 Multijet mit 120 PS.

Damit befindet sich der Fiat Tipo 1.3 Multijet ein wenig zwischen den Stühlen, verfügt aber weiterhin über überzeugende Argumente wie den niedrigen Verbrauch oder die geringere steuerliche Belastung.

Grundsätzlich ergibt ein Diesel umso mehr Sinn, je mehr Kilometer gefahren werden. Kann der Fiat Tipo 1.3 Multijet ein langstreckentauglicher Familienwagen sein? Ohne Zweifel. Große Distanzen lassen sich komfortabel zurücklegen. Lediglich die Geräuschdämmung bei Autobahngeschwindigkeit könnte besser sein, denn Abroll- und Windgeräusche sind deutlich wahrnehmbar – ein Teil der Ursache könnten die groß dimensionierten Räder sein …

Fazit? Der Tipo hat eindeutig mehr Argumente als nur seinen günstigen Preis – Low Cost? Nicht wirklich …

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