Zum Inhalt springen

McLaren 750S: Das beinahe perfekte Supercar

Blauer McLaren-Sportwagen driftet mit Rauchentwicklung auf Rennstrecke in Kurve.

Manche Autos sind für mich beinahe zufällig perfekt. Natürlich hatten die Teams dahinter genau dieses Ziel und wussten, was sie taten. Trotzdem bin ich überzeugt, dass diese seltenen Maschinen irgendwie mehr bieten als die Summe ihrer Teile. Sie besitzen eine eigentümliche Alchemie, die ebenso sehr auf Zufall und Glück wie auf Konstruktion beruht.

McLaren 720S und 750S: Supercars mit besonderer Alchemie

Der McLaren 720S und inzwischen auch der 750S sind Paradebeispiele dieser Gattung. Auf dem Papier sind sie selbstverständlich ziemlich fabelhaft, doch in der Realität erledigen sie alles, was man sich nur wünschen kann, mit verblüffender Leichtigkeit. Und offenbar völlig kompromisslos. Möchte man gemächlich durch die Stadt rollen und mit diesen albernen Türen angeben, die das innere Kind vor Freude tanzen und kreischen lassen? Kein Problem. Muss man bis morgen früh in Südfrankreich sein? McLarens magisches Raumschiff bringt einen schnell und vollkommen komfortabel dorthin. Soll einer freundlichen Gruppe gezeigt werden, wie wild, intensiv und urkomisch ein hochmodernes Supercar sein kann? Dann ist der 750S der König.

Dieser letzte Punkt ist womöglich ziemlich speziell. Doch genau das erlebte ich kürzlich, als Sir Chris Hoy mich fragte, ob ich bei einem Wohltätigkeits-Trackabend auf dem Donington Park zur Unterstützung von Tour de 4 dabei sein wolle. Bei Chris wurde vor inzwischen rund drei Jahren Krebs im Stadium 4 diagnostiziert; seither sammelt er Aufmerksamkeit und Geld. Ich ergriff die Gelegenheit, zu helfen, sofort – und mein erster Anruf ging an McLaren.

Der McLaren 750S auf dem Donington Park

So rollte ich im 750S auf P Zero Corsa-Strassenreifen in die Boxengasse, umgeben von einem Meer überwiegend aus GT3- und GT3-RS-Modellen auf extrem haftenden Cup 2Rs. Gesteuert wurden sie allesamt von nationalen oder Weltmeisterfahrern. Jason Plato, Matt Neal, Marino Franchitti – in einem LaFerrari! – und Karun Chandhok, um nur einige zu nennen. Dazu kam noch ein Typ namens Chris Harris. Eingeschüchtert? Aber sicher. Zumal ich seit verdammt langer Zeit nicht mehr in Donington gefahren war und nicht einfach vorsichtig und gemächlich herumrollen konnte, wenn die Leute dafür bezahlt hatten, begeistert zu werden.

Zum Glück bewahrte mich der 750S vor einer Blamage. Was für ein Auto! Auf der Geraden liess er die GT3s wie einfache Boxster aussehen, hielt in den Kurven mit ihnen mit und bot sämtliche Leistung sowie die nötige Kontrollierbarkeit, um für die vielen auf die Strecke gerichteten Kameras und Smartphones völlig übertrieben querzufahren. Nichts trifft einen so wie ein McLaren, und die Mitfahrer waren von der Performance und Präzision buchstäblich fassungslos. Als ich einige daran erinnerte, dass der kommende W1-Hypercar ungefähr gleich viel wiegen und die Leistung eines ganzen GT3 zusätzlich haben würde, schalteten sie ab: Das Konzept überstieg ihre Vorstellungskraft.

Warum der 750S für McLaren zum Problem werden kann

Genau darin liegt das Problem: Der 750S ist vielleicht zu gut. Wie soll man ihm folgen? Weshalb sollte man für ein noch stärkeres Modell ein Vielfaches des Preises ausgeben, wenn dieses Auto bereits so absurd schnell ist? Warum einen Artura kaufen, wenn ein gebrauchter 720S eine so überzeugende Alternative darstellt? Wer braucht einen GT S – ja, dieses Auto wird noch immer gebaut –, wenn der 750S so komfortabel und alltagstauglich ist? McLarens perfektes Auto ist atemberaubend und verdient all das Lob dafür. Zugleich ist es jedoch auch ein gewaltiger Schmerz im Hintern.

Tour de 4 2026 findet am Sonntag, dem 6. September, in Glasgow statt

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen