Keltisch gegen Rangers, macOS gegen Windows, Yorkshire-Leute gegen Yankees – die uralten Rivalitäten der Schwergewichte. Und Ford gegen Vauxhall: Seit Langem lassen wir Focus gegen Astra, ST gegen GSi und Fiesta gegen Corsa antreten. Ihre neuesten Familienautos der breiten Mitte gegeneinanderzustellen, gehört daher eigentlich zum Pflichtprogramm. Nur haben sich die Rahmenbedingungen inzwischen verändert.
Zunächst einmal sind die Familienautos von Ford und Vauxhall, sofern sie über Dienstwagenprogramme bezogen werden, heute elektrische Crossover. Entsprechend stehen hier Explorer und Grandland. Doch die tektonischen Verschiebungen reichen weiter. Ford und Vauxhall sind längst nicht mehr wirklich die dominierenden Marken. Volkswagen verkauft in Großbritannien mit deutlichem Abstand am meisten; Ford und Vauxhall liegen sogar hinter den „Premium“-Herstellern BMW und Audi sowie dem vergleichsweise neuen Anbieter Kia.
Die einstigen Großkonzerne greifen deshalb zu einer naheliegenden Sparmaßnahme: gemeinsamen Plattformen. Unter dem Grandland steckt der STLA-Medium-Baukasten des Mutterkonzerns Stellantis, den auch der Peugeot e-3008 nutzt. Ford musste sich außerhalb des eigenen Konzerns umsehen und entschied sich für die Grundtechnik des VW ID. Heute lässt sich durch Abstimmung viel dafür tun, dass sich verwandte Fahrzeuge unterschiedlich anfühlen. Doch vieles lässt sich eben nicht verändern.
Fotos: Oliver Brookwell
Nach den Tabellen der Branche sind dies also nicht die beiden wichtigsten Autos ihrer Klasse. In der kollektiven Erinnerung sind sie es allerdings sehr wohl. Großbritannien kann sich von Vertreter-Mondeos und -Vectras sowie von den geliebten Familienautos aus den Werken Ellesmere Port und Dagenham nicht lösen. Kürzlich widmete BBC Radio 4 in der Sendung Today dem Zustand der hiesigen Elektroauto-Produktion einen Beitrag.
Dort kam die Chefin von Ford of Britain zu Wort, die für Kaufanreize bei Elektroautos warb und andeutete, Fords Fahrzeuge seien für die britische Industrie zentral. Der Interviewer hielt ihr nicht entgegen, dass Ford seit 22 Jahren kein Auto mehr im Land gebaut hat. Denn noch immer gelten Ford und Vauxhall für viele als nationale Flaggschiffe. Früher oder später wird daher jemand im Pub einen Top-Gear-Leser fragen, welches Auto des neuen Zeitalters besser ist: der Ford oder der Vauxhall. Genau deshalb haben wir diesen Vergleich gemacht.
Ford Explorer und Vauxhall Grandland: Antrieb, Reichweite und Design
Explorer und Grandland erfüllen denselben Zweck. Für den Test treten beide mit einem einzelnen Elektromotor an. Beim Ford sitzt er hinten, leistet praktische 286 PS und wird von einer 77-kWh-Batterie versorgt. Der Vauxhall fährt mit Frontantrieb, zurückhaltenderen 213 PS und einem 73-kWh-Akku. Nach dem vergleichbaren, aber unrealistischen WLTP-Zyklus beträgt die Reichweite 576 km beim Ford und 523 km beim Vauxhall. Wer auf Nummer sicher gehen möchte und bereit ist, für Lithium zu bezahlen, das wahrscheinlich selten gebraucht wird, kann bald auch zum Grandland mit 700 km Reichweite greifen. Als Ausgleich für die geringere Leistung und Reichweite ist der Vauxhall bei vergleichbarer Ausstattung mehr als 10 Prozent günstiger als der Ford.
Ford bietet sogar zwei eng verwandte elektrische Familien-SUVs an, die beide Namen aus der Verbrenner-Ära wiederbeleben. Der Capri gibt sich dabei etwas geschmeidiger. Der Explorer hingegen greift zumindest optisch die kantige Tradition des amerikanischen Pick-ups auf, dessen Namen er trägt. In seiner Front steckt sogar ein Hauch F-150 Lightning. Auch der Grandland hat eine massige Zwei-Box-Silhouette, wirkt durch scharf gezogene Sicken an den Flanken und feinere Außendetails aber eher wie ein klassisches Auto. Merkwürdigerweise ähnelt er auf kleinen Bildern stark dem alten Grandland; steht er tatsächlich vor einem, wird der große Fortschritt beim Design deutlich.
Im Innenraum fällt der Wandel gegenüber dem Vorgänger beim Grandland noch stärker aus. Eckige, horizontale Linien prägen das Cockpit, dazu kommen zeitgemäßere Materialien wie Stoff auf Türverkleidungen und Armaturenbrett sowie ein unverblümt künstliches, aber nicht unangenehmes karbonfaserähnliches Gewebe. Diese Ultimate-Ausstattung bringt zwei breite Displays mit glitzernden Grafiken mit. Das Stellantis-Betriebssystem erschließt sich beim ersten Kontakt nicht sofort, lässt sich nach etwas Eingewöhnung aber so konfigurieren, dass die persönlichen Prioritäten der meisten Nutzer im Vordergrund stehen.
Das gilt, obwohl dem Vauxhall die i-Toggle-Schnellwahltasten des verwandten Peugeot fehlen. Physische Tasten führen zum Startbildschirm und zu den Fahrerassistenzfunktionen. Eine weitere Reihe fester Bedienelemente übernimmt sämtliche wichtigen Klimafunktionen – mit Ausnahme der von mir am häufigsten genutzten Luftverteilung. Pluspunkte sammelt der Grandland jedoch mit seinen äußeren Luftauslässen in den Türen: Frischluft erreicht damit das Gesicht des Fahrers statt dessen Knöchel. Die höchste Ausstattung umfasst außerdem ein sehr informationsreiches Head-up-Display, was hilfreich ist, da das Fahrerdisplay seine Pixel nicht besonders sinnvoll nutzt.
Immerhin ist dieses Fahrerdisplay größer als das des Explorer, der mit dem berüchtigt minimalistischen VW-Instrumenteneinsatz auskommen muss. Dafür ersetzt Ford den VW-Touchscreen durch ein wirklich großes, eigenes Display. Es ist leicht verständlich, gut ablesbar, sinnvoll konfigurierbar und im Allgemeinen ein Musterbeispiel für Logik. Oder zumindest entspricht seine Logik der Funktionsweise meines Gehirns – solche Dinge sind nun einmal persönlich. Der Bildschirm lässt sich zudem elektrisch schwenken, wahlweise flacher und unauffälliger oder höher und leichter erreichbar.
„Der Ford fühlt sich tatsächlich schwerer an. Doch gerade damit wirkt er flüssiger, gelassener und erwachsener“
Der „Getriebewählhebel“ – tatsächlich steuert er natürlich den Motor – sitzt rechts am Lenkrad. Dadurch müssen Fernlicht, Scheibenwischer, Waschanlage und Blinker auf einem einzigen Hebel links zusammengedrängt werden. Der Hauptlichtschalter ist die verwirrende VW-Touch-Bedienung. Außerdem übernimmt Ford das absurd kontraintuitive VW-System mit zwei Schaltern für vier Fensterheber. Weshalb hat Ford das nicht einfach gestrichen? Skoda hat es vorgemacht.
Beide Modelle bieten gute Vordersitze und überzeugende Sitzpositionen. Die drei Fondpassagiere im Ford sind besser dran als ihre Gegenüber im Vauxhall, weil der Ford spürbar mehr Beinfreiheit bereitstellt. Beim Kofferraumvolumen liegt dagegen der Vauxhall vorn. Beide Gepäckräume haben einen Boden auf zwei Ebenen, sodass sich schmutzige Gegenstände darunter verstauen lassen. Beim Stauraum im Innenraum gewinnt der Ford, dessen verschiedene Ablagen etwas größer ausfallen. Sie bieten zudem zusätzliche Kniffe: etwa ein Fach mit Cupholdern, das oben oder unten in Schienbeinhöhe positioniert werden kann, sowie ein verstecktes Fach hinter dem zentralen Display, das elektrisch schließt und beim Verriegeln des Autos abgeschlossen wird.
Fahrverhalten von Explorer und Grandland
Wir haben das Gewicht der Fahrzeuge auf dieser VW-Konzernplattform häufig kritisiert, und der Ford bringt stattliche 2.090 kg auf die Waage. Der Vauxhall wiegt sogar noch etwas mehr, wenn auch nur um vernachlässigbare ein Prozent. Dennoch vermittelt der Grandland den Eindruck, das leichtere Auto zu sein. Seine federleichte, für unseren Geschmack zu leichtgängige Lenkung legt den Grundstein dafür. Auch die Federung reagiert in ihrer ersten Auf- und Abbewegung sehr schnell, beinahe wie bei einem Kleinwagen.
An diese Lenkung muss man sich allerdings erst gewöhnen. Auf der Schnellstraße funktioniert sie gut und bleibt in Geradeausstellung stabil; schon bei geringem Lenkeinschlag reagiert sie jedoch überraschend direkt und wirft das Auto in die Kurve. Das verstärkt den oberflächlichen Eindruck von Agilität. Sie unterscheidet sich übrigens von der sanfteren Abstimmung des Peugeot e-3008. Die frequenzselektiven Dämpfer kontrollieren große Karosseriebewegungen recht überzeugend, doch gelegentlich gibt es ein unruhiges sekundäres Flattern, und insgesamt federt der Wagen ziemlich straff. Federung und Reifen arbeiten jedoch leise.
Da der Motor des Grandland wesentlich weniger Drehmoment liefert als jener des Explorer, bereitet Traktion keine Sorgen. Genau darin liegt natürlich auch das Problem: Der Vauxhall ist klar der langsamere der beiden und zieht aus jeder Geschwindigkeit schwächer durch. Für ein Familienauto kann man ihm trotzdem keine Untermotorisierung vorwerfen. Ärgerlicher ist das Bremspedal, das zu stark unterstützt und schwammig wirkt. Dadurch tritt man schnell zu kräftig hinein, sodass die Kindergetränke verschüttet werden. Wählt man über die Schaltwippen maximale Rekuperation, reagiert das Fahrpedal bei langsamen Manövern recht nervös.
Der Ford fühlt sich also tatsächlich schwerer an. Er geht damit aber geschmeidiger, souveräner und reifer um. Seine Lenkung hat mehr Gewicht, liefert jedoch stets die erwartete Rückmeldung. Eine feine, aber erkennbare Heckantriebsbalance ist vorhanden – kein Übersteuern, sondern eine Arbeitsteilung, bei der die Hinterräder antreiben und die Vorderräder lenken. Er liegt besser auf der Straße und neigt sich progressiver. Das Fahren bereitet auf subtile Weise Freude.
Zudem ist er leistungsstärker als der Grandland und erreicht 100 km/h in derselben Zeit wie ein Focus ST. Die serienmäßige Gaspedalkennlinie passt bestens; es gibt zwar eine Sportabstimmung, doch sie verlagert die Wirkung lediglich an den Beginn des Pedalwegs, ohne die absolute Leistung zu verbessern. Dank seines Fahrwerks kann der Ford seine Mehrleistung gegenüber dem Grandland ohnehin mit weniger Aufregung umsetzen. Bei niedrigem Tempo spricht die Federung des Ford etwas geschäftig an, doch mit zunehmender Geschwindigkeit wird er eindeutig weniger aus der Ruhe gebracht als der Vauxhall. Das Bremspedal fühlt sich künstlich an, ist aber progressiver als im Vauxhall. Außerdem lässt sich eine adaptive Rekuperation aktivieren, die Radar- und Navigationsdaten nutzt, um bei einem langsamer werdenden Vordermann oder einer bevorstehenden Kreuzung zu verzögern.
„Ford verkauft vielleicht den besseren Volkswagen, aber Peugeot den besseren Vauxhall“
Beide erhalten eine recht umfassende Palette an Fahrerassistenten. Spurzentrierung und adaptiver Tempomat lassen sich daher in zähfließendem Stadtverkehr und auf Autobahnen nutzen – obwohl die Fahrwerke bei Tempo auch ohne elektronische Hilfe zuverlässig die Spur halten. Das Spurverlassensystem des Ford greift auf Landstraßen oft ins Lenkrad, obwohl man eine vollkommen vernünftige Linie fährt; per Schnellzugriff lässt es sich aber deaktivieren. Rundumkameras gehören bei diesen Ausstattungen ebenfalls dazu, und das ist angesichts der dicken Säulen, hohen Fensterlinien und der Wahrscheinlichkeit, dass Kinder die Heckscheibe verdecken, sinnvoll.
Reichweite, Laden und Preise
Diese Testfahrt war nicht besonders lang, doch mit dem Antrieb des Ford haben wir umfassende Erfahrungen. Wir können deshalb sicher sagen, dass er an einem milden Tag bei vernünftiger Fahrweise 451 km auf der Autobahn schafft und auf ruhigeren Strecken noch weiter kommt. Beim Vauxhall wären auf der Autobahn 402 km realistisch. Einen Haken gibt es allerdings: Ford verlangt für die Wärmepumpe einen Aufpreis, während sie beim Vauxhall serienmäßig ist. Ein Explorer ohne dieses Extra dürfte im Winter daher stärker verlieren. Die maximale Ladeleistung liegt beim Vauxhall leicht höher, seine Batterie ist etwas kleiner. An einer üblichen 150-kW-Ladesäule benötigt er von 10 auf 80 Prozent deshalb einige Minuten weniger und bleibt knapp unter einer halben Stunde. Mit diesen 80 Prozent kommt er natürlich nicht so weit.
Wer mit der bescheideneren Leistung und Reichweite leben kann, für den sieht der Vauxhall günstiger aus. In dieser Ultimate-Ausstattung mit Matrixlicht, Panorama-Glasdach, aufgewerteter Hi-Fi-Anlage, Wärmepumpe und 20-Zoll-Rädern kostet er £45,195, wobei der Preis inzwischen auf £40,495 gesunken ist. Beim Ford erfordert diese Ausstattung die Premium-Version für £49,975 sowie zwei Optionspakete für weitere £2,350.
Mit der Select-Ausstattung des Explorer wären wir zufrieden. Er fährt sich besser und ist schneller. Gegen den Grandland setzt er sich durch. Damit wäre der alte Zweikampf britischer Rivalen entschieden. Die Geschichte hinter den Kulissen der Industrie ist allerdings etwas vielschichtiger: Ford verkauft vielleicht den besseren Volkswagen, aber Peugeot den besseren Vauxhall.
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