Mercedes-Benz beschäftigt viele kluge Köpfe – und genau diese sollten nach eigener Aussage das bislang „cleverste“ Auto der Marke entwickeln. Das Ergebnis ist der neue CLA, der eine ganze Modellfamilie mit dem Stern einläutet. Zum Start stehen zwei elektrische Antriebsvarianten bereit: der heckgetriebene „250+“ sowie der stärkere allradgetriebene „350“.
Mercedes-Benz CLA: Antrieb, Batterie und Reichweite
Beide Varianten basieren auf einer 800-Volt-Architektur, die aus dem Konzeptfahrzeug Vision EQXX übernommen wurde, und nutzen eine Batterie mit 85 kWh. Der CLA 250+ soll damit bis zu 792 km weit kommen, der CLA 350 erreicht 771 km. An einer Gleichstrom-Schnellladesäule mit 350 kW lassen sich während einer zehnminütigen Kaffeepause mehr als 322 km Reichweite nachladen; nach weiteren 12 Minuten ist der Akku zu 80 Prozent gefüllt. Da kann man sich ruhig noch einen zusätzlichen Haferflapjack holen.
Auch die Leistungsdaten sehen ordentlich aus: 268 PS gegenüber 349 PS, 335 Nm gegenüber 515 Nm sowie 0 auf 100 km/h in 6,7 gegenüber 4,9 Sekunden. Beide Modelle werden bei 209 km/h abgeregelt und verfügen über das neue Zweigang-Automatikgetriebe von Mercedes-Benz. Der erste Gang ist gezielt auf gleichmässiges Beschleunigen im Stadtverkehr ausgelegt, während der zweite für Autobahnfahrten und die Kraftentfaltung bei höherem Tempo zuständig ist. Im Kern soll das die Belastung im Getriebe besser verteilen.
Für die Rekuperation stehen bis zu vier Stufen bereit. Serienmässig verbaut Mercedes-Benz zudem ein komfortbetontes Fahrwerk mit Dreilenker-Vorderachse und Mehrlenker-Hinterachse. Der Achsschenkel, der den unteren Querlenker der Aufhängung mit dem Federbein verbindet, ist stärker auf hohe Sturzsteifigkeit ausgelegt. Das soll das Ansprechen der Lenkung verbessern und zugleich Fahrgeräusche verringern.
Gegen Ende des Jahres will Mercedes-Benz das CLA-Angebot erweitern: Zusätzlich kommt eine Version mit kleinerem 58-kWh-Akku, ergänzt durch drei 48-Volt-Hybride. Diese Hybridmodelle kombinieren einen neuen 1,5-Liter-Turbobenziner mit vier Zylindern, eine kleine Batterie mit 1,3 kWh und ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Rein elektrisch sollen sie bis 100 km/h fahren können und wahlweise mit Front- oder Allradantrieb erhältlich sein. Vielleicht ist das der Moment, in dem AMG mit einer kräftigen Dosis Canards, grossen Flügeln und noch mehr Leistung eingreift? Man wird ja wohl träumen dürfen.
Design des neuen CLA und Ausstattung im Innenraum
Beim Styling könnte AMG tatsächlich irgendwann gefragt sein, denn laut Mercedes-Benz werden sich Elektro- und Hybridversionen fast nicht voneinander unterscheiden. Die Form wirkt gelungen, auch wenn die Front weniger aggressiv als beim Konzeptfahrzeug ausfällt. Gegenüber dem Vorgänger ist die Karosserie höher, breiter, länger und aerodynamischer; der Luftwiderstandsbeiwert liegt bei lediglich 0,21. Langer Radstand, kurze Überhänge, ein eingezogenes Heck und kraftvolle Proportionen übernehmen die Grundgedanken des bisherigen Modells – wurden nun aber mit etwa so vielen Sternen versehen wie eine durchschnittliche Galaxie.
Allein im Kühlergrill sitzen 142 davon. Bei Ankunft und Abschied inszenieren sie sogar eine Lichtshow. Hinzu kommen Lichtsignaturen in Form des dreizackigen Sterns, die auf beiden Seiten durch ein Leuchtenband verbunden werden. Zur Auswahl stehen bis zu zehn Felgendesigns in Grössen von 43 bis 48 cm; für eine bessere Effizienz sind Radblenden optional erhältlich.
Im Innenraum erhält der CLA einen schwebend wirkenden Superscreen, der sich über die gesamte Breite des Cockpits zieht. Er besteht aus einem 10,25-Zoll-Fahrerdisplay, einem zentralen 14-Zoll-Bildschirm und einem optionalen 14-Zoll-Display auf der Beifahrerseite – alles unter einer edlen Glasfläche. Ein 12,2-Zoll-Head-up-Display lässt sich ebenfalls bestellen.
Zur weiteren Innenausstattung gehören ein Panorama-Glasdach serienmässig, eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone, vier zusätzliche USB-Anschlüsse sowie optional ein Burmester-Surround-Soundsystem mit 850 Watt. Auch bei den Zierelementen wird einiges geboten: offenporiges Holz und gebürstetes Aluminium kommen zum Einsatz, während dekorative Papieroberflächen laut Mercedes-Benz erstmals in der Automobilindustrie verwendet werden.
Die Sitze mit Perleffekt sind in fünf Farben und zwei Ausführungen verfügbar: serienmässig oder als Sportversion. Letztere besitzt ausgeprägtere Seitenwangen und schlankere Kopfstützen für einen, nun ja, sportlicheren Auftritt. Nicht zu vergessen sind die grossartigen Luftausströmer von Mercedes-Benz. Von der roten Einstellung der 64-farbigen Ambientebeleuchtung würden wir allerdings eher abraten, denn dann erinnern sie ein wenig an Saurons Auge. Unheimlich, wir wissen es.
Der CLA ist zudem das erste Mercedes-Benz-Modell seit neunzig Jahren mit einem Frontkofferraum; zuletzt bot dies der 130. Vorn stehen zusätzliche 101 Liter Stauraum bereit, ergänzt durch 405 Liter im Heck. Für diese Art von Fahrzeug reichlich Platz.
MB.OS, künstliche Intelligenz und Assistenzsysteme
Kommen wir zu den wirklich cleveren Technikthemen: Der CLA erhält die vierte Generation des MBUX-Betriebssystems, die einfallsreich … MB.OS genannt wird. Dahinter arbeitet ein Supercomputer, der direkt mit der Intelligent Cloud von Mercedes-Benz verbunden ist. Dadurch können Funktionen wie Fahrerassistenzsysteme unkompliziert, wirksam und regelmässig per Over-the-Air-Update aktualisiert werden, was die langfristige Nutzbarkeit des Fahrzeugs sichern soll.
Ausserdem ist dies das erste Fahrzeug, das künstliche Intelligenz von Microsoft und Google integriert. Von Google stammt auch eine neue, auffällige 3D-Navigation auf Kartenbasis. Sie zeigt nicht nur das eigene Auto und die vorausliegende Strasse, sondern auch Objekte in der Umgebung – darunter andere Verkehrsteilnehmer und Fussgänger –, um das Situationsbewusstsein zu verbessern. Am besten dreht man damit eine Runde um den Arc de Triomphe, um zu sehen, was sie wirklich kann.
Die weitere grosse Neuerung heisst MBUX Virtual Assistant. Er nutzt die aktuelle Version von ChatGPT zusammen mit der Suchmaschine Bing, um Fragen zu beantworten. Offenbar wurde viel Aufwand betrieben, damit Gespräche weniger roboterhaft und natürlicher wirken. Dank einer Kurzzeitgedächtnis-Funktion sollen Fragen nicht stets vollständig wiederholt werden müssen. Der Assistent „erkennt“ zudem Emotionen und reagiert entsprechend, indem er die Farben an die Stimmung anpasst. Grün steht für Freude, Rot für die Verachtung, die aufkommt, wenn man an einer Raststätte ohne Haferflapjacks anhält.
Das Sicherheitspaket kombiniert fünf Radare, acht Kameras und 12 Sensoren. Es umfasst nach SAE Level 2 eingestufte Funktionen wie Abstands- und Lenkassistent sowie unter anderem die üblichen Spurwechsel- und Parkassistenten.
Die Preise für den neuen CLA will Mercedes-Benz näher am Produktionsbeginn bekannt geben, der noch für dieses Jahr erwartet wird.
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