Auch Luxusmarken können sich der Krise, die die Automobilindustrie erschüttert, nicht entziehen. Die JLR (ehemals Jaguar Land Rover) ist dafür ein anschauliches Beispiel.
In den kommenden zwei Jahren will der britische Hersteller rund 4000 Stellen streichen. Damit reagiert JLR auf ein Geschäft, das geringere Umsätze erzielt und zugleich mit stetig steigenden Kosten konfrontiert ist.
Betroffen sein dürften vor allem Beschäftigte in Bereichen außerhalb der unmittelbaren Produktion. Geplant sind Stellenabbauten in Entwicklung, IT, Vertrieb, Personalwesen, Kommunikation und Marketing. Wie Automotive News Europe berichtet, möchte das Unternehmen dabei vorrangig auf freiwillige Austritte setzen.
„Die Automobilindustrie steht vor erheblichen Herausforderungen“, erklärte PB Balaji, der Chief Executive Officer des Konzerns.
JLR will den Break-even-Punkt senken
Der Hersteller hat sich zum Ziel gesetzt, die jährlich erforderliche Verkaufszahl für den finanziellen Break-even auf etwa 300.000 Fahrzeuge zu reduzieren. Das liegt deutlich unter den 352.389 Einheiten, die im vergangenen Jahr verkauft wurden.
Zusätzlich rechnet der Konzern damit, durch dieses Kostensenkungsprogramm innerhalb der nächsten zwei Jahre rund 1,7 Milliarden Pfund einzusparen. Beim aktuellen Wechselkurs entspricht das etwa 1,97 Milliarden Euro.
Der Kostendruck folgt auf eine besonders schwierige Phase. Im vergangenen Geschäftsjahr sank der Gewinn vor Steuern und Sondereffekten von 2,5 Milliarden Pfund auf lediglich 14 Millionen Pfund.
Auch die Erholung ist noch längst nicht abgeschlossen. Im jüngsten Quartal ging der Umsatz um 9,6 % auf sechs Milliarden Pfund zurück. Der Gewinn vor Steuern und Sondereffekten brach zugleich um 68,9 % auf 109 Millionen Pfund ein, was ungefähr 127 Millionen Euro entspricht.
Für die Entwicklung gibt es nicht nur einen einzelnen Grund. Zu den Belastungsfaktoren zählen die schwächere Nachfrage in China, die US-Zölle und der Cyberangriff auf das Unternehmen im Jahr 2025, der die Produktion für fünf Wochen zum Stillstand zwang.
Weiterhin hohe Investitionen
Trotz des geplanten Personalabbaus will JLR seine Investitionen nicht bremsen – im Gegenteil. Für die kommenden fünf Jahre bleibt ein Investitionsprogramm von 15 bis 18 Milliarden Pfund vorgesehen, umgerechnet etwa 18 bis 21 Milliarden Euro. Ein großer Teil dieser Mittel soll in Elektrifizierung, Technologie und die Modernisierung der Werke fließen.
Das Unternehmen bereitet mehrere wichtige Modellneuheiten vor. Der erste elektrische Range Rover wurde zu Beginn dieses Monats vorgestellt. Jaguar arbeitet ebenfalls an einer neuen Generation ausschließlich elektrischer Modelle, was zur aktuellen Entscheidung beigetragen hat.
Parallel dazu will JLR das Hybridangebot der Marken Range Rover und Defender ausbauen. Diese Antriebsform hat insbesondere in den USA große Bedeutung, dem derzeit wichtigsten Markt des Unternehmens, wo großformatige Modelle weiterhin stark nachgefragt werden.
Ein wiederkehrendes Muster
Es ist nicht das erste Mal, dass JLR eine Restrukturierung dieses Umfangs durchführt. 2019 kündigte das Unternehmen ein Programm zum Abbau von rund 4500 Stellen an. Damals kämpfte es mit einem deutlichen Absatzrückgang in China, neuen Umweltauflagen und der durch den Brexit ausgelösten Unsicherheit.
In den darauffolgenden Jahren konzentrierte sich die Strategie darauf, Ressourcen auf die profitabelsten Modelle zu bündeln – vor allem auf Range Rover und Defender. Dieser Ansatz zahlte sich aus und ermöglichte eine deutliche Erholung.
Im Geschäftsjahr, das im März 2024 endete, erzielte JLR anschließend eines seiner besten Jahresergebnisse: einen Gewinn vor Steuern von 2,6 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 3 Milliarden Euro.
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