Zum Inhalt springen

Mercedes-Benz 500 E: Der Porsche-Mercedes mit 18 Tagen Bauzeit

Silberner Mercedes-Benz 500E Legend mit schwarzen Felgen in einem modernen Autohaus bei Tageslicht.

Stellen Sie sich vor, in Ihrer Garage wäre nur Platz für ein einziges Auto. Meine Entscheidung stünde fest: ein Mercedes-Benz 500 E. Vernünftig ist diese Wahl vielleicht nicht – beim Benzinpreis ganz sicher nicht –, doch sie wäre meine Wahl. Dieses Auto ist so außergewöhnlich, dass selbst seine Fertigung aus dem üblichen Rahmen fiel. Es hatte gewissermaßen zwei Eltern: Porsche und Mercedes.

Zum Glück dauerte diese „Schwangerschaft“ keine neun Monate. Von Beginn bis zur Fertigstellung vergingen rund 18 Tage. Jeder einzelne 500 E pendelte mehrfach zwischen den Werken der beiden deutschen Marken in Sindelfingen und Zuffenhausen, ehe er vollständig fertig war.

Mercedes-Benz 500 E: Produktion zwischen Sindelfingen und Zuffenhausen

Der Mercedes-Benz 500 E unterschied sich zu stark von den übrigen W124-Modellen, um auf dieselbe Weise gebaut werden zu können. Seine Karosserie war 56 mm breiter und passte deshalb nicht auf das Mercedes-Montageband.

Eine komplette Fabrik für ein Modell mit sehr begrenzter Stückzahl umzurüsten, wäre nicht sinnvoll gewesen. Mercedes-Benz entschied sich daher für eine andere Lösung und übergab Porsche einen Teil der Entwicklung sowie der Produktion. Für Porsche kam dieser „Auftrag“ zur rechten Zeit, denn das Unternehmen befand sich damals in einer schweren finanziellen Krise.

Dabei ging es keineswegs nur darum, in einem Werk ausreichend Platz zu finden. Porsche war maßgeblich daran beteiligt, den zurückhaltenden W124 in eine der schnellsten Limousinen seiner Generation zu verwandeln. Ich habe diese Geschichte hier bei Razão Automóvel bereits vor mehreren Jahren erzählt, doch sie ist es wert, erneut in Erinnerung gerufen zu werden.

V8, Fahrwerk und Karosserie des Mercedes-Benz 500 E

Die Aufgabe war anspruchsvoll: Der 5,0-Liter-V8 und das Getriebe des Mercedes-Benz 500 SL mussten eingebaut, das Fahrwerk überarbeitet, die Bremsen verstärkt und mehrere Karosseriebereiche neu gestaltet werden. Sogar die Batterie wanderte in den Kofferraum, um die Gewichtsverteilung zu optimieren.

Die Karosserieteile verließen Sindelfingen in Richtung Zuffenhausen, wo Porsche die Montage übernahm. Anschließend gingen sie zurück zu Mercedes-Benz, um lackiert zu werden. Die lackierte Karosserie kehrte danach erneut zu Porsche zurück: Dort wurden Motor, Getriebe, Innenraum und alle übrigen Komponenten installiert. Nach der Fertigstellung des Fahrzeugs stand noch eine letzte Fahrt zu Mercedes-Benz an.

Auf diese Weise vergingen die 18 Tage. Wenn Eile tatsächlich der Feind der Perfektion ist, kam dieser 500 E ihr sehr nahe. In dieser Galerie sehen Sie einige Bilder dieses Ablaufs.

Unter der Motorhaube arbeitete ein 5,0-Liter-Saugmotor-V8 mit 326 PS und 480 Nm, gekoppelt an ein Viergang-Automatikgetriebe. Die 100-km/h-Marke erreichte er nach 6,1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit war elektronisch auf 250 km/h begrenzt. Für eine Limousine, die zu Beginn der 1990er-Jahre vorgestellt wurde, waren das ausgesprochen beeindruckende Werte.

Diskretes Design und nur 10 479 Exemplare

Das Beste daran? Das Erscheinungsbild blieb dezent und elegant. Die Linien des ursprünglichen Designs von Bruno Sacco wurden lediglich etwas kräftiger betont. Abgesehen von den verbreiterten Kotflügeln, der geringeren Bodenfreiheit und den speziellen Stoßfängern verriet kaum etwas, wozu diese Limousine fähig war. Insgesamt entstanden nur 10 479 Exemplare.

Er war ein Zeitgenosse von Fahrzeugen wie dem BMW M5 (E34) und dem Lotus Omega. Später verband auch der Audi RS2 Leistung mit Zurückhaltung – interessanterweise ebenfalls unter Mitwirkung von Porsche. Von all diesen Fahrzeugen weiß ich jedoch genau, welches ich wählen würde. Und für diese Entscheidung brauche ich keine 18 Tage.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen