Der McLaren Artura ist der erste McLaren mit V6-Motor und zugleich das erste elektrifizierte Serienmodell der Marke aus Woking – lässt man die limitierten P1 und Speedtail außen vor. Damit läutet der McLaren Artura für McLaren eine neue Ära ein.
Auch der Ferrari SF90 Stradale setzt innerhalb der Marke aus Maranello bedeutende neue Maßstäbe: Er ist dort „nur“ das bislang stärkste Straßenmodell und außerdem der erste ohne Stückzahlbegrenzung gefertigte Serienwagen – anders als der LaFerrari.
Beide Modelle sind Plug-in-Hybride und weisen eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit auf: Ihre jeweils achtstufigen Doppelkupplungsgetriebe besitzen keinen herkömmlichen Rückwärtsgang.
McLaren Artura und Ferrari SF90 Stradale: Hybride ohne Rückwärtsgang
Eine Frage des Gewichts
Weshalb wird auf einen Rückwärtsgang verzichtet? Stark vereinfacht gesagt, lassen sich bei solchen Hybriden durch dessen Wegfall doppelte Komponenten vermeiden und zudem einige Kilogramm einsparen.
Wie bekannt, bringen Plug-in-Hybride deutlich mehr Gewicht auf die Waage als Fahrzeuge, die ausschließlich von Verbrennungsmotoren angetrieben werden. Dafür sorgen ein oder mehrere Elektromotoren, vor allem aber die Batterien zu ihrer Energieversorgung. Deshalb ist jede Maßnahme willkommen, die die Masse begrenzt.
Während zusätzliches Gewicht selbst bei einem „normalen“ Auto wegen der höheren Trägheit und der beeinträchtigten Fahrdynamik nachteilig ist, wird es bei zwei so konsequent auf Leistung ausgerichteten Supersportwagen wie dem McLaren Artura und dem Ferrari SF90 Stradale besonders entscheidend.
Trotz 7,4-kWh-Batterie und Elektromotor bleibt der britische Sportwagen fahrbereit unter 1500 kg: Sein Gewicht beträgt 1498 kg (DIN). Beim SF90 Stradale erhöht das Hybridsystem die Masse dagegen um 270 kg; insgesamt kommt er auf 1570 kg Trockengewicht. Hinzu kommen mindestens 100 kg für sämtliche für den Betrieb notwendigen Flüssigkeiten.
Ein kleiner Beitrag zur Verringerung des Mehrgewichts durch die elektrische Technik besteht gerade im Verzicht auf den Rückwärtsgang. Bei McLaren war dies die Lösung, der Kraftübertragung eine zusätzliche Fahrstufe zu geben, ohne ihr Gewicht zu erhöhen. Ferrari spart gegenüber dem bereits vorhandenen konventionellen Doppelkupplungsgetriebe dadurch insgesamt 3 kg.
Wie fahren sie rückwärts?
An dieser Stelle stellt sich vermutlich die Frage: „Okay, sie haben keinen Rückwärtsgang, können aber rückwärtsfahren. Wie machen sie das?“ Die Antwort liegt gerade in ihrer Plug-in-Hybridtechnik: Sie verfügen über einen Elektromotor, der für diese Aufgabe ausreichend leistungsstark ist.
Wie bei Elektroautos – die üblicherweise kein Getriebe, sondern lediglich ein einstufiges Untersetzungsgetriebe besitzen – kann der Elektromotor seine Polarität umkehren und sich dadurch in die entgegengesetzte Richtung drehen. So können Artura und SF90 Stradale rückwärtsfahren.
Beim Artura sitzt der 95 PS starke Elektromotor zwischen Getriebe und Kurbelwelle. Neben der Funktion des „Rückwärtsgangs“ unterstützt er den Verbrennungsmotor, treibt das Fahrzeug im rein elektrischen Modus an und kann außerdem die Gangwechsel glätten.
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