Der überarbeitete Jeep Avenger bringt eine 4×4-Hybridversion auf den Markt, die sich sowohl sparsam als auch geländegängig präsentieren will. Am Steuer ging es für mich ohne Bedenken in den Wald. Doch wie steht es auf Asphalt um den Benzinverbrauch im Vergleich zum rumänischen König?
„Genießen Sie es, so bleibt er nicht lange …“, scherzt das Jeep-Team. Das grelle Neon-Grün unseres Jeep Avenger dürfte tatsächlich bald kräftig Staub abbekommen – oder noch mehr. Spannend, doch entscheidend ist für mich vor allem, was man nicht sieht: der 4xe-Antrieb, ein elektrifizierter Allradantrieb, der den Amerikaner zu einem Hybrid-4×4 macht. Versprochen werden überzeugende Offroad-Fähigkeiten bei niedrigem Verbrauch. Muss der Dacia Duster, König der Preis-Leistungs-Modelle, zittern?
Im Datenblatt steht jedenfalls ein erfreulicher Wert von 5,4 l/100 km. Lässt sich das in der Realität erreichen, nachdem man die übelsten Waldspurrillen durchquert hat? Die Antwort gibt es am Ende – sofern ich nicht stecken bleibe. Nachdem die Bilder des noch sauberen Fahrzeugs im Kasten sind, beginnt die von Jeep vorbereitete Runde. Ein Druck auf den Startknopf genügt, und der Avenger setzt sich auf den ersten Metern lautlos in Bewegung. Das gefällt.
Das Erwachen des Dreizylinders: Wald-Charme mit Störfaktor?
Allerdings währt die Ruhe nicht lange: Kurz darauf springt der 1,2-Liter-Dreizylinder an, dessen Klang deutlich hörbar ist. Mitten in der Natur wirkt das fehl am Platz. In dieser Hinsicht sind meine Kollegen im elektrischen Compass besser unterwegs. Der Verbrauch schnellt dadurch direkt auf … 12,6 l/100 km. Beunruhigend? Nicht wirklich, denn der kalte Motor ist gerade erst erwacht. Dass er dann mehr verbraucht, ist nachvollziehbar. Also blenden wir das zunächst aus und genießen die Landschaft.
Wir befinden uns in einem abgelegenen Wäldchen unweit von Mainz: viele Bäume, viel Schatten. Bei den an diesem Tag gemessenen 32 °C ist das willkommen. Um den Verbrauch nicht zu verfälschen, fahre ich ohnehin mit geöffneten Fenstern und ohne Klimaanlage. Da wir zwischen 20 und 60 km/h unterwegs sind, hat das keinen Einfluss auf die Aerodynamik … Der Weg besteht an dieser Stelle aus Kies und stellt keine große Herausforderung dar. Trotzdem vibriert die Lenkung.
Schlamm, Spurrillen und 32 °C: Kommt der kleine Jeep wirklich überall durch?
Man spürt, wie die Vorderachse versucht, die Unebenheiten bestmöglich wegzustecken. Insgesamt ist die Dämpfung straff ausgelegt, damit man präzise weiß, wo die Räder stehen, und die 18-Zoll-Räder mit hohen Reifenflanken verbessern den Abrollkomfort keineswegs. Adaptive Dämpfer gibt es nicht, was im B-Segment völlig normal ist. Weniger selbstverständlich sind dagegen die sehr guten Fähigkeiten abseits befestigter Wege.
Vor uns wird es schlammiger. Zeit also, über den Jeep-exklusiven Selec-Terrain-Schalter den Modus Sand/Schlamm zu aktivieren. Neben einer veränderten Regelung der Traktionskontrolle fordert dieses Programm den hinteren Elektromotor mit 28 PS dauerhaft an, um bis 30 km/h den Allradantrieb aufrechtzuerhalten. Zwischen 30 und 90 km/h kann das System wieder auf Zweiradantrieb wechseln, wenn die Gripverhältnisse dies erlauben. Oberhalb dieses Bereichs fährt der Avenger grundsätzlich als Fronttriebler.
Das kompakte Format des Jeep Avenger macht zwischen den Bäumen den Unterschied
Angesichts des Schlamms bleiben wir deutlich unter 30 km/h. Vor uns liegt eine kleine Steigung. Ich beschleunige behutsam, die Räder drehen für einige Millisekunden durch, bevor die Reifen Halt finden. Der kleine 4×4 klettert hinauf, rutscht leicht weg und zieht wieder weiter. Dann wiederholt sich das Ganze. Besser, wir schließen die Fenster, bevor sich der Innenraum in einen Sumpf verwandelt. Der Benziner wird laut, während die beiden Elektromaschinen pfeifen. Die Steigung ist kräftig, aber keineswegs spektakulär: Auch der Duster dürfte sie ähnlich souverän bewältigen.
Oben angekommen, sollte man besser nicht auf den Verbrauch schauen: 10,4 l/100 km. Autsch, ich habe doch hingesehen … Weiter geht es durch den Wald, wo sich die kompakten Abmessungen des Avenger als großer Vorteil erweisen. Während meine Kollegen im Compass dicht an den Nadelbäumen entlangschrammen, schlängelt sich mein Testwagen völlig mühelos hindurch. Mit 4,11 Metern Länge und 1,80 Metern Breite ist das Fahrzeug tatsächlich ausgesprochen klein – und genau das ist hier ein Pluspunkt.
Die Schlussrechnung: 3,28 € für 20 km Jeep-Geländefahrt
Falls man sich dennoch unwohl fühlt, hilft die Frontkamera, die erst mit der Modellüberarbeitung hinzugekommen ist. Ich fahre daher ruhig weiter, wodurch sich der Elektromodus nutzen lässt und der Verbrauch sinkt. Die kommende Abfahrt dürfte den Durst zusätzlich bremsen. Es geht steil bergab, bevor der Weg abrupt wieder eben wird. Ich fürchte, aufzusetzen. Allerdings beruhigt der im Vergleich zu den 4×2-Versionen leicht verbesserte Böschungswinkel von 22°. Vertrauen schafft auch die Bergabfahrhilfe Hill Descent Control, die das Tempo bei der Abfahrt hält, ohne dass man bremsen muss.
Dasselbe gilt für die auf 210 mm erhöhte Bodenfreiheit, mit der sich Hindernisse überwinden lassen. Zusätzlich darf der Avenger 4xe bis zu 400 mm tief durchs Wasser fahren. Angesichts des Zustands unseres Autos wäre das passend gewesen … Wie auf den Bildern zu sehen ist, mangelte es der Strecke nicht an Schlamm. Und der Verbrauch? Er sinkt auf 8,2 l/100 km. Bei einem Preis von 2 € pro Liter Super E10 hat unser 20-km-Ausflug 3,28 € gekostet. Für eine Offroad-Fahrt, bei der die Geschwindigkeiten niedrig sind und das Gaspedal stark beansprucht wird, ist das nicht schlecht.
Platzangebot und Multimedia: Hier liegen die Schwächen
Schwach ist hingegen das Platzangebot im Fond, das zu knapp ausfällt. Die ohnehin mäßige Geräumigkeit wird zusätzlich durch einen breiten Mitteltunnel beeinträchtigt. Ohnehin dürfte kaum jemand freiwillig den mittleren Sitzplatz wählen. Vorn sieht es besser aus. Zumindest wirkt das Interieur hochwertiger, denn die Materialien wurden offensichtlich aufgewertet. Damit liegt es über dem Innenraum des Duster. Das Multimediasystem hinkt jedoch weiterhin hinterher: Grafik und Reaktionsgeschwindigkeit wirken überholt und liegen unter dem Niveau des Rumänen.
Schade, denn Ablagen gibt es reichlich, und die Ergonomie überzeugt mit echten Tasten am Lenkrad sowie physischen Kippschaltern für die Lüftung. Erstaunlich! Hinter der elektrischen Heckklappe wartet ein für diese Fahrzeuggröße ordentlicher Kofferraum mit 325 Litern. Ende des Tests? Noch lange nicht. Nach dem erfolgreichen Einsatz im Schlamm steht nun eine Straßenfahrt an. Vor den deutschen Landstraßen wird der Bordcomputer zurückgesetzt.
Auf der Straße: Fahrspaß vorhanden, aber leidet der Komfort?
Das Tempolimit von 100 km/h erlaubt es, die dynamischen Eigenschaften des Autos legal auszukosten. Die straffe Abstimmung begrenzt die Wankbewegungen in Kurven gut – für einen Jeep durchaus überraschend und erfreulich. Allerdings ist es recht laut. Wind- und Reifengeräusche sind deutlich wahrnehmbar. Auch der Dacia Duster filtert Turbulenzen nicht besser, doch die verwandten Modelle Peugeot 2008 und Opel Mokka arbeiten leiser. In Verbindung mit der etwas zu harten Dämpfung ist das beim Komfort klar kein Spitzenniveau.
Die Ortsdurchfahrten zeigen zudem, um welche Art von Hybridisierung es sich handelt. Anders als bei Toyota und Renault arbeitet hier kein Vollhybrid-, sondern ein Mildhybridsystem. Das ist beim Kauf günstiger, im Betrieb jedoch weniger effizient. Das sollte man im Hinterkopf behalten. Selbst bei 40 km/h ist es dann schwierig, rein elektrisch zu fahren. Man muss das Gaspedal extrem behutsam betätigen, damit der Benziner nicht anspringt, und selbst dann hält der elektrische Betrieb nur einige hundert Meter – wenn man es gut beherrscht.
6,4 l/100 km auf der Straße: Ist die Mildhybridtechnik des Avenger nicht effizient genug?
Der Verbrauch des Avenger fällt somit nicht so niedrig aus wie erhofft. Mit 6,4 l/100 km ist er weder zu hoch noch bemerkenswert. Mit 44 Litern Benzin sind mit einer Tankfüllung weniger als 700 km Reichweite einzuplanen. Der Duster LPG bietet mit seinen zwei Tanks deutlich mehr Ausdauer. Bei den Fahrleistungen sorgen die 145 PS sowohl beim Beschleunigen als auch bei Zwischenspurts lediglich für gerade ausreichende Werte. Das Getriebe? Ein elektrifiziertes Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Eine recht komplexe Konstruktion, die zwar recht sanft arbeitet, aber nicht besonders schnell reagiert und bei niedrigen Geschwindigkeiten deutlich pfeift.
Fazit: Lohnt sich dieser Mini-Offroader für mehr als 33.000 €?
Mit mindestens 33.790 € ist auch die 4xe-Version kein Schnäppchen. Sie verbindet zwar überzeugende Offroad-Eigenschaften mit kompakten Abmessungen, doch die Schwächen sind zu zahlreich, um diesen Preis zu rechtfertigen. Besser ist der Dacia Duster 4×4 LPG: größer und in jeder Hinsicht günstiger. Die Betriebskosten von LPG, das etwa 1 € pro Liter kostet, sind schlicht unschlagbar. Alternativ bietet sich ein Avenger mit Frontantrieb an, der günstiger ist, oder die Elektroversion, die sich zwangsläufig angenehmer fährt und im Betrieb noch sparsamer ausfällt. Dann könnte allerdings die Reichweite zum Problem werden …
Jeep Avenger 4xe Overland
36.090 €
Urteil
6.5/10
Das gefällt uns
- Die überzeugenden Offroad-Fähigkeiten
- Die handlichen Abmessungen
- Die recht gute Straßenlage
- Die verbesserte Innenraumqualität
Das gefällt uns weniger
- Das verbesserungswürdige Infotainment
- Die straffe Dämpfung
- Die schwache Geräuschdämmung
- Das begrenzte Platzangebot im Fond
- Die Effizienz der Hybridisierung auf der Straße
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