Zum Inhalt springen

Mapfour Roam im Test: Stark ausgestattetes eSUV für 2.599 Euro

Mann lädt E-Bike an Ladestation auf, Tasche mit Lebensmitteln hinten auf dem Gepäckträger befestigt.

Es gibt Fahrräder, bei denen man schon beim Blick auf das Datenblatt stutzt. Das Mapfour Roam gehört dazu: Mittelmotor mit 100 Nm, Vollfederung, Michelin-Carbonriemen, Nabenschaltung, integriertes GPS – und ein Einstiegspreis von 2.599 Euro.

Auf dem Papier entspricht das der Ausstattung eines eSUVs für 4.000 Euro von einer großen Marke, allerdings zum halben Preis. Das Versprechen klingt attraktiv, beinahe zu attraktiv. Doch wie schlägt sich das Rad nach dem Auspacken und auf den ersten gefahrenen Kilometern? Um das herauszufinden, habe ich dieses ungewöhnliche eSUV zu meinem Alltagsrad gemacht. Hier ist das Urteil.

Kräftig, elegant … und nicht gerade unkompliziert

Eines lässt sich über das Roam sofort sagen: Es wirkt ausgesprochen imposant. Die Verarbeitung ist ordentlich, die Oberflächen sauber ausgeführt, und die angenehm gerundeten Formen verleihen ihm eine gewisse Eleganz. Statt der kantigen, technisch wirkenden Optik vieler Fahrräder mit breiten Reifen setzt es auf eine weiche, beinahe beruhigende Silhouette. Optisch ist das sehr gelungen.

Wie sämtliche online gekauften Fahrräder wird auch das Roam zu 85 % vormontiert geliefert. Wegen der verbleibenden 15 %, die normalerweise schnell erledigt sind, hatte ich zunächst keine Bedenken. Zu Unrecht. Allein das Gewicht des Rads von 34 kg macht die Hilfe einer zweiten erwachsenen Person nötig, um es aus dem Karton zu heben. Der Aufbau lässt sich theoretisch allein erledigen, doch zu zweit ist es bekanntlich immer einfacher.

Das größte Problem war, den Vorbau zu drehen und korrekt auszurichten – nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Bei den meisten Fahrrädern, die ich bislang in den Händen hatte, ist das eine Formalität, hier jedoch nicht. Ich musste weit über das vernünftige Maß hinaus Kraft aufwenden und hatte dabei Sorge, etwas abzubrechen oder das Fahrrad dauerhaft zu beschädigen. Da es sich um ein Vorserienmodell handelt, gebe ich Mapfour in diesem Punkt den Vertrauensvorschuss und hoffe aufrichtig, dass Kundinnen und Kunden nicht dasselbe Problem erleben werden.

Auch die Anleitung erinnert ein wenig an eine IKEA-Bauanleitung, nur weniger gelungen. Ich rate daher klar dazu, die Montagevideos auf dem Mapfour-Kanal anzusehen: Gegenüber der gedruckten Anleitung allein sparen sie spürbar Zeit.

Auffällige Ähnlichkeiten

Äußerlich ähnelt das Roam stark dem ENGWE E26 3.0 Pro, das ich einige Wochen zuvor getestet hatte. Der Gesamteindruck ist so ähnlich, dass beide Modelle leicht verwechselt werden können. In beiden arbeitet der gleiche Mivice-X700-Mittelmotor, ein 250-W-Motor mit angegebenen 100 Nm Drehmoment, der über einen Drehmomentsensor gesteuert wird. Das ist kein Kritikpunkt, denn genau dieser Antrieb zählte zu den Stärken des E26 3.0.

Diese Parallelen sind keineswegs zufällig. Mapfour begann als Untermarke von ENGWE und wurde erst im vergangenen Jahr vom Mutterunternehmen unabhängig.

Die neue Marke tritt nun eigenständig mit einem klaren Ziel an: Sie will anspruchsvollere europäische Kundschaft ansprechen. Dafür möchte sich Mapfour vom Einstiegsimage von ENGWE lösen, gleichzeitig aber auf bewährte Standardkomponenten mit gutem Ruf setzen und preislich weiterhin offensiv bleiben.

In Frankreich ist das Roam der erste Botschafter dieses Aufstiegs. Damit wird nachvollziehbar, weshalb es die technische Basis mit dem ENGWE-Katalog teilt, zugleich aber in einer anderen Liga spielen möchte. Dennoch unterscheidet sich das Roam technisch deutlich von seinem Cousin. Während das ENGWE als abenteuerlustiges Fatbike auftritt – mit breiten 26 × 3,0-Zoll-Reifen mit reflektierenden Flanken, Kettenantrieb und Shimano-8-Gang-Schaltwerk, Federwegen von 80 und 30 mm sowie einem 4-A-Ladegerät, das den Akku in rund vier Stunden füllt –, richtet sich das Roam klar an ein urbaneres Publikum, das am Wochenende oder im Urlaub dennoch Spaß abseits der Stadt haben möchte.

Anstelle einer herkömmlichen Antriebskette nutzt es einen Michelin-Carbonriemen, der keinerlei Schmierung benötigt. Dazu kommen eine Shimano-Nexus-5-Gang-Nabe, straßenorientiertere Kenda-Reifen in 27,5 × 2,35 Zoll sowie ein großzügiger ausgelegtes Fahrwerk mit 100 mm Federweg vorn und 60 mm hinten.

Wirklich schnelles Laden

Wie üblich habe ich den Akku schon während der Montage angeschlossen. Die positive Überraschung: Das Roam wird mit einem 8-Ampere-Schnellladegerät geliefert, das den Akku in etwas mehr als zwei Stunden von 0 auf 100 % bringt. Bei einem Fahrrad dieser Klasse ist das ein konkreter Vorteil, weil sich der Akku während einer Mittagspause vollständig laden lässt. Laut Mapfour wurde dem Lademanagement besondere Aufmerksamkeit gewidmet; es soll mehrere Tausend Parameter pro Sekunde überwachen können.

Der Akku sitzt unterhalb des Rahmens hinter einer Klappe mit abnehmbarer Tür. Er kann direkt am Fahrrad oder nach dem Herausnehmen geladen werden; ein Schlüssel sichert ihn. Der Entnahmemechanismus ist allerdings nicht besonders intuitiv. Man muss den Dreh erst herausbekommen, um den Akku ohne Mühe einzusetzen und zu entfernen. Das ist kein Ausschlusskriterium, wirkt bei einem Produkt, das mit der Oberklasse konkurrieren soll, aber etwas überraschend.

Auf der Straße: Die Federung überzeugt, die Masse ebenso

Sobald man im Sattel sitzt, erfüllt das Roam einen großen Teil seiner Versprechen. Die Vollfederung arbeitet effektiv, bügelt Unebenheiten auf Asphalt ebenso wie auf Wegen aus und sorgt auch über längere Strecken für Komfort. Die hydraulischen Tektro-Bremsen packen genau richtig zu und bieten mehr als ausreichend Bremskraft. Das Roam liefert den Fahrkomfort, den man für lange Touren benötigt, ohne dass schnell Ermüdung aufkommt.

Der Mivice-Motor mit seinen 100 Nm arbeitet beeindruckend effizient. Trotz seines Gewichts – und des Gewichts seines Fahrers – nimmt das Fahrrad Steigungen souverän, ohne an Kraft zu verlieren.

Gangwechsel müssen zwingend ohne Pedaldruck erfolgen: Man darf weiterrollen, sollte beim Schalten jedoch nicht in die Pedale treten. Der Grund: Das Roam nutzt kein klassisches Schaltwerk, sondern eine Nabenschaltung. Diese Art von Getriebe schaltet besser, wenn keine Belastung auf dem Antrieb liegt. Ein Aufkleber neben dem Drehgriff weist auf diese Besonderheit hin. Hat man sich daran gewöhnt, wird der Ablauf schnell selbstverständlich.

Mit 35 kg bringt das Roam viel Trägheit mit, weshalb es nie augenblicklich zum Stillstand kommt. Bremsmanöver müssen sowohl in der Stadt als auch bergab etwas früher eingeplant werden. Das hohe Gewicht beeinträchtigt ebenfalls die Agilität: Bei Reisegeschwindigkeit liegt das Fahrrad stabil und vermittelt Sicherheit, doch in engen Kurvenkombinationen darf man keine besondere Wendigkeit erwarten. Angesichts seiner Abmessungen ist das völlig normal; man sollte nur im Hinterkopf behalten, dass sich das Roam nicht wie ein 15-kg-Fahrrad fährt …

Gute Reichweite, selbst mit XL-Fahrer im Sattel

Mapfour gibt eine Reichweite von bis zu 150 km im Eco-Modus an. Dieser beeindruckende Wert gilt allerdings nur unter dem, was ich Laborbedingungen nenne: kein Wind, flache Strecke und eine Person mit durchschnittlichem Körperbau. Unter realen Bedingungen und mit meinen 110 kg im Sattel waren bei mittlerer Unterstützungsstufe dennoch 70 bis 80 km möglich, also auf Stufe 2 oder 3 von 5 verfügbaren Modi: Eco, Tour, Auto, Sport und Turbo. Das ist ehrlich und angesichts meines Gewichts sogar beruhigend: Eine leichtere Person sollte bei zurückhaltender Unterstützung folgerichtig an 100 km Reichweite herankommen.

Mit dem ENGWE E26 3.0 Pro und demselben Motor, dem gleichen Gewicht im Sattel sowie identischen Unterstützungsstufen hatte ich 65 km geschafft. Das Roam schneidet damit etwas besser ab, vermutlich dank Riemenantrieb und weniger rollwiderstandsintensiven Reifen. Für Ausflüge, den täglichen Arbeitsweg oder eine kurze Wochenendtour besteht ausreichend Reserve. Erwähnenswert ist zudem die zulässige Gesamtlast von 120 kg: Wer den Gepäckträger zusätzlich beladen möchte, sollte darauf achten.

Umfangreiche Ausstattung, aber nicht ohne Schwächen

Mapfour stattet sein Modell mit einem vernetzten System namens Ride Guide aus. Es bietet GPS-Echtzeitortung über die integrierte 4G-Verbindung, Bewegungswarnungen, Sperren und Entsperren per App, ein Fahrtenprotokoll sowie individuell anpassbare Unterstützungsparameter.

Seltener, aber gelegentlich nützlich: Über die Begleit-App lassen sich erlaubte oder gesperrte geografische Bereiche festlegen; beim Ein- oder Verlassen erhält die Besitzerin oder der Besitzer eine Benachrichtigung. Als Diebstahlschutzfunktion ist das bei einem Fahrrad dieser Preisklasse erfreulich. Schade nur, dass der eingebaute Alarm etwas zu leise ausfällt, um wirklich abschreckend zu wirken. Ein paar zusätzliche Dezibel wären aus meiner Sicht willkommen gewesen.

Das integrierte GPS arbeitet sehr präzise, und die 4G-Verbindung ermöglicht eine effektive Fernortung. Sie ist im ersten Jahr nach dem Kauf des Fahrrads enthalten und kostet in den Folgejahren rund 40 Euro.

Auch die übrige Ausstattung ist absolut ordentlich. Der mitgelieferte Gepäckträger ist stabil, Front- und Rücklicht leuchten ausreichend stark, und das 3,5-Zoll-TFT-Display bleibt selbst bei direkter Sonne vollständig ablesbar. Ist es per Bluetooth mit der Begleit-App verbunden, zeigt es die Navigationsanweisungen der von mir geplanten Route an. Dieses System finde ich praktisch und auf einem Fahrrad deutlich angenehmer als die Anzeige einer vollständigen Karte.

Mein Urteil zum Mapfour Roam

Das Mapfour Roam ist ein für seinen Preis bemerkenswert gut ausgestattetes eSUV. Wartungsfreier Michelin-Riemen, Nexus-Nabe, Mivice-Mittelmotor mit 100 Nm, großzügige Vollfederung, Aufladen in zwei Stunden sowie integriertes GPS und 4G: Für 2.599 Euro bietet es so viel wie ein vergleichbares Produkt einer großen Marke für 4.000 Euro. Das ist sein wesentlichstes und sehr starkes Argument.

Ganz fehlerfrei ist es dennoch nicht. Die 35 kg sind spürbar und begrenzen die Agilität, die Akkuentnahmeklappe ist merkwürdig gestaltet und die Montage nicht so einfach, wie sie sein sollte. Verantwortlich ist ein widerspenstiger Vorbau – wahrscheinlich ein Problem, das ich dem Vorserienstatus meines Testexemplars zuschreibe. Auch die Aufbauanleitung könnte präziser sein. Glücklicherweise erleichtern die auf dem YouTube-Kanal von Mapfour verfügbaren Videos die Montage.

Die Entscheidung für bewährte Standardkomponenten von Shimano, Tektro, Kenda und Michelin ist bei der laufenden Wartung ein echter Vorteil. Beim weniger verbreiteten Mivice-Motor bleibt hingegen eine Frage offen: Mapfour zufolge kümmern sich in Frankreich rund 20 Partner um die Wartung, darunter knapp zehn in Paris. Das ist ein Anfang, die Abdeckung ist landesweit jedoch weiterhin uneinheitlich.

Wer ein komfortables, wartungsfreundliches und hochwertig wirkendes eSUV sucht, ohne ein Vermögen auszugeben, sollte das Roam sehr ernsthaft in Betracht ziehen. Mit 2.599 Euro setzt es sich neben Modelle, die doppelt so viel kosten, etwa das Trek Charter+ 4 Nexus für 4.099 Euro. Sein Preis-Leistungs-Verhältnis ist mit großem Abstand sein stärkstes Argument. Man muss lediglich mit seinen Abmessungen umgehen können und einer noch jungen Marke vertrauen. Zu diesem Preis erscheint mir die Wette durchaus überzeugend.

Mapfour Roam

Preis: 2599 €

Gesamtwertung: 8.5

Kategorie Wertung
Design & Ergonomie 8.0/10
Bedienkomfort 8.5/10
Reichweite & Laden 8.5/10
Ausstattung 8.5/10
Preis-Leistungs-Verhältnis 9.0/10

Das gefällt uns

  • Ausstattung für den Preis
  • Wartungsfreier Riemen
  • Effektive Vollfederung
  • Leistungsstarker Mittelmotor
  • Schnellladen

Das gefällt uns weniger

  • Etwas zu schwacher Alarm
  • Hohes Gewicht
  • Verbesserungsfähige Akkuabdeckung

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen