Angesichts des notwendigen Ersatzes der Fregatten der Iver-Huitfeldt-Klasse hat die dänische Marine in Kopenhagen ein Angebot des spanischen Unternehmens Navantia erhalten. Das Unternehmen stellte seine F-110-Fregatten mit Unterstützung der spanischen Marine als moderne, zuverlässige und ab 2030 kurzfristig verfügbare Lösung vor. Damit tritt Navantia unmittelbar gegen die britische Typ 31 an, die ebenfalls als Nachfolgerin der dänischen Schiffe im Rennen ist.
Navantia präsentiert F-110-Fregatten in Kopenhagen
Die Vorstellung erfolgte während des Aufenthalts der spanischen Fregatte F-105 „Cristóbal Colón“ in Kopenhagen, die im Rahmen der Übung Steadfast Dart 26 in der Ostsee eingesetzt war. Die spanische Delegation unter Leitung von Navantia-Präsident Ricardo Domínguez erläuterte gemeinsam mit Vertretern der spanischen Marine die technologischen Fähigkeiten des F-110-Programms sowie ihr Konzept für die industrielle Zusammenarbeit mit lokalen Partnern.
An dem Treffen nahmen der Chef der Königlichen Dänischen Marine, Konteradmiral Søren Kjeldsen, sowie spanische Marinevertreter teil. Beide Seiten betonten Spaniens Bereitschaft, langfristig als strategischer Partner der dänischen Verteidigung zu agieren.
Industriekooperation und digitale Technologien
Navantia stützt sein Angebot auf drei zentrale Säulen: die Zusammenarbeit mit der heimischen Industrie, umfassende Unterstützung über den gesamten Lebenszyklus der Einheiten hinweg sowie ein von der spanischen Marine getragenes Ausbildungsprogramm. Der Präsident von Navantia erklärte hierzu, das Unternehmen biete Dänemark „modernste maritime Fähigkeiten, die auf die gegenwärtigen Herausforderungen zugeschnitten sind, mit einem flexiblen Kooperationsmodell und einer zügigen Bereitstellung von Fähigkeiten“.
Zum Angebot gehören Technologietransfer, die Einbindung fortschrittlicher Systeme und der Einsatz digitaler Werkzeuge wie eines digitalen Zwillings. Darüber hinaus sollen Sensoren in Konstruktion und Instandhaltung der Schiffe integriert werden.
Ersatz für die Iver-Huitfeldt-Klasse
Dänemarks Interesse an einer Erneuerung seiner Fregattenflotte geht auf Integrationsprobleme der Iver-Huitfeldt-Klasse zurück, insbesondere beim APAR-Radar. Das dänische Verteidigungsministerium kam deshalb zu dem Schluss, dass sich eine Modernisierung wirtschaftlich nicht lohne. Seit 2025 prüft Kopenhagen gemeinsam mit dem Vereinigten Königreich verschiedene Optionen, darunter dessen Typ-31-Fregatten.
Der britische Entwurf baut auf den dänischen Erfahrungen mit den Iver Huitfeldt auf, bringt jedoch deutliche Verbesserungen bei Überlebensfähigkeit, Modularität und der Fähigkeit zur Integration unterschiedlicher Waffensysteme mit.
Das britische Programm wird von Babcock International auf der Werft in Rosyth geführt. Seine Offerte gilt wegen der niedrigen Kosten, der schnellen Fertigung und der vollständigen NATO-Kompatibilität als attraktiv; diese Faktoren ermöglichten bereits den Export der Typ 31 nach Polen und Indonesien. Das spanische Angebot positioniert sich dagegen als belastbare Alternative, die technologische Unabhängigkeit, eine aktive Beteiligung der dänischen Industrie und dauerhafte operative Begleitung gewährleisten soll. Gerade diese Aspekte haben für Dänemark bei strategischen Beschaffungsprogrammen einen hohen Stellenwert.
Vor diesem Hintergrund steht der Wettbewerb zwischen Navantia und Babcock für eine neue Phase des europäischen Schiffbaus: Die endgültige Entscheidung Dänemarks wird von der Verbindung aus fortschrittlicher Technologie, industrieller Kooperation und politischem Engagement abhängen. Mit dem F-110-Programm als Aushängeschild und der sichtbaren Unterstützung der spanischen Marine will Navantia nicht nur im anspruchsvollen nordeuropäischen Markt Fuß fassen, sondern auch seine Stellung als einer der maßgeblichen Akteure bei der Erneuerung der europäischen Überwasserflotten stärken.
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