Der CLA mag das Modell gewesen sein, das bei Mercedes-Benz eine neue Ära eingeläutet hat. Doch wenn der Stern seine technologische und hierarchische Spitzenposition erneut unterstreichen will, tritt stets die S-Klasse ins Rampenlicht.
Das war über alle Generationen hinweg so: Die wichtigsten Neuerungen, insbesondere im Technikbereich, feiern zunächst in der S-Klasse Premiere, bevor sie auf weitere Modelle der Baureihe ausgeweitet werden.
Die nun vorgestellte Modellpflege für 2026 fällt mit dem 140. Jubiläum von Mercedes-Benz zusammen, stellt aber keinen Generationswechsel dar. Vielmehr handelt es sich um eine umfassende Überarbeitung des aktuellen Modells – laut Marke sind mehr als die Hälfte der Komponenten neu oder verändert. Damit soll die S-Klasse ihre Rolle als Referenz unter den Luxuslimousinen behaupten, insbesondere in einem zunehmend umkämpften globalen Umfeld.
Ohne ihren grundlegenden Charakter zu verändern, entwickelt sich die S-Klasse 2026 an den entscheidenden Stellen weiter – wie gewohnt jedoch auf scheinbar zurückhaltende Weise. Von außen bleiben die Unterschiede dezent: Die Karosserie wahrt ihre klassischen Proportionen und zugleich die diskrete Präsenz, die die S-Klasse seit jeher auszeichnet.
Zu den Neuerungen zählen Details wie ein um 20 % größerer Kühlergrill, neu gestaltete Räder und eine aktualisierte Farbpalette im Manufaktur-Programm. Der technische Fortschritt beginnt bei Digital Light: Jeder Scheinwerfer verfügt über mehr als 1,3 Millionen „mikroskopische“ Spiegel.
Damit lassen sich hochauflösende Projektionen direkt auf die Fahrbahn werfen, etwa Orientierungslinien in Baustellenbereichen. Darüber hinaus können weitere visuelle Warnungen und Fahrhinweise in komplexen Stadtumgebungen oder bei eingeschränkter Sicht angezeigt werden.
Neuer Innenraum der Mercedes-Benz S-Klasse mit Luxus und Technik
Während die Weiterentwicklung außen behutsam ausfällt, ist der Wandel im Innenraum deutlich grundlegender. Das Armaturenbrett der Mercedes-Benz S-Klasse 2026 wurde vollständig neu gestaltet und folgt dem aktuellen Trend der deutschen Marke, die Bildschirmfläche über die gesamte Breite des Innenraums auszudehnen: Für die Instrumente gibt es ein 12,3-Zoll-Display, der zentrale Touchscreen misst 14,4 Zoll und ist nicht länger hochkant angeordnet, und auch der Beifahrer erhält nun einen eigenen 12,3-Zoll-Bildschirm. Hervorzuheben ist außerdem das neue Multifunktionslenkrad, das auf physische statt auf haptische Bedienelemente setzt und damit Kundenwünschen entspricht.
Auch das MBUX-System wurde grundlegend überarbeitet und nutzt verstärkt künstliche Intelligenz (KI). Nach Angaben der Marke verbessert dies die Sprachsteuerung mit natürlicher Sprache deutlich. Ebenso wurde die Navigation weiterentwickelt: Sie kann Verkehrsdaten, Topografie und Nutzungsgewohnheiten umfassender miteinander verknüpfen. Dadurch erkennt das System häufige Ziele im Voraus und passt seine Vorschläge an die jeweilige Situation an.
Hinzu kommen neue digitale Inhalte, darunter Anwendungen für Unterhaltung und Produktivität. Damit wird der Innenraum der S-Klasse noch stärker als Ort zum Arbeiten und Entspannen verstanden. Die Elektronikarchitektur wurde außerdem angepasst, um ein breiteres Spektrum an drahtlosen Over-the-Air-Updates (OTA) zu ermöglichen.
Bei den verwendeten Materialien bleibt der Anspruch, das Referenzniveau zu halten. Leder, Holz und Metall sind nun in neuen Kombinationen über das Manufaktur-Programm erhältlich. Auch die Ambientebeleuchtung ist neu und schafft zusätzliche Lichtstimmungen. Luxus zeigt sich zudem in Details wie beheizten Sicherheitsgurten.
In der zweiten Sitzreihe gibt es ebenfalls zahlreiche Neuerungen. Es stehen mehr Massageprogramme zur Verfügung, und die Marke kündigt eine gründlichere Optimierung des akustischen und thermischen Komforts an – ein weiterer Beleg für die Ausrichtung der S-Klasse auf Passagiere im Fond. Die hinteren Plätze können sich in einen echten „rollenden Konferenzraum“ verwandeln: 13,1-Zoll-Bildschirme, smartphoneähnliche Bedienelemente, schnelles kabelloses Laden, ein Kühlschrank, Klapptische und sogar Videokonferenzen über Zoom oder Teams gehören dazu.
Fahrerassistenz und Automatisierung
Obwohl diese Generation (W 223) der Mercedes-Benz S-Klasse als erste optional autonomes Fahren auf Stufe 3 mit Drive Pilot angeboten hat – wobei der Fahrer den Blick bereits von der Straße abwenden durfte –, streicht die Marke diese Option mit der Modellpflege. Der Grund liegt in den Nutzungsbeschränkungen, weshalb sich viele Kunden gegen das zudem recht kostspielige System entschieden.
Die S-Klasse bietet somit nur noch autonomes Fahren bis Stufe 2 mit dem neuen System MB.Drive Assist Pro. Trotz dieser „Rückstufung“ verfügt es über zahlreiche fortschrittliche Funktionen, darunter autonomes Fahren „von Punkt zu Punkt“ in städtischen Umgebungen. Mercedes-Benz bezeichnet es deshalb als Stufe 2++. Dennoch ist jederzeit die Überwachung durch den Fahrer erforderlich, der im Falle eines Unfalls auch rechtlich stets verantwortlich bleibt.
Ein Nachteil bleibt: In Europa ist das System noch nicht verfügbar, und es ist unklar, wann es angeboten werden kann, da zunächst eine behördliche Genehmigung erforderlich ist. In China wurde es beispielsweise unmittelbar eingeführt, und in Kürze soll es auch in die USA kommen. Auch der neue Mercedes-Benz CLA und GLC können mit diesem System ausgestattet werden.
Weiterentwickelt wurden ebenfalls die automatisierten Parksysteme. Der MB.Drive Parking Assist erkennt Parklücken auf beiden Seiten des Fahrzeugs und ermöglicht erstmals auch das Einparken in Schrägparkplätze.
Um enge Manöver wie das Parken zu erleichtern, erhalten alle S-Klasse-Modelle des Jahrgangs 2026 eine Hinterachslenkung mit bis zu 4,5°, optional können die Hinterräder bis zu 10° einschlagen. In diesem Fall sinkt der Wendekreis auf nur 10,8 Meter – ein Wert auf dem Niveau deutlich kompakterer Autos.
V8-Überraschung
Eine der größten Überraschungen der Mercedes-Benz S-Klasse 2026 dürfte der neue Biturbo-V8 M 177 Evo sein. Wie die Bezeichnung nahelegt, handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Vorgängers, allerdings mit einem besonderen Merkmal: einer Flatplane-Kurbelwelle. Diese Lösung ist eher aus Supersportwagen bekannt – sie verleiht den Ferrari-V8 ihren Sopranklang – als aus Luxuslimousinen.
Im S 580 4Matic leistet der neue V8 in Verbindung mit einem 48-V-Mild-Hybrid-System 537 PS und 750 Nm bereits bei 2500 U/min. Damit übertrifft er seinen Vorgänger deutlich. Neben der Flatplane-Kurbelwelle nennt Mercedes neue Turbolader und ein überarbeitetes Einspritzsystem als Gründe für das spontanere Ansprechverhalten, die höhere Laufruhe und … Effizienzgewinne.
Unterhalb des V8 basiert das Benzinangebot auf Reihensechszylindern. Der S 450 nutzt einen 3,0-Liter-Motor mit 381 PS und 560 Nm, während der S 500 mit 449 PS und 600 Nm deutlich stärker ausfällt. Die Marke mit dem Stern hält zudem an der Dieseloption fest, die ebenfalls auf einem 3,0-Liter-Reihensechszylinder basiert. Vorgesehen sind zwei Varianten: eine mit 313 PS und 650 Nm sowie eine stärkere Ausführung mit 367 PS und 750 Nm.
Während die vollständige Elektrifizierung weiterhin dem EQS vorbehalten bleibt – eine zu 100 % elektrische S-Klasse kommt erst 2030 –, ist der Plug-in-Hybrid bei der S-Klasse 2026 die Variante mit dem größten Anteil elektrischer Antriebstechnik. Zwei Versionen teilen sich den Sechszylinder, den Elektromotor (120 kW oder 163 PS) und die 22-kWh-Batterie. Sie unterscheiden sich bei Leistung und Drehmoment: 435 PS und 680 Nm für den S 450 e sowie 585 PS und 750 Nm für den S 580 e – der sogar stärker ist als der Biturbo-V8. Die elektrische Reichweite kann bis zu 118 km betragen.
Wann kommt sie?
Mercedes-Benz hat bislang weder einen Marktstarttermin für Portugal noch Preise für die S-Klasse 2026 bekannt gegeben. Die Luxuslimousine kann jedoch bereits in mehreren Ländern online konfiguriert und bestellt werden, weshalb diese Informationen voraussichtlich bald folgen dürften.
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