Obwohl sein Auftritt klar an die SUV- und Crossover-Welt erinnert, die den heutigen Automarkt scheinbar vollständig beherrscht, ist der Ford Fiesta Active im B-Segment eine – überraschenderweise – eher seltene Erscheinung.
Denn mit dem Hyundai i20 Active und dem Dacia Sandero Stepway gibt es in dieser Klasse aktuell nur zwei weitere Modelle mit einem etwas … abenteuerlicheren Zuschnitt.
Um herauszufinden, ob Fords Konzept genügend Argumente bietet, um Käufer von den immer häufigeren SUV und Crossovern abzubringen, haben wir den Fiesta Active getestet. Zumal Ford selbst mit dem EcoSport und dem Puma gleich zwei unterschiedliche Angebote in diesem Segment führt.
Überzeugender Auftritt des Ford Fiesta Active
Kunststoffbeplankungen, größere Räder und die erhöhte Bodenfreiheit sorgen dafür, dass sich der Fiesta Active optisch deutlich vom gewöhnlichen Fiesta abhebt.
Er tritt zwar zurückhaltender auf als klassische B-SUV, wirkt dafür aber auch jugendlicher und weniger familienorientiert als viele kleine SUV. Möglicherweise liegt das an seinen kompakteren Abmessungen.
Der Fiesta Active beschränkt sich jedoch nicht auf reine Optik. Die zusätzliche Bodenfreiheit und die Kunststoffschutzleisten vermitteln sowohl im Stadtverkehr als auch bei den typischen Wochenendausflügen ein spürbar entspannteres Gefühl.
Innenraum mit begrenztem Platzangebot
Im Innenraum wird am deutlichsten, dass der Fiesta Active kein B-SUV ist – insbesondere bei den Platzverhältnissen.
Seine kompakteren Außenmaße führen im Vergleich zu den längeren, breiteren und höheren B-SUV naturgemäß zu etwas engeren Platzverhältnissen im Innenraum. Schließlich handelt es sich weiterhin um einen Kleinwagen.
Viele B-SUV werden bereits mit Blick auf Familien entwickelt, während dies beim Ford Fiesta Active nicht der Fall ist. Dennoch bietet die Rückbank für zwei Personen mehr als ausreichend Platz und liegt damit auf dem Niveau anderer Modelle der Klasse, etwa des Renault Clio und des Peugeot 208.
Auch der Kofferraum mit 311 Litern entspricht dem üblichen Angebot im Segment. Wer besonders viel Gepäck transportieren muss, ist mit den größeren B-SUV besser bedient. Der verwandte Puma bietet beispielsweise 145 l mehr Stauraum und verfügt zusätzlich über eine MegaBox unter dem Kofferraumboden.
Während die äußeren Ergänzungen den Fiesta Active erfolgreich von den übrigen Fiesta-Versionen abgrenzen, fehlt dem Innenraum eine vergleichbar eigenständige Note.
Trotzdem macht der Innenraum einen robusten Eindruck und ist ergonomisch gelungen. Sein Design entspricht zwar dem anderer Ford-Modelle wie dem Focus, einschließlich der vertrauten Anordnung und Gestaltung der Bedienelemente, doch sämtliche Schalter befinden sich genau dort, wo man sie erwartet.
Fahrdynamik: ganz klar ein Fiesta
Seinen deutlichsten Vorteil gegenüber B-SUV und auch vielen anderen Kleinwagen spielt der Ford Fiesta Active beim Fahrverhalten aus. Selbst die um 18 mm erhöhte Bodenfreiheit hat seinen dynamischen Fähigkeiten offenbar keinen Abbruch getan.
Die Lenkung arbeitet präzise und direkt, ihr Gewicht passt gut. Zugleich überzeugt das Fahrwerk mit einer sehr ausgewogenen Abstimmung. Die zusätzliche Bodenfreiheit hilft sogar, wenn unerwartet eine größere Unebenheit auftaucht.
Alles am Fiesta Active scheint dazu einzuladen, ihn über eine kurvenreiche Straße zu bewegen. Genau dort enttäuscht er nicht: Der Ford-Kleinwagen unterhält stärker als die meisten Konkurrenten. Gegenüber den B-SUV fallen die Unterschiede erwartungsgemäß noch deutlicher aus.
Sobald man den „Spielplatz“ verlässt und sich in den Stadtverkehr begibt, setzt sich der Fiesta Active trotz des SUV-Einflusses bei seinem Konzept erneut charakterlich von den B-SUV ab.
Dank seiner geringeren Größe und Wendigkeit passt der Fiesta gefühlt in jede Lücke. Auf der Autobahn überrascht er wiederum mit seiner Stabilität und erweist sich als angenehmer Reisewagen.
Dazu kommt der 1.0 EcoBoost mit 125 PS, der den zahlreichen Auszeichnungen, die er erhalten hat, gerecht wird. Er bleibt sparsam, selbst wenn der „Eco“-Modus nicht aktiviert ist, spricht gleichmäßig an und macht Freude. Das manuelle Sechsganggetriebe ist dabei ein hervorragender Partner.
An dieser Stelle gebührt Ford ein Lob: Das Getriebe arbeitet präzise und besitzt kurze Schaltwege. Damit erreicht es das Niveau des viel gelobten Getriebes im Mazda CX-3 und erinnert daran, weshalb diese Getriebeart erhalten bleiben sollte – sie trägt erheblich zu einem interaktiven Fahrerlebnis bei.
Abseits befestigter Straßen erlaubt der Modus „Rutschig“, der die Traktions- und Stabilitätskontrolle teilweise deaktiviert, etwas weiter vorzudringen. Selbst bei Modellen, die sich selbst als SUV bezeichnen, ist eine solche Funktion ungewöhnlich.
Beim Verbrauch ließen sich auf gemischten Strecken problemlos Durchschnittswerte von 5 l/100 km erzielen. Selbst wenn ich das Zusammenspiel aus Motor, Getriebe und Fahrwerk stärker auskostete, lagen die Werte nicht weit von 6,5 l/100 km entfernt.
Ist der Ford Fiesta Active das richtige Auto für mich?
In einem Markt, in dem SUV zunehmend dominieren, bietet Ford mit der abenteuerlicheren Variante seines „ewigen“ Fiesta eine interessante Alternative.
Nicht jeder benötigt ein größeres und teureres SUV. Viele schätzen jedoch einen markanteren, abenteuerlichen Look, mit dem sie sich von der Masse abheben, ebenso wie die zusätzlichen praktischen Zentimeter Bodenfreiheit. Sie machen den Kleinwagen im Alltag entspannter und vielseitiger nutzbar.
Der Ford Fiesta Active geht bei der Alltagstauglichkeit nicht so viele Kompromisse ein wie ein B-SUV und richtet sich damit eher an Käufer, die keinen großen Platzbedarf haben.
Mit seinem begeisternden Fahrverhalten, dem kompetenten Motor und der Fähigkeit, auch etwas weiter abseits zu kommen, bringt der Fiesta Active überzeugende Argumente für alle mit, die mehr Vielseitigkeit suchen, aber die familienorientierten Eigenschaften der meisten SUV weder benötigen noch ihnen „nachgeben“ möchten.
Hinweis: Ford hat den Fiesta Active mit dem 1.0 EcoBoost mit 125 PS erst vor Kurzem aus dem Verkauf genommen. Vorläufig lassen sich noch Fahrzeuge aus Lagerbeständen finden. Der Ford Fiesta Active ist künftig nur noch mit dem 1.0 EcoBoost mit 95 PS und dem 1.5 TDCI mit 85 PS erhältlich. Der 1.0 EcoBoost mit 125 PS wird ausschließlich im Fiesta Vignale angeboten.
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