Den Anfang machte der streng limitierte P1 (375 Exemplare), deutlich später folgte der noch exklusivere Speedtail (106 Exemplare). Der neue Artura wird jedoch als erster elektrifizierter McLaren für die Straße ohne Begrenzung der Produktionsstückzahl in Serie gebaut.
Der Artura kommt in einer schwierigen Phase auf den Markt (siehe Kasten) und soll zugleich eine neue Ära bei McLaren einläuten. Innerhalb der Modellpalette ordnet er sich über dem Einstiegsmodell GT und unter den Ultimate Series ein – Senna, Speedtail und dem erst kürzlich präsentierten Elva –, wobei er in der mittleren Baureihe praktisch auf dem Niveau des 720S liegt.
Seine Basis ist die von Grund auf neu entwickelte MCLA, die McLaren Carbon Lightweight Architecture. Diese gezielt auf Elektrifizierung ausgelegte Plattform bildet die Grundlage einer neuen Generation elektrifizierter McLaren, deren erstes Serienmodell der Artura ist.
Die Karosserie des Artura besteht aus Aluminium und Kohlefaser, das fahrfertige Gewicht beträgt 1498 kg. Damit liegt er auf einem ähnlichen Niveau wie andere Supersportwagen ohne Hybridantrieb. Sämtliche Hybridkomponenten bringen lediglich 130 kg auf die Waage; darin enthalten sind die 88 kg schwere Batterie und der 15,4 kg wiegende Elektromotor. Zur MCLA gehören ein speziell entwickeltes Batteriefach, eine innovative Ethernet-Elektrikarchitektur sowie ein elektrisches Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungssystem (eHVAC).
3,0-V6 plus Elektromotor = 680 PS
Ebenso bedeutend ist die Premiere des 3,0-Liter-V6. Gegenüber dem sonst bei McLaren eingesetzten V8 ist er um 40 kg leichter und kompakter. Seine beiden Zylinderbänke stehen in einem Winkel von 120° zueinander, wodurch die zwei Turbolader zwischen ihnen untergebracht werden können – in einer „Hot-V“- beziehungsweise „heißen V“-Anordnung. Zugleich senkt diese Konstruktion den Schwerpunkt, was für jeden Sportwagen von Vorteil ist.
Die Bauweise dieses V6 reduziert zudem die Druckverluste im Abgassystem. Dadurch konnte eine steifere Kurbelwelle verwendet werden, die einen Drehzahlbegrenzer bei 8500 U/min ermöglicht – ein für einen Turbomotor ungewöhnlich hohes Niveau.
Obwohl Erkenntnisse aus den beiden früheren Hybriden eingeflossen sind, wurde dieses System vollständig neu entwickelt. Den Anfang macht der Elektromotor mit 33 % höherer Energiedichte: Als Axialflussmotor statt des bislang verwendeten Radialflussprinzips leistet er maximal 95 PS und 225 Nm. Daraus resultiert eine Systemleistung von 680 PS und 720 Nm, während der Verbrennungsmotor 585 PS und 585 Nm beisteuert.
Das Zusammenspiel aus geringem Gewicht und hoher Leistung ist entscheidend für die angegebenen Fahrleistungen: von 0 auf 100 km/h in 3,0s, von 0 auf 200 km/h in 8,3s und bis zu 330 km/h Höchstgeschwindigkeit.
Auch das Getriebe ist neu: Es verfügt über acht statt sieben Gänge, deren Übersetzungen enger abgestuft werden konnten. Die Gangwechsel erfolgen dadurch äußerst schnell – in rund 200 Millisekunden –, während die Doppelkupplung den unterbrechungsfreien Drehmomentfluss sicherstellt.
Der achte Gang dient als Overdrive, um den Verbrauch bei Reisetempo zu senken. Dennoch ist dieses Getriebe um 40 mm kompakter als der frühere Siebengang-Antrieb, auch weil kein Rückwärtsgang vorhanden ist: Für diese Aufgabe kehrt der Elektromotor seine Drehrichtung um.
30 km elektrisch mit dem McLaren Artura
Der Elektromotor wird von einer Lithium-Ionen-Batterie mit einer Nettokapazität von 7,4 kWh versorgt. Damit erreicht der McLaren Artura eine rein elektrische Reichweite von 30 km und kann im Elektrobetrieb bis zu 130 km/h fahren. Das genügt, um kurze alltägliche Strecken vollständig emissionsfrei zurückzulegen.
Gleichzeitig unterstützt der elektrische „Schub“ Beschleunigung und Zwischenspurts. Richard Jackson, Direktor für Antriebssysteme bei McLaren, erklärt: „Die Gasannahme ist mit der Unterstützung des Elektromotors wesentlich präziser und direkter – das wussten wir bereits bei der Entwicklung des P1 und des Speedtail, konnten es nun aber weiter verbessern“.
Batterie und Energieverteilungseinheit sitzen auf einem strukturellen Kohlefaserboden, der anschließend mit dem Heck der Monocoque-Struktur verschraubt wird. Das optimiert Steifigkeit, Gewichtsverteilung und Aufprallschutz. Das externe Laden dieses Plug-in-Hybrids dauert mit einem herkömmlichen Kabel 2,5 Stunden bis 80 %. Der Fahrer kann allerdings auch den Benzinmotor während der Fahrt zum Laden der Batterie einsetzen, was weit von der effizientesten Lösung entfernt ist.
Die sehr hohen Fahrleistungen des McLaren Artura erforderten zugleich weiterentwickelte technische Fähigkeiten des Fahrwerks. Erstmals bei einem McLaren regelt ein elektronisches Sperrdifferenzial das Drehmoment an der Hinterachse unabhängig. Im Vergleich zu einem entsprechenden mechanischen System ist es leichter, präziser steuerbar und kleiner, da es im Getriebe Platz findet. Durch das individuelle Sperren und Öffnen der Hinterräder verbessert es die Traktion in Kurven.
Wie Projekt-Chefingenieur Geoff Grose erläutert, „gibt es hinten eine neue Hinterradaufhängung mit oberem Querlenker, zwei unteren Lenkern und einer Zugstrebe vor der Radmitte, um Stabilität und Präzision des Fahrzeugs zu maximieren und Untersteuern beim Beschleunigen in Kurven zu verringern“.
Reifen „mit Gehirn“
Da das Auto allein über seine Reifen Kontakt zur Straße hat, ist ihre Bedeutung offensichtlich. Auch in diesem Bereich gibt es in Zusammenarbeit mit Pirelli eine wesentliche Neuerung. Jeder Cyber Tyre-Reifen nutzt einen elektronischen Chip, der Echtzeitdaten erzeugt und an die Stabilitätsregelsysteme des Fahrzeugs übermittelt; zusätzlich überwacht er Reifendruck und allgemeine Reifenleistung.
Zum Einsatz kommen Carbon-Keramik-Bremsscheiben und Aluminiumbremssättel aus derselben Familie wie bei den jüngsten LT-Modellen von McLaren. Die elektrohydraulische Lenkung – bei Supersportwagen als eine der besten weltweit anerkannt – sowie das elektronisch variable Dämpfungssystem wurden überarbeitet und auf die Eigenschaften des Artura abgestimmt.
Neu, aber vertraut
Zwar stand beim neuen McLaren Artura zunächst die technische Faszination im Vordergrund, doch auch Außenform und Innenraum verdienen Beachtung.
Außen begegnen einem bekannte Merkmale: die flache „Nase“, die weit vorn platzierte Fahrgastzelle, der hohe Heckbereich sowie die ganze Dramatik der McLaren-Dihedraltüren, die näher an der Karosserie öffnen, und der kurze Radstand.
Die nahezu ununterbrochene Fläche der skulpturalen Außenhaut unterstreicht Eleganz und die Bedeutung möglichst geringen Luftwiderstands. Gleichzeitig bleibt die Philosophie „alles hat einen Zweck“ erhalten. Ein Beispiel dafür ist die Mitte des Frontsplitters, die als Lufteinlass für das eHVAC-System dient und zugleich den Frontradar des optionalen Fahrerassistenzpakets aufnimmt.
Mehr Pilotieren als Fahren
Im Innenraum ist das Cockpit noch stärker auf den Fahrer ausgerichtet. Die Fahrmodi bleiben weiterhin zwischen den antriebsbezogenen Einstellungen (Powertrain) und dem Fahrverhalten (Handling) getrennt. Die Schalter sind jedoch in den Bereich des Kombiinstruments gewandert, das seinerseits an der Lenksäule montiert ist und sich gemeinsam mit dem Lenkrad verstellt. So muss der Fahrer die rechte Hand nur selten vom Lenkradkranz nehmen.
Es stehen vier Modi zur Verfügung: Comfort, der die Effizienz steigert und den V6 unterhalb von 40 km/h abschaltet, Sport und Track, die eine zunehmend aggressivere Leistungsentfaltung bieten, sowie der vollständig elektrische E-Modus. Parallel dazu werden die Dämpferhärte und die Eingriffsstärke der elektronischen Stabilitätskontrolle passend eingestellt.
Auch das Infotainmentsystem wurde deutlich weiterentwickelt. Es erhält neue Software – aktualisierte Versionen der bei McLaren bekannten Anwendungen, darunter McLaren Track Telemetry und Variable Drift Control, sowie eine neue Navigationskarte im Kombiinstrument – und neue Hardware für die beiden hochauflösenden Bildschirme.
Der neue McLaren Artura kommt noch in diesem Jahr auf den Markt; die Preise beginnen voraussichtlich bei 300.000 Euro.
Technische Daten
| McLaren Artura | |
|---|---|
| Kombinierte Leistungs-/Drehmomentwerte | |
| Leistung | 680 PS |
| Drehmoment | 720 Nm |
| Verbrennungsmotor (M630) | |
| Position | Mittig hinten, längs eingebaut |
| Bauart | V6-Zylinder |
| Hubraum | 2993 cm³ |
| Aufladung | Biturbo |
| Leistung | 585 PS bei 7500 U/min |
| Drehmoment | 585 Nm zwischen 2250-7000 U/min |
| Elektromotor | |
| Typ | Axialfluss |
| Leistung | 95 PS |
| Drehmoment | 225 Nm |
| Batterie | |
| Kapazität | 7,4 kWh |
| Laden | Ladestation: 80 % in 2,5h |
| Kraftübertragung | |
| Antrieb | Hinterradantrieb |
| Getriebe | SSG mit 8 Gängen (Rückwärtsfahrt erfolgt über den Elektromotor) |
| Fahrwerk | |
| Aufhängung | VA: Adaptiv und unabhängig, Doppelquerlenker aus Aluminium; HA: Adaptiv und unabhängig, oberer Querlenker und untere Mehrlenkerachse aus Aluminium |
| Bremsen | VA: Carbon-Keramik-Scheiben, 390 mm; HA: Carbon-Keramik-Scheiben, 380 mm; Bremssättel aus geschmiedetem Aluminium (6 Kolben vorn, 4 Kolben hinten) |
| Lenkung/Anzahl Lenkradumdrehungen | Elektrohydraulische Servolenkung/k. A. |
| Abmessungen und Kapazitäten | |
| Länge x Breite x Höhe | 4539 mm x 1913 mm x 1193 mm |
| Radstand | 2640 mm |
| Kofferraumvolumen | 160 l |
| Tankinhalt | 72 l |
| Räder | Pirelli P Zero oder Pirelli P Zero Corsa. VA: 235/35 ZR19; HA: 295/35 ZR20 |
| Gewicht | 1498 kg (DIN) |
| Fahrleistungen und Verbrauch (Zertifizierung ausstehend) | |
| Höchstgeschwindigkeit | 330 km/h; Elektromodus: 130 km/h |
| 0-100 km/h | 3,0s |
| 0-200 km/h | 8,3s |
| 0-300 km/h | 21,5s |
| 0-400 m | 10,7s |
| 200-0 km/h | 126 m |
| 100-0 km/h | 31 m |
| Kombinierter Verbrauch | k. A. |
| CO₂-Emissionen | 129 g/km |
| Elektrische Reichweite | 30 km |
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