Wie schon beim vor einiger Zeit getesteten C 300 de T-Modell verfolgt der Mercedes-Benz GLC 300 de 4MATIC beim Plug-in-Hybrid-Konzept einen ausgesprochen eigenen Ansatz.
Schließlich setzt Mercedes-Benz als einzige Marke weiterhin auf einen Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor. Das wirft die Frage auf: Lohnt es sich, einen Diesel zu elektrifizieren? Oder wäre es sinnvoller, dem Beispiel der übrigen Hersteller zu folgen und diese Technik aufzugeben?
Bevor wir ein Urteil fällen, fällt auf, dass diese Hybridversion – wie bei anderen vergleichbaren Modellen der deutschen Marke – kaum zu erkennen ist. Eine Ladeklappe, einige kleine Embleme und sonst nichts weisen auf den Antrieb hin. Der GLC wirkt meiner Meinung nach dennoch weiterhin zeitgemäß, obwohl er bereits 2015 eingeführt wurde.
Das Beste aus zwei Welten
Wie bereits beim Test des Mercedes-Benz C 300 de T-Modells erwähnt, lassen sich mit Plug-in-Hybriden samt Dieselmotor zumindest theoretisch die Vorzüge zweier Antriebswelten verbinden.
Diese Lösung ermöglicht einerseits die traditionell niedrigen Verbrauchswerte eines Diesels auf langen Strecken und erlaubt andererseits, in Innenstädten vollständig elektrisch unterwegs zu sein.
Gegenüber seinem „Bruder“ scheint der GLC 300 de die Batterieladung effizienter zu verwalten. Dadurch lässt sich die elektrische Reichweite unter realen Bedingungen und ohne besondere Anstrengungen auf nahezu die angekündigten 42 km ausdehnen.
Zu dieser gelungenen Steuerung tragen auch die zahlreichen Fahrprogramme bei. Vom „Sport+“-Modus bis zu „Electric“ und „Eco“ stehen insgesamt sieben Modi zur Auswahl, sodass sich der Mercedes-Benz GLC 300 de 4MATIC wie ein Chamäleon an unterschiedlichste Situationen und Fahrstile anpasst.
So lassen sich entweder die 306 PS kombinierte Höchstleistung des SUV ausschöpfen, wodurch seine 2125 kg deutlich weniger schwer wirken, oder auf der Autobahn Verbräuche von nur 5,5 l/100 km erzielen. Einen großen Anteil daran hat das Neungang-Automatikgetriebe, das bei 120 km/h lediglich 1500 U/min anliegen lässt.
Gerade auf solchen Strecken spielt dieser Mercedes-Benz seine Stärken besonders aus: Komfort, Geräuschdämmung und Fahrstabilität bewegen sich auf Referenzniveau. Bedauerlich ist allerdings, dass Ausstattungen wie der adaptive Tempomat, der Spurhalteassistent und die Verkehrszeichenerkennung fehlen.
Bei der Fahrdynamik wird schnell deutlich, dass dieser Familien-SUV vor allem auf Komfort ausgelegt wurde. Der Mercedes-Benz GLC 300 de 4MATIC überzeugt mit Stabilität und Sicherheit, kann seine Masse bei Lastwechseln jedoch nicht vollständig kaschieren. Die präzise und direkte Lenkung erreicht zudem nicht die Schärfe etwa jener eines BMW X3.
Typisch Mercedes-Benz: Komfort und Verarbeitung
Am Steuer des Mercedes-Benz GLC 300 de 4MATIC beeindruckt vor allem die Geräuschisolierung. Tatsächlich fühlt man sich wie in einem gemütlichen Kokon, dessen Ruhe nur dann gestört wird, wenn der Dieselmotor besonders stark gefordert wird.
Erwartungsgemäß präsentiert sich die Verarbeitung robust – das Fehlen störender Nebengeräusche bestätigt dies. Auch die Ergonomie stimmt, denn die Direkttasten erleichtern die Bedienung des umfangreichen Infotainmentsystems erheblich. Die Qualität und Haptik der verwendeten Materialien machen diesen SUV in dieser Kategorie zu einer der Segmentreferenzen.
Im Fond finden zwei Erwachsene mehr als ausreichend Platz. Nur beim Kofferraum fordert die Plug-in-Hybrid-Version ihren Preis: Für die Unterbringung der 13,5-kWh-Batterie schrumpft das Ladevolumen von 550 Litern bei den übrigen GLC-Modellen auf lediglich 395 Liter.
Ist er das richtige Auto für Sie?
Der Plug-in-Hybrid mit Dieselmotor scheint wie geschaffen für Fahrer, die täglich viele Kilometer auf Autobahnen und in der Stadt zurücklegen. Trifft das auf Sie zu, könnte dieser GLC die passende Wahl sein.
Der deutsche SUV ist komfortabel, sicher und sogar sparsam. Sein Allradantrieb erweist sich auf schlechten Wegen oder bei widrigeren Wetterbedingungen als Vorteil, während die insgesamt hohe Qualitätsanmutung zu seinen wichtigsten „Waffen“ zählt.
Auf der anderen Seite stehen der kleinere Kofferraum – unvermeidlich wegen der Batterie – und eine Ausstattungsliste, auf der Fahrassistenzsysteme fehlen. Gerade bei einem Modell mit einem Grundpreis ab 67 500 Euro wäre ihre Präsenz zu erwarten; der getestete Wagen kostete sogar 84 310 Euro.
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