Zwischen 1974 und 1993 produzierte und verkaufte Volvo mehr als 2,6 Millionen Exemplare des kantigen, nahezu unverwüstlichen 240. Damit war er lange Zeit das meistverkaufte Modell in der Geschichte der Marke.
Bis der XC60 auf den Plan trat. Seit 2008 hat Volvo mehr als 2,7 Millionen Einheiten des attraktiven SUV abgesetzt, womit er nun der erfolgreichste Volvo aller Zeiten ist. Beide Fahrzeuge sind bodenständige, massentaugliche Familienautos.
Das war damals – heute sieht die Lage anders aus. Der neue Volvo EX60 ist das elektrische Schwestermodell des Bestseller-XC60, und Volvo ist sich der Dimension seiner bevorstehenden Aufgabe bewusst: Nach eigener Aussage tritt er im „weltweit größten Elektrosegment“ an. Also nicht bloß in gewöhnlich haiverseuchten Gewässern, sondern gegen Haie mit verdammten Lasern auf dem Kopf.
Zu seinen Konkurrenten gehören unter anderem das Tesla Model Y – immerhin das weltweit meistverkaufte Elektroauto – sowie der BMW iX3. Letzterer gewann einen TopGear Award und steht an der Spitze von BMWs gesamter Elektrifizierungsstrategie; für München ist er buchstäblich der Wendepunkt.
Volvo EX60: Reichweite und Schnellladen
Die Konkurrenz ist also hochkarätig. Der Volvo EX60 hält dagegen: Als Allradversion soll der attraktive Schwede mit einer Ladung bis zu 810 km weit kommen. Das sind einige Kilometer mehr als beim iX3 – und mehr, als wohl irgendein vernünftiger Mensch am Stück zurücklegen möchte.
Auch ein Großteil dieser Reichweite soll sich ausgesprochen schnell nachladen lassen. Der EX60 basiert auf einer 800-Volt-Architektur, die bei einer 400-kW-Ladesäule in zehn Minuten rund 338 km Reichweite in die Batterie bringen kann. Zehn Minuten.
Wie bereits erwähnt, handelt es sich dabei nicht um eine gewöhnliche Batterie. Volvo führt ein „Cell-to-Body“-System ein: Statt einzelne Zellen zunächst in ein Batteriepaket und dieses anschließend in die Karosserie einzubauen, werden die Zellen direkt in die neue SPA3-Architektur integriert. Das Gehäuse versteift dadurch sowohl Karosserie als auch Batterie. Im Kern spart das Gewicht, auch wenn der EX60 weiterhin ein echtes Schwergewicht bleibt: Volvo nennt je nach Ausstattung 2.115 kg bis 2.330 kg.
Wie beim Rivalen iX3 wird das komplette Betriebssystem des EX60 durch den „Superset“-Technologiestack bestimmt, der künftig jeden elektrischen Volvo antreiben soll. An Bord ist die jüngste Version von „HuginCore“ – selbstverständlich nach dem Vogel aus der nordischen Mythologie benannt –, die „das Auto zum Denken, Verarbeiten und Handeln befähigt“. Hierfür kommen Technologien von NVIDIA und Qualcomm zum Einsatz, die Volvo eine „ultraschnelle“ Rechenleistung zuschreibt. Praktisch bedeutet das weniger Verzögerungen am Bildschirm und schnellere Reaktionen.
Antriebe des Volvo EX60 und EX60 Cross Country
Der reguläre EX60 wird in drei Varianten mit drei Batteriegrößen angeboten. Beim EX60 Cross Country, der unten abgebildet ist, wird es zunächst nur eine einzige Ausstattungsvariante geben. Beim EX60 stehen der einmotorige P6 mit Heckantrieb und 369 bhp samt 83-kWh-Batterie, der zweimotorige Allrad-P10 mit 503 bhp und 95-kWh-Batterie sowie der große P12 zur Wahl. Auch der P12 ist ein zweimotoriges Elektroauto, leistet aber gewaltige 671 bhp und nutzt eine 117-kWh-Batterie.
Noch mehr Zahlen: Der P6 entwickelt 480 Nm, schafft bis zu 620 km Reichweite und beschleunigt in 5,9 s von 0 auf 100 km/h. Beim P10 sind es 710 Nm, 660 km Reichweite sowie 4,6 s für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Der P12 bietet sehr kräftige 790 Nm, die beworbenen bis zu 810 km Reichweite und erledigt 0 auf 100 km/h in lediglich 3,9 s. Niemand muss mit einem Familien-SUV in 3,9 s auf 100 km/h kommen, aber er kann es eben.
Der EX60 CC, der hier zu sehen ist, startet vorerst ausschließlich als P10: 0 auf 100 km/h in 4,7 s und 640 km Reichweite. Eine P12-Variante soll später folgen. Erwartungsgemäß liegt diese Ausführung 20 mm höher.
Alle vier Versionen erreichen maximal 180 km/h, können mit passivem oder semiaktivem Fahrwerk bestellt werden und sind bis obenhin mit Technik gefüllt. Dazu zählt Googles KI-Assistent Gemini, der „tief in Ihr Auto integriert ist und natürliche sowie personalisierte Gespräche ermöglicht, ohne dass Sie sich bestimmte Befehle merken müssen“.
Neben der klassischen Volvo-Hardware – mehrfach adaptive Sicherheitsgurte, Sicherheitszelle, Rückhaltesysteme und weitere Schutzmaßnahmen – soll das Fahrzeug über Over-the-Air-Updates fortlaufend weiterentwickelt werden.
Design, Innenraum und Sicherheitsausstattung
Und wo wir gerade bei Weiterentwicklungen sind: Volvo hat die Formensprache des XC60 aufgegriffen und für das Elektrozeitalter weitergeführt. Wie alle aktuellen Volvos ist auch dieses Auto attraktiv gestaltet: mit den markentypischen Front- und Heckleuchten, einer leicht kantigen Silhouette, großen Rädern und viel Platz. Die CC-Version erhält die klassischen Radlaufverkleidungen, schwarze Anbauteile und eine etwas breitere Spur.
Im Innenraum gibt es ein Panoramadach, zahlreiche „natürliche und hochwertige Materialien“, viel Stauraum, geteilt umklappbare Rücksitze sowie eine B&W-Stereoanlage mit Lautsprechern in den Kopfstützen der vier Hauptsitze.
„Der neue vollelektrische EX60 verändert die Spielregeln bei Reichweite, Laden und Preis und markiert einen Neuanfang für Volvo Cars und unsere Kunden“, sagte der zurückgekehrte Volvo-Chef Håkan Samuelsson. „Mit diesem Auto beseitigen wir alle verbleibenden Hindernisse für den Umstieg auf Elektroantrieb.“
Ob er sich gegen das Model Y, den iX3, den Q6 e-tron, den Ioniq 5, den e-Macan und den elektrischen GLC durchsetzen kann, wird erst die Zeit zeigen. Diese Modelle stehen ihm bei seiner neuen, großen Aufgabe im Weg: ein Bestseller der nächsten Generation zu werden.
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