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Mercedes-AMG One: Formel-1-Technik für die Straße

Schwarzer Mercedes-AMG Sportswagen fährt schnell auf einer Landstraße entlang grüner Hecken bei bewölktem Himmel.

AMG One auf der Straße: brutal und doch beherrschbar

Vermutlich erwartest du an dieser Stelle die Bestätigung, dass der AMG One auf öffentlichen Straßen ein absolutes Biest ist: kaum zu zähmen und nur mit der Vorsicht zu fahren, die man sonst wütenden Katzen und unberechenbaren Teenagern entgegenbringt. Und ja – zugleich auch nein.

Allein dass AMG einen Formel-1-Motor straßentauglich machen konnte, ohne ihm seinen Rennwagencharakter zu nehmen, ist bemerkenswert. Dass dieser Motor mit drei Elektromotoren, mehr als 1.000 PS, einer Drehzahlgrenze bei 11.000 U/min und einem F1-ähnlichen Einscheiben-Paddelgetriebe kombiniert wurde – und der Wagen dennoch ein Mindestmaß an Alltagstauglichkeit bewahrt –, grenzt an Zauberei.

Um sein volles Potenzial auf öffentlichen Straßen auszuspielen, ist er ehrlich gesagt viel zu schnell. Bereits im zweiten und dritten Gang presst die Beschleunigung den ganzen Körper in die Sitze und kratzt dabei an der Grenze zum Unangenehmen. Doch statt des gleichmäßigen, elastischen Schubs eines Hyper-Elektroautos liefert er den rohen Wahnsinn eines 1,6-Liter-V6, der dir scheinbar das Gehirn durch die Ohren herausfräsen will.

Wenn man ihn kompromisslos antreibt, fällt die elektrische Unterstützung für die Traktion kaum auf. Stattdessen staunt man darüber, dass dieses Auto überhaupt irgendeine Zulassung erhalten hat. Grip, Kontrolle und die enorme Präzision beim Einlenken sind schlicht herausragend.

AMG One im Alltag und im EV-Modus

Der Federungskomfort ist keineswegs schlecht. Obwohl der V6 klingt, als wäre eine Kettensäge direkt hinter dem Kopf montiert, bleibt ein Gespräch möglich: Man wählt den manuellen Modus und legt jeweils den höchstmöglichen Gang ein. Dann muss zwar deutlich lauter gesprochen werden, aber man versteht sich noch.

Im EV-Modus lässt sich der AMG One zudem über eine überraschend ordentliche Distanz bewegen. Vollkommen geräuschlos geschieht das allerdings nicht: Die Elektromotoren sirren und zwitschern wie etwas aus einer billigen Star-Trek-Kopie. Sie erinnern ständig daran, wie viel in diesem Auto gleichzeitig passiert.

Trotzdem sind wir damit zu Tesco gefahren, haben uns ein Meal Deal geholt, ganz normales Benzin getankt, bei Starbucks geparkt und einen Kaffee gekauft. Anschließend ging es über echte Straßen mit zufälligen feuchten Stellen, Laub und anderen Verkehrsteilnehmern. All das meisterte der AMG One völlig problemlos.

Genau darin liegt seine Besonderheit. Der AMG One ist nicht einfach nur ein Auto. Vermutlich ist er auch nicht das absolut schnellste Fahrzeug auf der Straße, auch wenn er sich durchaus so anfühlt.

Er ist vielmehr auf verrückte, wunderbare Weise faszinierend: eine fahrende Hommage an komplexe Ingenieurskunst und an die Fähigkeit, einen Weg zu finden. Dieses Auto lässt uns Autos lieben. Es ist teils technisches Meisterwerk, teils rollendes, dynamisches Kunstwerk. Dafür bleibt nur Applaus.

Fotografie: Harry Rudd

11 Minuten 33 Sekunden

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