Der Volkswagen Golf R 20 Years Edition ist mit 333 PS der stärkste Serien-Golf aller Zeiten. Was jedoch viele nicht wissen: Diese Leistung reicht nur bis zur Hälfte dessen, was als der extremste Golf überhaupt gelten kann – der Volkswagen Golf GTI W12-650.
Der 2007 präsentierte Golf GTI W12-650 leistete dank eines „monströsen“ W12-Motors 650 PS und brachte das Wörthersee-Treffen in Österreich komplett zum Stillstand. Dort kommen jedes Jahr mehr als 100.000 Enthusiasten der Marke aus Wolfsburg zusammen.
Wer den Golf GTI W12-650 damals live erlebte, dürfte angesichts einer der spektakulärsten Schöpfungen in der Geschichte von Volkswagen „mit offenem Mund“ dagestanden haben. Wie zu erwarten war, blieb dieser Prototyp jedoch genau das und wurde nicht einmal ernsthaft für eine Serienfertigung in Betracht gezogen. Der Grund liegt auf der Hand: Vom Golf GTI V, der als Basis diente, war kaum etwas übrig.
Golf GTI W12-650: ein „Frankenstein-Monster“
Alles begann rund zwei Monate vor dem Wörthersee-Treffen 2007. Volkswagen bat seine Designer und Ingenieure damals, einen Prototypen zu entwerfen, der Komponenten aus dem gesamten Konzern vereinen und bei der österreichischen Veranstaltung sämtliche Blicke auf sich ziehen sollte.
Um diese Idee umzusetzen, griff das Team auf einen Golf GTI der fünften Generation zurück. Von ihm blieben lediglich die Motorhaube, die Scheinwerfer und die – wenn auch veränderten – Türen erhalten. Alles andere wurde umgebaut, angefangen beim Antrieb.
Dabei zeigte sich das Team keineswegs zurückhaltend. Anstelle des serienmäßigen 2,0-l-Turbovierzylinders mit 200 PS erhielt dieser Golf den dreimal so großen 6.0 W12 Biturbo aus dem Bentley Continental GT (!). Innerhalb des Volkswagen-Konzerns war damals nur der 8.0 W16 mit vier Turboladern von Bugatti noch größer.
W12-Mittelmotor und Technik aus dem Volkswagen-Konzern
Diese Wahl brachte allerdings erhebliche Herausforderungen mit sich: Der riesige Motorblock ließ sich unmöglich im Motorraum des Golf unterbringen. Die Lösung bestand darin, ihn hinter dem Fahrer zu montieren, die Rücksitze zu entfernen und so den einzigen Golf GTI mit Mittelmotor hinten zu schaffen.
Der W12 war nicht nur dreimal größer; er bot auch mehr als die dreifache Leistung und das mehr als dreifache Drehmoment – 650 PS und 750 Nm.
Um mit diesen Werten fertigzuwerden, bediente sich das Ingenieurteam von Volkswagen im Teilekatalog von Lamborghini und bestellte die Hinterachse sowie die hinteren Bremsen eines Gallardo.
Die vorderen Bremsen stammten hingegen von Audi, genauer gesagt vom RS 4. Das Getriebe kam vom … Phaeton, der Luxuslimousine von Volkswagen.
Zusätzlich mussten die Spurweiten dieses Hot Hatch – oder eher Mega-Hatch? – deutlich vergrößert werden, damit die gesamte Leistung und Kraft beherrschbar blieb. Er erhielt 295 mm breite Reifen auf 19-Zoll-Felgen, weshalb die gesamte Karosserie um 16 cm verbreitert werden musste.
Auch das Fahrwerk wurde um fast 8 cm tiefergelegt, während das Chassis „nicht wiederzuerkennen“ war. Wegen der enormen Leistungsdaten musste es nicht nur umfassend verstärkt werden, sondern auch eine komplett neue Abstimmung erhalten. Schließlich war der GTI nicht länger ein Fronttriebler, denn die Antriebsachse wanderte nach hinten.
Ein Volkswagen Golf GTI W12-650 wie nach dem Fitnessstudio
Neben der Verbreiterung wurde die Karosserie des Volkswagen Golf GTI vollständig neu gestaltet, um ihn in den W12-650 zu verwandeln. Besonders auffällig waren – abgesehen von der größeren Breite – die neuen Lufteinlässe direkt hinter den Türen, die dem W12 beim „Atmen“ helfen und ihn auf der richtigen Temperatur halten sollten.
Die C-Säule wurde zu einer Art Strebepfeiler: Die Heckscheibe rückte weiter nach hinten, sodass Luft zwischen ihr und der Säule hindurchströmen konnte – ähnlich wie beim Ferrari 599.
Auch die Heckschürze war einzigartig. Sie zeigte einen mächtigen Diffusor in der Mitte und vier Endrohre, jeweils zwei auf jeder Seite.
An der Front fiel vor allem der untere Lufteinlass auf, der sich über die gesamte Breite der Stoßstange erstreckte und wesentlich ausgeprägter ausfiel. Dieses Detail unterstrich den muskulösen und aggressiven Auftritt des Prototyps zusätzlich.
Im mit Alcantara ausgekleideten Innenraum waren Gemeinsamkeiten mit einem „normalen“ Golf GTI ebenfalls nahezu nicht auszumachen.
Der Einfluss des Rennsports war unverkennbar: sichtbar an den zusätzlichen Instrumenten in der Mitte des Armaturenbretts, den transparenten Schaltern direkt darunter, den fehlenden Türverkleidungen und sogar am Feuerlöscher, der dort angebracht war, wo sich normalerweise das Handschuhfach befindet.
Unterm Strich sorgte diese gesamte Muskelkraft – ausschließlich an die beiden Hinterräder geleitet – dafür, dass der Volkswagen Golf GTI W12-650 nicht gerade leicht zu bändigen war. Fahrspaß (oder Schrecken) und Tempo waren dennoch garantiert: Er erreichte 323 km/h und beschleunigte in weniger als 4s von 0 auf 100 km/h.
Die Vorgabe war alles andere als einfach, doch aus heutiger Sicht lässt sich mit Sicherheit sagen, dass diese Aufgabe mehr als erfolgreich gemeistert wurde.
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